50 Jahre Charismatische Erneuerung

Papst Franziskus nimmt Anfang Juni an einer Zentralveranstaltung des Kongresses der katholischen Charismatischen Erneuerung (CE) teil. Bei dem Großtreffen der Erneuerungsbewegung in Rom an den Tagen um Pfingsten (31. Mai bis 4. Juni) wird das 50-Jahr-Jubiläum der CE begangen.

Höhepunkte sind ein Gottesdienst mit Zehntausenden CE-Mitgliedern im Circus Maximus am 2. Juni, eine abendliche ökumenische Gebetsvigil mit dem Papst, ebenfalls im Circus Maximus am 3. Juni,  sowie die Messe auf dem Petersplatz am 4. Juni (Pfingstsonntag). Erwartet werden mehr als 40.000 "Charismatiker". Auch Kardinal Christoph Schönborn nimmt teil.   

Die Katholische Charismatische Erneuerung entstand 1967 als missionarische Studentenbewegung an der katholischen Duquesne-Universität in Pittsburgh (USA). Die Bewegung übernahm Elemente der protestantischen Pfingstkirchen wie die Taufe im Heiligen Geist und das Zungengebet. Wesentlicher Förderer der Charismatischen Erneuerung war der belgische Kardinal Leo Joseph Suenens (1904-1996).

Bei dem Kongress in Rom sprechen mehrere Kardinäle, darunter der für die Erneuerungsbewegungen ("Movimenti") zuständige Kurienkardinal Kevin Joseph Farrell. Weitere Purpurträger, die angekündigt wurden, sind Stanislaw Rylko, Angelo Comastri und Paul Josef Cordes. Einen der Vorträge in der Lateran-Basilika hält der Wiener Diakon Johannes Fichtenbauer; er ist Präsident des "European Network of Communities".        

Bei der Präsentation des Pfingstprogramms in Rom sagte die Präsidentin des Weltdachverbands "International Catholic Charismatic Renewal Services" (ICCRS), Michelle Moran, dass Gruppen von Mitgliedern an den fünf Tagen an allen größeren Plätzen in Rom präsent sein wollen. Es sollten vor allem Jugendliche angesprochen werden.

Das Programm enthält weiters ein theologisches Symposion, ein Seminar über die Familie, ein Treffen der Priester mit Erneuerung des Weiheversprechens und Gottesdienste in den römischen Basiliken. Der Papst habe darum gebeten, dass es ein "größtmöglich inklusives Treffen" werde, mit so vielen Teilnehmern wie möglich und niedrigen Kosten, sagte Moran.

"Katholischer Pentekostalismus"

Die katholische Charismatische Erneuerung steht nach der evangelikalen Pfingstbewegung an zweiter Stelle der bedeutenden neuen christlichen Bewegungen, die im vergangenen Jahrhundert auftauchten. Ebenso wie der evangelikale Pentekostalismus wurde die CE in den USA geboren. Von einem Pittsburgher Vorort, wo mehrere Studenten die Taufe im Heiligen Geist erlebt hatten, verbreitete sich das neue  Phänomen des "katholischen Pentekostalismus" schnell zu anderen großen US-Universitäten wie Notre Dame und Michigan State University.

Während die CE heute unter den lateinamerikanischen Katholiken ("Hispanics") in den USA lebendig ist, flaute die Begeisterung der euro-amerikanischen Pfarrmitglieder seit den 1980er-Jahren stark ab. Große Begeisterung für die Bewegung besteht weiterhin  in den Ländern Mittel- und Südamerikas, wohin sie in den 1970er-Jahren von meist amerikanischen Jesuitenpatres und Dominikanern in die Region "exportiert" wurde.

Einen starken Boom erlebten die "Charismatiker" in den 1970er- und 1980er-Jahren auch in Frankreich. Auch dort waren die Dominikaner die Pioniere. Es entstanden die auch in Österreich bzw. Deutschland präsenten Gemeinschaften wie "Communauté de l'Emmanuel", "Gemeinschaft der Seligpreisungen" (mit Österreich-Zentrum in Maria Langegg/Wachau), Johannesbrüder (Marchegg) und "Gemeinschaft Jerusalem" (Köln). Eine Österreich-Gründung ist die im Jahr 1987 gegründete Loretto-Gemeinschaft mit Sitz in Wien. Auch in der Schweiz, Italien, Deutschland und Ungarn gibt es Loretto- Gebetskreise.

Bei der Präsentation des Pfingstprogramms schätzte die Leiterin des Weltdachverbands ICCRS, Michelle Moran, die Zahl der Mitglieder der CE auf 120 Millionen. Zentren sind schon lange nicht mehr USA und Westeuropa, sondern Lateinamerika, die Philippinen und Afrika.

(24.05.2017, KAP)