Nikolaus
 
 

Interview mit Weihbischof Leichtfried für die Zeitschrift „Heiliger Dienst“

Ihre erste große Aufgabe als „Liturgie- und Bibel-Bischof“ war die Präsentation des neuen Lektionars. Die revidierte Einheitsübersetzung ist nun schon seit einiger Zeit im liturgischen Gebrauch. Wie fällt Ihr Fazit dazu bisher aus?

Die neuen Lektionare sind, allein zahlenmäßig, sehr gut aufgenommen worden. Das hat alle Erwartungen übertroffen! Für ein Fazit ist es noch zu früh, es geht jetzt um erste Erfahrungen mit dem ersten Band. Es gibt immer etwas zu verbessern, aber insgesamt sind die Rückmeldungen recht positiv. Die Einleitungen (vor allem bei den Paulusbriefen z.B. heißt es jetzt „an die Gemeinde in Korinth“ und nicht „an die Korinther“) und der Abschluss der Lesungen sind klarer geworden. Der Bibeltext selber klingt natürlich an manchen Stellen neu und ist nicht immer gefälliger geworden.

Welche Chancen ergeben sich aus der neuen Übersetzung? Und werden diese aus Ihrer Sicht genutzt?

Das ist die Herausforderung und gleichzeitig die Chance: die (erfreulicherweise!) vertraute Bibelstelle klingt auf einmal anders. Ein vielleicht auch persönlich liebgewonnenes Bibelwort heißt auf einmal gar nicht mehr so, z. B. beim Psalm 23. Eine Chance sehe ich darin, dass ich wieder neu auf den Text selber hinhören muss. Und dann bin ich oft auch schon gespannt, was wird denn das Evangelium am nächsten Sonntag Neues bringen? Von den äußeren Fragen nach dem Neuen, auch den „Neuigkeiten“, kann der Weg dann in die Tiefe führen: letztlich, was will Gott mir neu sagen, - heute, mir!

In Österreich sind die neuen Lektionare erfreulicherweise verbunden mit den „Jahren der Bibel“ – und das ist wirklich eine Freude, wie viele Initiativen es gibt, auch für Lektorinnen und Lektoren!

 ….. Daher ganz praktisch gefragt: Was würden denn Sie einem Lektor, einer Lektorin raten, wie er, wie sie sich auf die Lesung vorbereiten soll?

Für mich ist da am wichtigsten: dass ich mich selber in Ruhe mit der Lesung beschäftigen kann, noch zu Hause, und wenn es nur ein paar Minuten sind. In aller Ruhe den Bibeltext durchlesen, auf mich wirken lassen. Was sagt mir dieser Text? Das kann in einem Jahr, ja in drei Wochen schon wieder etwas anderes sein. Aber eben heute und mir. – Und dann gibt es ja sehr gute Hilfen für das bessere Verständnis der Lesungen im Bibelwerk usw.

Haben Sie ein Rezept für gute biblische Predigten?

Ein wichtiges Rezept: dass das Sonntagsevangelium und die anderen Lesungen mich schon die Woche vorher begleiten, so ab Dienstag. Beim persönlichen Beten. Im Lauf der Tage, in den verschiedenen Situationen, Begegnungen, Arbeiten. Was klingt da mit? Welche Schwierigkeiten („lebensfern!“, „unrealistisch“, „schaff ich nie!“) tauchen auf, welche Ermutigungen? Das ist noch keine Predigt. Aber eine wichtige Voraussetzung.

Welche Bedeutung messen Sie dem Antwortpsalm (samt Kehrvers) zu? Warum sollte es hier aus Ihrer Sicht noch Anpassungen in den folgenden Lektionaren geben?

Das Buch der Psalmen ist das Gebetsbuch der Bibel. Etwas verkürzt gesagt: 150 Gebetsformulare für alle möglichen und unmöglichen Situationen im Leben! Wie kann dieser Schatz gut gehoben werden? Und die Kehrverse sollten nicht zu kompliziert sein, dass man sie kaum wiederholen kann, sondern im Gegenteil: so einfach und treffend, dass sie nicht nur der Vers für den jeweiligen Psalm sind, sondern zu einem Kehrvers des Lebens werden können.

Die Heilige Schrift hat im Kirchenraum ihren eigenen Platz. Die Bedeutung des Ambos als Tisch des Wortes wird oft nicht überall angemessen wahrgenommen. Wie kann das verbessert werden?

Diese Frage hat verschiedene Dimensionen. Eine davon ist eine ganz praktische, ja technische: Wo steht ein Mikrophon? Möglichst auch noch mit einem brauchbaren Pult: für den Zelebranten, für die Heilige Schrift, für viele andere Texte und Mitteilungen usw.? Im Idealfall ist der Ambo reserviert für das Wort Gottes und dessen Auslegung (Homilie). Das ist gerade in unserer Zeit, wo wir von Informationen überflutet werden, wichtig! Wenn sich das in einer Pfarrgemeinde eingespielt hat, dann weiß ich: wenn von dort, also vom Ambo, etwas vorgelesen wird, dann geht es um mich persönlich! Dann ist das nicht irgendein Text, sondern die Heilige Schrift, das Wort Gottes für mich, ja für die ganze Welt, für alle Menschen, mit denen ich zu tun habe!