Fertig gegraben am Domplatz

Ausgrabungsleiter Risy mit großem Fund

Nach 10 Jahren muss man die Geschichtsbücher neu schreiben

St. Pölten, 22.11.20190 (dsp/mb) Mit Beginn der Grabungsarbeiten wurde im Jahr 2010 das Fenster in die Vergangenheit der Stadtgeschichte geöffnet. Die Grabungen wurden seitens des Bundesdenkmalamts vorgeschrieben. Das Bundesdenkmalamt stellte fest, „dass den römerzeitlichen und mittelalterlichen Bauresten sowie dem mittelalterlichen Friedhof am Domplatz eine nicht nur stadthistorische, sondern auch überregionale und geschichtliche und kulturelle Bedeutung zukommt. Aus archäologischer Sicht sind die Funde unter dem Domplatz eine wissenschaftliche Sensation.

Religiöses Zentrum der Stadt bereits im Spätmittelalter

Gleich vier Kirchen konnten im Zuge der Ausgrabungen belegt werden, die im Spätmittelalter hier gestanden haben: Die Klosterkirche – und heutige Domkirche, westlich davon die Andreaskapelle, im Norden die sogenannte Pfarrkirche und an der Nordseite des heutigen Domplatzes die Margarethenkapelle – die Hauptkirche des Frauenklosters. Somit war schon im Spätmittelalter der Domplatz das religiöse Zentrum St. Pöltens.

22.134 Skelette ausgegraben

St. Pöltens Bürgermeister Matthias Stadler spricht von „sensationellen Erkenntnissen“ und davon, dass „Geschichtsbücher neu geschrieben werden müssen“. Ein römischer Verwaltungspalast sowie vier Kirchen, vom Mittelalter bis zum Barock, wurden baulich auf dem Domplatz nachgewiesen. Exakt 22.134 Skelette wurden ausgegraben, die neue wissenschaftliche Erkenntnisse gebracht haben, die international sehr viel Beachtung finden. So könne durch die Ausgrabungen festgehalten werden, dass es schon im 11. Jahrhundert Zivilisationskrankheiten wie Krebs oder Arthrose gab, die uns noch heute beschäftigen. Der Anthropologe Karl Großschmidt, der jedes Skelett untersucht und alle Krankheiten gefunden hat, die man heutzutage auch kennt, berichtete auch, dass „nicht Kolumbus wie behauptet die Syphilis eingeschleppt hat. Diese Krankheit gab es schon vor Kolumbus in St. Pölten!“

Die Forschungen gehen weiter

Die Knochen müssen der modernen Medizin zu Forschungszwecken weiter zugänglich sein, deswegen dürfen die Knochen auch nicht begraben werden. Jedes Skelett wird einzeln in einem weißen Leichensack katalogisiert und im Depot am Städtischen Friedhof St. Pölten aufbewahrt. „Die Knochen erzählen uns heute noch sehr viel“, so Anthropologe Großschmidt.

Insgesamt kann noch mit einer beachtlichen Zahl aufgezeigt werden – es wurden innerhalb der zehn Grabungsjahre 6.759 Tonnen Erdmaterial händisch „weggepinselt“.

Domplatz neu?

2020 soll feststehen, wie der Domplatz künftig neugestaltet wird. „Es soll ein attraktiver urbaner Platz werden. Durch die Zusage der Garage unter dem Bischofsgarten kann man großzügiger nachdenken. Aber autofrei wird der Domplatz nicht werden, da bestimmte Dinge trotzdem dort abgewickelt werden müssen – wie Liturgie, Markt, Behindertenparkplätze oder Ladezonen“, so Bürgermeister Matthias Stadler, der sich auf ein Schmuckstück inmitten von St. Pölten freut.