Gedenken und Forschen

Synagoge St. Pölten

St. Pölten, 5.11.2019 (dsp/mb) In den ersten Novembertagen veranstaltet das Institut für jüdische Geschichte Österreichs gemeinsam mit dem Bildungshaus St. Hippolyt einen Gedankabend, wo der Gewaltereignisse der Reichspogrome und der Opfer der Judenvernichtung in der Zeit des Nationalsozialismus gedacht wird. Die Novemberpogrome 1938 – bezogen auf die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 auch Reichspogromnacht oder zynisch (Reichs-)Kristallnacht genannt – waren vom nationalsozialistischen Regime organisierte Gewaltmaßnahmen gegen Juden in Deutschland und Österreich.

In dieser Nacht drangen mehrere SS- und SA-Angehörige in die Räume der St. Pöltner Synagoge ein, zerschlugen Fensterscheiben und legten Feuer. Am darauffolgenden Vormittag versammelten sich 300 bis 400 Personen vor dem Gebäude. Sie zogen unter dem Absingen politischer Lieder in die geweihten Räume und zerstörten diese komplett. Die Fenster wurden eingeschlagen, Torarollen, Toraschrein, Bänke und Bilder verbrannt. Die Bücher der umfangreichen Bibliothek wurden auf die Straße geworfen und verbrannt. Einige Personen erklommen die Kuppel und rissen den Davidstern vom Dach. Nahezu das gesamte bewegliche Vermögen der Kultusgemeinde wurde zerstört. Ein einzelnes Gebetbuch befindet sich seit 1998 wieder im Besitz der Kultusgemeinde.
1942 ging die Synagoge in den Besitz der Stadt St. Pölten über, die es als Auffanglager für russische Zwangsarbeiter benutzte. Bei den letzten Kämpfen und Bombenangriffen 1945 wurde das Gebäude weiter beschädigt.

Gedenkabend zum Jahrestag

Am 12. November wird dieser Nacht wieder gedacht. Bei der Ehemaligen Synagoge in St. Pölten gibt es um 18:30 Uhr die Möglichkeit, beim Gedenkstein an der Außenmauer Kerzen zu entzünden im Gedenken an die vernichtete jüdische Gemeinde St. Pöltens.

Nach dem Weg im Schweigen zum Bildungshaus St. Hippolyt informiert das Team des Instituts für jüdische Geschichte Österreichs und gibt Einblicke in aktuelle Forschungen zum Nationalsozialismus. Es moderiert Dr. Martha Keil.

Information und Anmeldung

Dr. Martha Keil, Institut für jüdische Geshcichte Österreichs martha.keil@injoest.ac.at 02742/77171-0; Memorbuch: www.juden-in-st-poelten.at