Papst gegen Gender-Mainstreaming in Entwicklungspolitik

Papst Franziskus hat entwicklungspolitisch betriebenes Gender-Mainstreaming als eine Form der "ideologischen Kolonialisierung" bezeichnet. Das geht aus dem Gesprächsprotokoll über das Treffen mit der Polnischen Bischofskonferenz von 27. Juli hervor, das der Vatikan am 2. August veröffentlichte.

Am Rande des Weltjugendtages beklagte der Papst demnach gegenüber Bischöfen, dass bereits Kinder mit der Gender-Ideologie konfrontiert würden: "Heutzutage wird in den Schulen Kindern beigebracht - Kindern! - dass sich jeder sein Geschlecht frei aussuchen kann." Damit werde versucht, den Gedanken zu vernichten, dass Gott Mann und Frau als seine Ebenbilder erschaffen habe.

Die entsprechenden Lehrbücher würden von jenen Menschen und Institutionen zur Verfügung gestellt, die das Geld gäben. "Es ist eine ideologische Kolonisation, unterstützt auch von einflussreichen Ländern. Und das ist schrecklich. Im Gespräch hat mir Papst Benedikt, dem es gut geht und der im Denken klar ist, gesagt: 'Eure Heiligkeit, dies ist das Zeitalter der Sünde gegen Gott in seiner Eigenschaft als Schöpfer."

Das Treffen des Papstes mit den Bischöfen hatte hinter verschlossenen Türen stattgefunden. Dies sei hilfreich gewesen, weil so möglichst offen gesprochen werden konnte und man aufnahmebereiter sein, sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi im Anschluss.

Franziskus habe der polnischen Kirche keine Kopfwäsche verabreicht, berichtete Erzbischof Stanislaw Gadecki, der Vorsitzende der Polnischen Bischofskonferenz, in der gleichen Presskonferenz gegenüber Journalisten. Vielmehr sei es eine sehr herzliche Begegnung gewesen, bei denen der Papst den Bischöfen und ihren Sorgen zugehört und dann zu ihnen äußerst verständnisvoll und "wie ein Vater zu Kindern" gesprochen habe. Auf vier Fragen der Bischöfe sei Franziskus dann konkret eingegangen - spontan, in einer nicht vorbereiteten Rede.

(04.08.2016, KAP)