Papst Franziskus empfing Präsidenten Trump

US-Präsident Donald Trump ist am Mittwochmorgen von Papst Franziskus in Privataudienz empfangen worden. Beide unterhielten sich in der päpstlichen Privatbibliothek im Beisein eines Dolmetschers knapp 30 Minuten, bevor Trump seine Familie und die übrigen Mitglieder der Delegation vorstellte. Anschließend sprach der Präsident mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin und dem vatikanischen Außenbeauftragten Erzbischof Paul Gallagher.

Als Geschenk übergab Franziskus dem Präsidenten unter anderem eine Medaille seines Pontifikats, die zwei gekreuzte Ölbaum-Friedenszweige zeigt, sowie eine Ausgabe seiner Botschaft zum Weltfriedenstag. Darin fordert er eine Strategie der Gewaltfreiheit sowie Abrüstung.

Papst Franziskus wirkte zum Ende der Audienz gelöster als zu Beginn, als er während eines ersten Fototermins ernst zu Boden geblickt hatte. Über Inhalte des Gesprächs wurde zunächst nichts bekannt.

Die Präsidentengattin Melania Trump trug dem vatikanischen Protokoll entsprechend ein über die Knie reichendes schwarzes Kleid und einen schwarzen Schleier über dem Haar. Auch Trumps Tochter Ivanka hatte ihre blonde Frisur mit einem netzähnlichen Schleier bedeckt. Beide begrüßten den Papst mit einem ausdauernden Händedruck. Gary Cohn, Wirtschaftsberater des Präsidenten und Jude, war der einzige, der den traditionellen Ringkuss vollzog.

Wie der Vatikan im Bollettino bekanntgab, seien der gemeinsame Einsatz für Lebensschutz sowie für Religions- und Gewissensfreiheit Thema des Besuchs von US-Präsident Donald Trump gewesen. Im Laufe der "herzlichen Gespräche" am Mittwoch habe man Zufriedenheit über die bilateralen Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und den Vereinigten Staaten bekundet. Zugleich hoffe man auf eine unbeschwerte Zusammenarbeit zwischen Staat und katholischer Kirche in den USA. Der Vatikan verwies dabei auf das kirchliche Engagement auf den Gebieten der Gesundheit, der Bildung und der Hilfe für Einwanderer.

Als weitere Inhalte der Begegnungen benannte die Mitteilung einen Meinungsaustausch über aktuelle internationale Fragen und die Förderung des Weltfriedens durch politische Verhandlungen und interreligiösen Dialog. Besonderes Augenmerk habe auf der Situation im Nahen Osten und dem Schutz der Christen gelegen, hieß es. An dem Gespräch nahm laut den Angaben auch der päpstliche Außenbeauftragte Erzbischof Paul Gallagher teil.

Im Anschluss an die Vatikantermine fuhr Donald Trump zum Amtssitz des italienischen Präsidenten Sergio Mattarella. Danach wollte er in der Villa Taverna Premierminister Paolo Gentiloni treffen, um die Tagesordnung beim G7-Gipfel am Freitag in Taormina durchzugehen. Quirinale.

Bevor die Air Force One um 13.40 Uhr nach Brüssel abhebt, wollte First Lady Melania Trump das Krankenhaus Bambin'Gesu besuchen, während Trumps Tochter Ivanka eien Termin in der Gemeinschaft von Sant'Egidio hatte. Thema war der Menschenhandel mit Frauen, auch zu Zwangsprostitution.

Der Besuch des Präsidenten ist von hohen Sicherheitsvorkehrungen begleitet. Zufahrtsstraßen rund um den Vatikan sind abgesperrt. Über der Stadt Rom ist seit dem frühen Morgen allenthalben Hubschrauberlärm zu hören. Eine Batterei der Fluggeräte umkreist die Innenstadt und den Vatikan. Mehr als 1.000 Security-Agents sind an Land eingesetzt, in Zusammenarbeit mit der CIA.

Der Präsidenten-Konvoi mit rund 60 Wagen erreichte den Vatikan um 8.20 Uhr über die abgesperrte Via della Conciliazione und die Porta del Perugino, einen Seiteneingang des Kleinstaats. Auf dem Petersplatz versammeln sich zur Stunde Tausende Pilger zur wöchentlichen Generalaudienz. Präsident und First Lady wurden von einer Wache der Schweizergarde und mit Händedruck durch den Präfekten des Päpstlichen Hauses, Erzbischof Georg Gänswein, begrüßt. Eine Delegation von elf Personen folgten Gänswein, mit Präsident Trump an der Spitze, weiters die Familie sowie u.a. der Chargé d'Affaires der US-Botschaft beim Heiligen Stuhl.

(24.05.2017, KAP)