Weihbischof Leichtfried: Schwierige Bibeltexte nicht scheuen

Weichbischof Dr. Anton Leichtfried

Linz, 31.8.2016 (dsp/KAP) Für eine intensivere Auseinandersetzung mit der Bibel, vor allem auch mit schwierigen Texten, hat sich Weihbischof Anton Leichtfried ausgesprochen. Der in der Österreichischen Bischofskonferenz für Bibelthemen zuständige Bischof eröffnete die 4. Bibelpastorale Studientagung im Bildungshaus Puchberg bei Wels, zu der mehr als 130 Teilnehmer aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und Rumänien gekommen waren, wie die Kirchenzeitung der Diözese Linz berichtet.

Im Mittelpunkt der Tagung stand das Johannes-Evangelium. Die Auseinandersetzung mit diesen "oft schwierigen Texten" sollte man nicht scheuen, so Leichtfried wörtlich. Beim Wort Gottes gehe es um jeden persönlich, "um Gott, ums ganze Leben, um die ganze Welt".

Leichtfried bekräftigte weiters seinen Vorschlag, bei der Liturgiefeier den Ambo ausschließlich für die Verkündigung des Wortes Gottes zu verwenden. Das heißt: Lesungen, Antwortgesang, Halleluja-Ruf, Evangelium und Predigt geschehen vom Ambo aus, maximal noch die Fürbitten - "und sonst nichts", so der Weihbischof. Damit mache man deutlich, dass es bei den Lesungen aus der Bibel "nicht um irgendetwas geht, sondern um etwas ganz Besonderes, um das Wort Gottes. Gottes Wort gebührt ein eigener, hervorgehobener Ort." In Pfarren, wo sich das eingespielt hat, werde dies als gut und wichtig erlebt, betonte Leichtfried.

Der Trierer Neutestamentler Prof. Hans-Georg Gradl arbeitete in seinem Vortrag heraus, wie anders als Johannes die Evangelisten Matthäus, Markus und Lukas Jesus beschreiben: "Bei Johannes ist nichts mehr von den Schweißperlen zu spüren, die Jesus übers Gesicht laufen, nichts von seinem Zweifel und seiner Angst in Getsemani." In der alten Kirche wurde es im Unterschied zu den drei "leiblichen" Evangelien als "geistiges" Evangelium bezeichnet und darin ein Ausweis der besonderen Qualität gesehen: der Evangelist Johannes wolle eine vertiefte Wahrnehmung der Jesus-Gestalt bieten, so Gradl. Die Sprache des Johannes sei eine reichhaltige Sprache, dank der man immer ganz neue Nuancen an Jesus entdeckt. Da ist man nie am Ende", betonte der Neutestamentler.

Auch der Linzer Bischof Manfred Scheuer nahm an der Tagung teil und leitete eine liturgische Feier. Veranstaltet wurde die Studientagung vom Bibelwerk Linz und dem Bildungshaus Schloss Puchberg, in Kooperation mit dem Österreichischen Katholischen Bibelwerk und dem Stift Klosterneuburg.