Weihbischof Leichtfried präsentierte neues Lektionar

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Wien, 16.11.2018 (dsp) Am Ersten Adventsonntag - heuer der 2. Dezember - ist es soweit: Dann nämlich erhält die neue, revidierte Einheitsübersetzung der Bibel, die bereits seit zwei Jahren in Buchform erhältlich ist, nun auch offiziell Einzug in die Gottesdienste. Das dafür notwendige Lektionar wurde vom zuständigen österreichischen Liturgie-Bischof Anton Leichtfried bei einer Pressekonferenz in Wien präsentiert.


Das neue Lektionar, das die Schriftlesungen für die Sonn- und Feiertage enthält, basiert auf der neue Einheitsübersetzung, die im Dezember 2016 vorgestellt wurde. Für die Einführung des neuen Lektionars empfiehlt Weihbischof Leichtfried den Pfarren ein eigenes Begrüßungsritual, durch welches der neue Text als "Wort des lebendigen Gottes" gebührend in die Pfarre aufgenommen werden sollte.

Die revidierte Einheitsübersetzung und somit auch der dem neuen Lektionar zugrunde liegende Text sei nicht nur "auf neustem Stand der Bibelwissenschaft, sachlich richtiger, konsequenter und achtsamer gegenüber dem Judentum", sondern darüber hinaus auch eine "gut gelungene Aktualisierung" des biblischen Textes in die Gegenwart hinein. Zugleich stelle die Neuübersetzung eine "wohltuende Irritation" gerade auch für geübte Leser und Lektoren dar, so der auch für den Bereich Bibel in Österreich zuständige Bischof. Man könne und solle über die neu und anders übersetzte Passagen "stolpern" und sich so erneut und intensiver mit dem Text befassen. Dem pflichtete auch die Direktorin des Österreichischen Katholischen Bibelwerkes, Elisabeth Birnbaum, bei: Die Sprache der revidierten Einheitsübersetzung sei zwar "sperriger, aber auch schöner" als die bisherige. "Es ist eine 'gehobene Sprache', aber das Wort Gottes ist schließlich auch ein 'gehobenes Wort'", so Birnbaum.

Ein Zukunftsprojekt bleibe indes vorläufig die Revision des Messbuches, führte Leichtfried auf Anfrage weiter aus. Vor einem Jahr hat Papst Franziskus mit dem Apostolischen Schreiben "Magnum principium" die Übersetzung liturgischer Texte neu geregelt und dabei auch den örtlichen Bischofskonferenzen mehr Gestaltungsspielraum gegeben. Derzeit sei man im deutschen Sprachraum dabei, diese neuen Regeln strukturiert umzusetzen und Zuständigkeiten und Abläufe mit den Bischofskonferenzen in Deutschland und der Schweiz zu koordinieren. Dies stelle dann erst die Grundlage für das Großprojekt eines neuen Messbuches dar.

Würdevolle Begrüßung in Pfarren

Der Würde des Textes müsse auch die Einführung in den Pfarren entsprechen, apellierte der Liturgie-Bischof außerdem an die Gemeinden: So empfiehlt etwa ein über die Website des Österreichischen Liturgischen Instituts (www.liturgie.at) abrufbarer Gestaltungsvorschlag, das Lektionar mit einer Prozession zum Ambo zu tragen und dort eigens mit einem Gebet und einem Ritual zu begrüßen. "Ein besonderes Buch verlangt nach einem besonderen Ort und einer besonderen Einführung", so Weihbischof Leichtfried.

Darüber hinaus empfiehlt das Liturgische Institut den Pfarren, die bisher gültigen "alten" Lektionare gebührend zu verabschieden und etwa als Geschenke bewährten Lektorinnen und Lektoren zu überlassen, ihre Blätter einzeln künstlerisch zu umzugestalten und etwa bei Taufen oder anderen Sakramentenspendungen mit den jeweiligen Textpassagen den Sakramentenempfängern zu schenken und ähnliches. "Wichtig ist immer, dass der Umgang mit den Büchern der Würde des textlichen Inhaltes entspricht", erinnerte der zuständige Referent des Liturgischen Instituts, Christoph Freilinger, bei der Pressekonferenz. Ein Satz des "alten" Lektionars sollte außerdem im jeweiligen Archiv der Pfarre aufbewahrt werden.

Das Liturgische Institut unterstütze darüber hinaus Lektorinnen und Lektoren bei der Vorbereitung auf ihren liturgischen Dienst mit den neuen Büchern. "Der Text hat eine an manchen Stellen ungewohnte Sprache, da ist es hilfreich, sich gut vorzubereiten und den Vortrag gut einzuüben", so Freilinger. Schließlich sei die Verkündigung des Wortes Gottes zentraler Bestandteil des Gottesdienstes und erfordere eine entsprechende Sorgfalt. Eine kurze Handreichung dafür hat das Österreichische Katholische Bibelwerk erstellt, die bereits im mehreren Tausend Exemplaren im ganzen deutschsprachigen Raum nachgefragt wird.

Neues Äußeres

Der neue Klang der liturgischen Verkündigung des Wortes Gottes findet in der Buchgestaltung des Messlektionars eine optische Entsprechung. So präsentiert sich das Schriftbild aufgefrischt und zielt auf bessere Lesbarkeit. Die klare und ausdrucksstarke Einbandgestaltung hat der Wiener Künstler und Designer Christof Cremer gestaltet.

Die Grundfarbe aller Bände ist Gold, durchzogen von Linien, die je nach Band unterschiedlich sind. Der Schnitt aller Ausgaben des Lektionars ist rot, am Buchrücken befindet sich ein Kreuz und ein Hinweis zum jeweiligen Band. Beibehalten wurde das bisherige Format für das Lektionar.

Nachfrage größer als Erstauflage

Die seit 1969 geltende Leseordnung wurde in den neuen Lektionaren im Übrigen beibehalten. Es komme also nicht zu Verschiebungen, so Freilinger. In den nächsten Jahre erfolgt schrittweise bis 2022 die Einführung der weiteren Teilbände. Auch die Herausgabe eines neuen Evangeliar ist vorgesehen.

Derzeit habe die Auslieferung der ersten 15.000 gedruckten Exemplare begonnen - es lägen jedoch bereits laut "Herder"-Verlag 23.000 Bestellungen vor. Anders gesagt: Es werde zum Start vermutlich nicht in jeder Pfarre ein neues Lektionar verfügbar sein. Die zweite Auflage sei bereits in Druck. Bis Weihnachten würden diese voraussichtlich ausgeliefert sein, sodass für jede Pfarre zumindest ein Exemplar zur Verfügung stehen wird.

Bischöfe rufen "Jahre der Bibel" aus

Aus Anlass der Einführung des neuen Lektionars und somit der Einführung der neuen Bibelübersetzung in die gottesdienstliche Praxis rufen die österreichischen Bischöfe drei "Jahre der Bibel" aus. In dieser Zeitspanne, die mit dem Ersten Adventsonntag 2018 beginnt und bis zum 29. Juni 2021 reicht, soll die Bibel in zahlreichen Initiativen, Projekten und Veranstaltungen neu in den Fokus gerückt werden. Das Projekt "Bibel- Hören. Lesen. Leben" wird vom Österreichischen Katholischen Bibelwerk gemeinsam mit den Pastoralämtern umgesetzt. Ziel ist es, "dazu zu ermutigen, das eigene Leben mehr an der Bibel auszurichten und die Bibel als 'Seele der Pastoral' ins Bewusstsein zu bringen", wie es auf der vom Bibelwerk eigens geschaffenen Website www.jahrederbibel.at heißt.

Vorschläge zur Gestaltung des Gottesdienstes bei der Einführung des neuen Lektionars sowie weitere Information bietet das Liturgische Institut unter: www.liturgie.at/rund-um-das-neue-lektionar

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