64.175 Teilnehmer/innen bei Bildungswerk-Veranstaltungen

St. Pölten, 23.04.2017 (dsp) Bei der Jahrestagung des Katholischen Bildungswerkes im Bildungshaus St. Hippolyt wurden eindrucksvolle Zahlen präsentiert: Laut Statistik erreichte das kbw im Jahr 2016 bei 1.615 Veranstaltungen 64.175 Teilnehmer/innen. Das diözesane kbw wird von vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen getragen. In 210 Pfarren gibt es das Katholische Bildungwerk, darin engagieren sich 755 Personen. Durch die Pfarrgemeinderatswahl hoffe man auf neue Mitwirkende. Bei der Jahrestagung wurden die kommenden Schwerpunkte präsentiert, ein weiterer Höhepunkt war das Referat des renommierten Psychotherapeuten und Theologen Prof. Arnold Mettnitzer, der über sinnerfülltes Leben sprach.

Kbw-Vorsitzende Angela Lahmer-Hackl und Geschäftsführer Gerald Danner erinnerten an die vielen Schwerpunktthemen. So gab es zuletzt in den Pfarren viele Angebote zu den Themen Flucht, Asyl und Flüchtlingsbetreuung. Auch die Themen Islam und interreligiöser Dialog seien in den Pfarren stark nachgefragt worden. Lahmer-Hackl warb dafür, Verbindendes hervorzuheben und das Miteinander zu forcieren, aber auch Probleme anzusprechen. Weiters habe es zahlreiche Veranstaltungen zum Thema "Bibel.bewegt" gegeben, die in vielen kleineren Pfarren sehr gut angenommen wurden. Ein großer Erfolg war das Elternbildungsprojekt "Eltern.tisch", bei dem sich Eltern über Erziehungsthemen austauschen und zu Moderatoren ausbilden lassen können. Über 50 Prozent der Kursteilnehmer/innen seien Migranten aus dem Irak, Syrien, Ukraine, Tschetschenien oder Türkei. Viele hochkarätige Kurse stehen demnächst an: etwa der Grundkurs Kirchenpädagogik für Kirchenführungen mit Sr. Ruth Pucher oder Vorträge von Weihbischof Anton Leichtfried zum Thema "Den Glauben entfalten".

Das Katholische Bildungswerk erinnerte in einer Gedenkminute an drei Persönlichkeit, die im Vorjahr starben und sich stark für das kbw engagierten: Sepp Winklmayr, Direktor der Pastoralen Dienste, Leo Prüller, ehemaliger Leiter des Bildungshauses St. Hippolyt, sowie Karl "Jonny" Dillinger, ehemaliger kbw-Vorsitzender. Außerdem wurden langjährige ehrenamtliche Mitarbeiter/innen aus den Pfarren zu Workshops geladen.

Der renommierte Theologe und Psychotherapeut Arnold Mettnitzer sprach "Über die Sinne zum Sinn" und über geglücktes Leben. Die Suche nach dem Sinn des Lebens sei eine Gemeinschaftssache und führe über die Sinne. Über das Reden über religiöse Themen könne man über den Smalltalk des Alltages herauskommen. Denn gerade bei spirituellen Gesprächen könne gut thematisiert werden, wofür man innerlich "brenne", was einem wichtig ist - und jede/r habe etwas zu sagen. Gerade auch mittels präziser Frage komme die Welt ins Erstaunen.

Begeisterungsfähigkeit des Kindes wiederentdecken

Wir könnten unmittelbar "geglücktes Leben", erleben, wenn wir Kindern beim Leben zuschauen. Dort stehe nicht die Sinnfrage im Vordergrund, sondern Neugier, Begeisterung und Lebensfreude. Kinder kommen nicht als unbeschriebenes Blatt, als "Tabula rasa" auf die Welt. Alles, was später aus ihnen wird, sei bereits im Moment ihrer Geburt in ihnen als Potenzial angelegt. Alles, was dann das Kind prägt - die Umwelt, die Menschen, die Natur - kommt über die fünf Sinne in dieses Kind hinein. Aus dem Gebrauch unserer Sinne würden wir so Sinnerfüllung erleben. Das zeige sich ua. daran, dass sich ein gesundes Kind 30-50 Mal am Tag für eine Sache restlos begeistern könne. Nur so eine kindliche Großherzigkeit sei in der Lage, sich den Himmel als Inbegriff aller Sinnhaftigkeit vorstellen zu können - wie es auch schon Jesus von Nazareth zu vermitteln versuchte. Menschen, denen das Lachen vergangen und der Glanz aus den Augen abhanden gekommen sei, wolle er als Psychotherapeut helfen, wieder dorthin zu finden, wo man als Kind schon gewesen ist. Als Erwachsene würden wir die Lust am Fragen verlieren, aber das Fragen sei eine Lebensakademie. Es gehe darum, wieder Anschluss zu finden an die verloren gegangene Begeisterung, die man als Kind (noch) hatte. Für diese Rückbindung an den Wurzelbereich stehe im Lateinischen das Wort "religio". Sinn und oberste Aufgabe aller Therapie verstanden als "religio" wäre es also, einem Menschen dabei behilflich zu sein, wieder in die Kraft zu kommen, wieder dorthin zu finden, wo man als Kind in all der Begeisterungsfähigkeit schon gewesen sei. Der Mensch höre viel zu früh auf, stolz und selbstbewusst zu sagen "Ich bin" und beginne viel zu früh "Ich sollte sein" zu denken. Dabei verliere der Mensch gerade das aus den Augen, was ihn unverwechselbar und einzigartig mache. Es gelte, sich als Erwachsener die Begeisterungsfähigkeit der Kindes zu erhalten. Je mehr das gelinge, desto weniger werde auf ihn folgender Satz zutreffen: "Alle Menschen werden als Originale geboren, die Mehrzahl von ihnen wird als billige Kopie zu Grabe getragen!"

Mettnitzer, der gerade eine Woche als Turmeremit im Linzer Mariendom verbracht hat, nennt ein Beispiel für Sinnstiftung: nämlich den Augenblick der Stille bei der Wandlung bei der Feier der Eucharistie. Das habe selbst den früheren Burgtheater-Direktor Claus Peymann imponiert, wie Mettnitzer berichtet. Das sei ein Moment erfüllter Stille. Hier stelle sich die Frage nach dem Sinn des Lebens nicht mehr, hier habe man einfach das Gefühl, dass die Welt Sinne habe.