50 Jahre "Populorum progressio"

Als "Meilenstein für die Katholische Soziallehre und Entwicklungszusammenarbeit" hat Bischof Werner Freistetter die vor 50 Jahren veröffentlichte Enzyklika "Populorum progressio" bezeichnet.

Das von Papst Paul VI. (1963 bis 1978) am 26. März 1967 vorgelegte Schreiben gehe von einem "umfassenden und differenzierten Verständnis von Entwicklung aus, das auch heute noch grundlegend für unsere Arbeit ist", betonte der österreichische Militärbischof, der in der Bischofskonferenz auch für den Bereich Entwicklungszusammenarbeit (EZA) zuständig ist.

"Wahre Entwicklung muss umfassend sein, sie muss jeden Menschen und den ganzen Menschen im Auge haben", verwies Freistetter auf Punkt 14 der Enzyklika. Auch die Darlegung, dass ein enger Zusammenhang von Entwicklung und Frieden bestehe, sei ein großer Verdienst Pauls VI. gewesen.

"Populorum progressio" war die erste Sozialenzyklika, die ganz den Fragen der Entwicklung gewidmet war. Sie befasste sich mit dem wachsenden Nord-Süd-Gefälle und machte sich zum Anwalt der armen Länder. Das Lehrschreiben hatte damit auch großen Einfluss auf die Entwicklungszusammenarbeit. Nicht zuletzt gehen auf die Enzyklika die Grundprinzipien der kirchlichen EZA und die der Mitgliedsorganisationen der Koordinierungsstelle der Bischofskonferenz für Entwicklung und Mission (KOO) - darunter u.a. Dreikönigsaktion, Katholische Frauenbewegung, Katholische Männerbewegung und Caritas - sowie die von der Bischofskonferenz vor 20 Jahren beschlossenen Leitlinien für kirchliche EZA zurück, betonte KOO-Geschäftsführer Heinz Hödl.

"Nichts an Aktualität verloren" hat nach den Worten Hödls der Ausgangspunkt der Enzyklika, dass die soziale Frage und die daraus resultierenden sozialen Konflikte ein weltweites Ausmaß angenommen haben. Dies habe auch weitreichende Konsequenzen für die Entwicklungspolitik. "Die Enzyklika wendet sich nämlich implizit gegen die weit verbreitete Vorstellung, dass gesamtwirtschaftliches Wachstum über kurz oder lang automatisch auch den Armen zu Gute kommt", so Hödl gegenüber "Kathpress".

Wirtschaftswachstum sei zwar eine notwendige, keineswegs aber eine hinreichende Bedingung für die Überwindung von Armut und Unterentwicklung. Mindestens ebenso wichtig sei eine soziale Entwicklung, welche Ungleichheiten verringert.

Heute trete neben Gerechtigkeit und Frieden auch die ökologische Dimension stärker ins Bewusstsein, so Hödls Beobachtung. Es gelte daher zu lernen, "dass die Schöpfung und alles, was lebt, einen gottgewollten Eigenwert besitzen und nicht allein zum Nutzen des Menschen da sind". Der Ideologie eines grenzenlosen Wirtschaftswachstums durch willkürliche Ausbeutung der Natur müsse "die Ehrfurcht vor der und die Verantwortung für die Schöpfung" entgegengesetzt werden.

Dreikönigsaktion: An Verantwortlichkeit erinnern

Die in der EZA tätigen Kirchenorganisationen sehen sich im Auftrag, "zu einer gerechteren Welt beizutragen", erklärte Jakob Wieser, Geschäftsführer der Dreikönigsaktion. Motivationshilfe dazu seien auch die zahlreichen Partnerorganisationen, die immer stärker dazu auffordern würden, "den Blick auf die Verantwortung der reichen Länder zu richten". Als Beitrag zu friedlicher Zukunft gelte es jene Entwicklung zu fördern, "die innerhalb der Grenzen unseres Planeten ein gutes Leben für alle ermöglicht", so Wieser. Die Dreikönigsaktion unterstützt derzeit über 500 Projekte weltweit, die inhaltlich von Friedensinitiativen über nachhaltige ländliche Entwicklung bis hin zu Stärkung von Menschenrechten reichen.

(24.03.2017, KAP)