Tausende pilgern am 15. August in Marienorte

Im Zeichen von Festgottesdiensten und Prozessionen steht am Montag das "Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel", das höchste Marienfest der katholischen Kirche. Das am 15. August gefeierte Hochfest wird volkstümlich "Mariä Himmelfahrt" genannt. Das auch "Großer Frauentag" genannte Fest ist mit einer Reihe von Bräuchen wie den Kräutersegnungen verbunden.



Im Wiener Stephansdom zelebriert Domkustos Prälat Josef Weismayer um 9.30 Uhr den Festgottesdienst. Domchor und Domorchester gestalten den Gottesdienst musikalisch mit der "Mariazeller Messe" von Joseph Haydn (1732-1809). Im Salzburger Dom zelebriert Weihbischof Andreas Laun um 10 Uhr das Pontifikalamt.

Die Tradition der bekannten Wörthersee-Schiffsprozession am 15. August geht auf das Jahr 1954 zurück. Auf Einladung des Kärntner Bischofs Alois Schwarz wird heuer der Grazer Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl predigen. Ab 18.30 Uhr findet an der Schiffsanlegestelle Klagenfurt ein Rahmenprogramm statt, das auf die Marienschiffsprozession mit der aus dem portugiesischen Wallfahrtsort Fatima stammenden Marienstatue der Klagenfurter St. Josef-Kirche einstimmt. Einlass auf die drei Prozessions-Schiffe ist ab 19.30 Uhr. Haltestelle sind Krumpendorf, Pörtschach, Velden und Maria Wörth. Gegen Mitternacht trifft die Prozession wieder in Klagenfurt ein (Karten: Pfarramt St. Josef-Siebenhügel, Tel. 0463/22.618).

Eine Schiffsprozession gibt es am 15. August auch auf dem Bodensee. Die "Fatima-Schiffsprozession für ein christliches Europa" entstand aus einer privaten Initiative. Heute ist sie eine echte "Dreiländer-Wallfahrt" Österreich-Bayern-Schweiz zur Fatimastatue, die am Dreiländereck im Bodensee versenkt ist. Das Programm der österreichischen Marienpilger beginnt um 17.30 Uhr in der Bregenzer Kapuzinerkirche. Die Gläubigen ziehen später gemeinsam zum Hafen, wo um 20 Uhr die Prozessionsschiffe starten (Anmeldung: Tel. 05574/79.436).

Tausende Pilger in Mariazell erwartet

Tausende Pilger werden am Marienfeiertag im österreichischen Nationalheiligtum Mariazell in der Steiermark erwartet. Den Festgottesdienst um 10 Uhr in der Mariazeller Basilika wird der Erzabt von Pannonhalma, Bischof Astrik Varszegi, zelebrieren. Bereits am Vorabend, 14. August, wird in Mariazell um 20.30 Uhr eine große Lichterprozession durch die Stadt abgehalten.

Ganz im Zeichen des Festes der Aufnahme Mariens in den Himmel stehen am 15. August auch die großen Wallfahrtsorte im Burgenland. In der Basilika von Frauenkirchen im Seewinkel feiert Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics um 10 Uhr die Festmesse. Zeitgleich findet das Hochamt in der Wallfahrtsbasilika Loretto statt, bereits am 14. August gibt es nach der Vorabendmesse um 20 Uhr eine Lichterprozession.

In Tirol wird das Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel zugleich als Landesfeiertag zur Erinnerung an die Befreiung Tirols begangen. Im wichtigsten Marienwallfahrtsort Tirols, der Basilika Absam, findet die Festmesse an Mariä Himmelfahrt um 10 Uhr statt.

Seit Mitte des fünften Jahrhunderts

Der "Tag der Gottesmutter Maria" ist bereits für die Mitte des 5. Jahrhunderts bezeugt. Die östliche und die westliche Kirchentradition setzten später unterschiedliche Akzente: Die ostkirchliche Theologie spricht von der "Entschlafung" (dormitio) Mariens, die westkirchliche von der "Aufnahme in den Himmel" (assumptio). Papst Pius XII. (1939-1958) erklärte im Jahr 1950 - nach einer Befragung aller Bischöfe der katholischen Weltkirche - die "leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel" als bislang letztes katholisches Dogma. Der Pacelli-Papst hatte damit eine seit vielen Jahrhunderten von Theologie und Volksfrömmigkeit bezeugte Glaubenslehre feierlich proklamiert.

In Liturgie, Theologie und Volksfrömmigkeit wird Maria am 15. August einerseits als "Mutter" dargestellt - Mutter Jesu und Mutter der Menschen -, andererseits aber auch als "Urbild des Glaubens" und "Vorbild der Kirche".

Aus den Legenden um die Gottesmutter haben sich einige Bräuche entwickelt, die heute noch lebendig sind. Der alte Brauch der Kräutersegnungen am 15. August geht auf den Kirchenvater Johannes von Damaskus zurück, der als Mönch um 700 im Kloster Mar Saba bei Jerusalem lebte. Seiner Erzählung nach ist dem Grab Mariens in dem Augenblick, in dem Maria in den Himmel aufgenommen wurde, ein wunderbarer Duft wie von Kräutern und Blumen entstiegen. Eine andere Legende erzählt, dass die Apostel das Grab Mariens noch einmal öffnen ließen. Dabei fanden sie nicht mehr den Leichnam, sondern Blumen vor. Nach der Segnung der Kräuter am 15. August werden diese im Haus, oft in Form von Kräuter-Sträußen, aufbewahrt.

(KAP, 10.08.2016)