Nikolaus
 
 

Grußwort für das Rufzeichen, November 2019

Der Beitrag der Diakone zur Friedenssicherung

 Zur diesjährigen, 20. Österreichtagung, die zugleich den Auftakt zum 50-Jahr-Jubiläum des Diakonats in Österreich bildete, hatten die Diakone der Militärdiözese nach Wiener Neustadt in die Militärakademie eingeladen. Auch an dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön an das Team rund um Diakon Karl Kastenhofer für dieses wunderschöne und in vielfacher Hinsicht bereichernde Treffen! Aufgrund des besonderen Ortes ging es immer wieder um die Themen Frieden, Krieg, Gewalt, Vertreibung, internationale Kriegsschauplätze der Gegenwart und auch um die Aufgabe des Bundesheeres für die Friedenssicherung in Österreich und bei internationalen Einsätzen. Auf diesem Hintergrund standen die Gedanken meines Impulses, die ich hier für das Rufzeichen noch einmal zusammenfasse.

„50 Jahre Diakone in Österreich“: Es ist unmöglich, das in ein paar Minuten oder Sätzen zu würdigen! Aber einen besonderen Dank muss und möchte ich hier, auch im Namen der Österreichischen Bischofskonferenz zum Ausdruck bringen! Rein von der Zahl her ist es eine starke Gruppe geworden: 750 Diakone sind es in der Zwischenzeit geworden. Es ist eine „starke Truppe“ aber auch in einem anderen Sinn – auch wenn sie „in voller Mannschaftsstärke“ geschlossen noch nie aufgetreten ist: Eine Spezialeinheit für viele Sondereinsätze in der Vergangenheit und in der Gegenwart. Stark ist sie aber auch im normalen, regulären Einsatz. Ein großes Danke an diese Spezialkräfte unserer Kirche in Österreich, an Euch Diakone, und an alle, die diesen Einsatz ermöglichen und unterstützen, besonders Eure Ehefrauen und Familien!

Bei dieser Tagung ist uns das hohe Gut des Friedens besonders bewusst geworden. Wenn wir – ganz bewusst, oder eher beiläufig als Zeitangabe - sagen: „Nach dem Krieg“ oder „seit dem Krieg“, dann handelt es sich bei uns in Österreich um über 70 Jahre. In anderen Gegenden in Europa und der Erde ist das ganz anders. Über wie viele Familien, Dörfer und Städte bricht auch in der heutigen Zeit Elend und Leid herein, weil sie zufällig in einem Gebiet wohnen, für das es militärpolitische Interessen gibt und das deswegen zum Kriegsgebiet wird!

Machen wir einen Sprung von der Weltpolitik in die „Innenpolitik“ des einzelnen Menschen. Wie sieht es um den inneren Frieden der Menschen bei uns aus, nach 70 Jahren Frieden? Und wie sieht es in den vielen Situationen dazwischen aus, zwischen dem persönlichen inneren Frieden und dem Weltfrieden?

Die Diakone leisten hier einen großen Dienst, auf vielen verschiedenen Ebenen. Für das Geschenk des inneren Friedens, den ich nicht machen kann, der auch durch Schicksalsschläge oder unmenschliche Situationen um mich herum immer wieder bedroht ist, den ich auf der anderen Seite aber selber auch schützen und verstärken kann und für den ich immer wieder beten muss und kann. Die Diakone leisten einen großen Beitrag zum sozialen Frieden, wenn sie Menschen, die oft unschuldig zu Schaden gekommen sind, die benachteiligt, ausgegrenzt werden, oder die sich manchmal selber im Wege stehen, beistehen, ihre Not lindern, wenn sie mithelfen, dass nicht Streit, Neid, Hass, Gier und Geiz sich verfestigen und vermehren, sondern Vergebung, Barmherzigkeit, Geduld, Ruhe, ja Freude.

Noch einmal ein gedanklicher Sprung. Für die Liturgie lautet ein wichtiger pastoral-praktischer Grundsatz: Wenn es in einem Seelsorgeteam einmal – aus welchen Gründen auch immer – Konflikte gibt, dann soll man die nicht im Feld des Gottesdienstes austragen. Das wäre in mehrfacher Hinsicht unselig. In einem ganz anderen Sinn möchte ich heute aber dazu auffordern, Konflikte in den Gottesdienst hineinzutragen: Meine persönlichen „Kriegsgebiete“ in meinem Innersten, meine inneren Kämpfe, auch Niederlagen. Die bringe ich im persönlichen Gebet zu Gott – und auch in den Gottesdienst zum Altar: hier ist Platz dafür. – All den Unfrieden, den ich erleben muss, Streitigkeiten, die es gerade gibt, in die ich vielleicht auch unschuldig hineingezogen werde: die bringe ich im persönlichen Gebet zu Gott und in den Gottesdienst. – Den Streit und den Unfrieden, den ich an verschiedenen Orten erlebe, wo ich Augen- oder Ohrenzeuge bin: am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft, in derselben Straße, im Dorf, …: die bringe ich vor Gott und nehme sie mit zum Altar und in den Gottesdienst. Schließlich die Konfliktfelder in der eigenen Stadt, im Land, in der Wirtschaft, in der Gesellschaft: Wie finden sie Platz in meinem Gebet und in unseren Gottesdiensten, ohne in einem schlechten Sinn parteilich und politisch zu werden? Und die Kriegsgebiete und Flüchtlingslager dieser Erde, die benachteiligten und ausgebeuteten Regionen unserer Welt, in dieser unserer Woche: haben wir einen Blick für sie in unseren Gebeten und Gottesdiensten?

Ein letzter Gedanke. Zu den speziellen liturgischen Aufgaben des Diakons gehören zwei kurze, aber wichtige Aufforderungen. „Gebt einander ein Zeichen des Friedens und der Versöhnung“ – unmittelbar vor dem Kommunionempfang. Und: „Gehet hin in Frieden!“ In beiden Fällen jeweils Geschenk und Auftrag: Friede.

Das letzte Wort bei der Messfeier hat der Diakon. Egal wie schlicht oder wie festlich sie war, wie viele oder wenige mitgefeiert haben, wie traurig oder wie freudig der Anlass gerade ist. Das letzte Wort hat der Diakon. Es ist ein Wort des Friedens.