Schönborn: Besondere Verantwortung für christliche Flüchtlinge

"Wir haben eine besondere Verantwortung gegenüber unseren verfolgten christlichen Glaubensgeschwistern in Syrien": Das hat Kardinal Christoph Schönborn im "Kathpress"-Gespräch betont. Er traf am vergangenen Freitag mit drei christlichen Flüchtlingsfamilien aus Syrien zum Mittagsgebet und Mittagessen im Wiener Erzbischöflichen Palais zusammen.

Die Familien kamen im Rahmen eines sogenannten "Resettlement"-Programms nach Österreich, mit dem besonders gefährdete Flüchtlinge direkt ins Land geholt werden; darunter auch viele Christen, wie Schönborn sagte. Schutzbedürftig seien freilich zwar nicht nur Christen, "aber sie sind mitunter die schutzlosesten und wehrlosesten".

Der Erzbischof konnte im Palais u.a. die 25-Jährige Sahar Bahno begrüßen. Vor den Augen der damals hochschwangeren Syrerin wurde ihr Mann von IS-Terroristen erschossen. Der Grund? "Weil wir Christen sind", erklärte Sahar. Ihre Flucht führte die Frau gemeinsam mit ihrem Bruder Feras und ihrem neugeborenen Sohn Josef zuerst in den Libanon. Von dort aus kam sie mit ihrer Familie nach Österreich. Seit einem Monat wohnt die Familie in der Pfarre Dornbach im 17. Wiener Gemeindebezirk.

In Syrien hat die 25-Jährige als Angestellte in einem Pharma-Konzern gearbeitet, "das möchte ich auch hier in Österreich machen, wenn ich die Sprache gelernt habe". Von der Zukunft wünscht sie sich ein friedliches und gutes Leben für sich und ihren Sohn. Ihr besonderer Dank gelte der katholischen Kirche und mit ihr Kardinal Schönborn, so die junge Frau.

Das Resettlement-Programm, bei dem die Kirche eng mit dem Innenministerium zusammenarbeitet, habe den Vorteil, dass die Menschen kontrolliert und sicher nach Österreich kommen können, so Schönborn, - "ohne Schlepper und ohne die vielen weiteren Gefahren der Flüchtlingsrouten". Die Menschen müssten auch in Österreich kein Asylverfahren mehr durchlaufen. Die Fälle würden von den Behörden zuvor schon sorgfältig geprüft, so Schönborn, der der Regierung bzw. dem Innenministerium in diesem Zusammenhang auch seinen Dank aussprechen wollte. Sind die Menschen einmal in Österreich, könne die Integration sofort beginnen.

Dabei würden sich die vor allem die christlichen Flüchtlinge sehr schnell integrieren, berichtete der Kardinal. Sie würden in den Pfarren von vielen Freiwilligen sehr engagiert betreut und würden rasch privaten und beruflichen Anschluss finden. Im Übrigen geschehe viel Gutes hier, ohne das es öffentlich bekannt wird, ergänzte der Erzbischof: "Wir tun auch vieles, ohne darüber zu reden."

"Wir haben als Christen hier im Land eine besondere Verantwortung gegenüber verfolgten Christen", betonte Schönborn. Viele Muslime würden beklagen, dass sie diese Solidarität in ihrer eigenen Glaubensgemeinschaft nicht wahrnehmen würden. Freilich gebe es auch muslimische Länder wie Jordanien, die sehr wohl sehr solidarisch agieren würden, ergänzte der Kardinal.

(06.06.2016, KAP)