Neuer Caritasdirektor: „Grundwasserspiegel an Solidarität“ aufrechterhalten

Hannes Ziselsberger

St. Pölten, 26.08.2016 (dsp) „Wir müssen gemeinsam die soziale Infrastruktur im Land und den Grundwasserspiegel an Solidarität aufrechterhalten“, sagte der designierte neue Caritasdirektor der Diözese St. Pölten, Hannes Ziselsberger, in einem Interview mit der Regionalzeitung „Tips“. Er sprach über ehrenamtliches Engagement, Flüchtlingsarbeit und die Herausforderungen der Zukunft.

Die Aussage, dass es „unseren Kindern einmal besser gehen soll“, sei heute nicht mehr selbstverständlich, so Ziselsberger. Unsere Gesellschaft sei heute nicht nur mit Langzeitarbeitslosigkeit, sondern auch mit Jugendlichen ohne Arbeit konfrontiert, mit psychisch kranken Menschen, mit Altersdemenz, mit überforderten pflegenden Angehörigen, mit Wohlstandsverwahrlosung und der Integration von Flüchtlingen. Dabei spielten auch die Freiwilligenarbeit und das ehrenamtliche Engagement eine große Rolle. „Wir dürfen aber nicht den Fehler machen, dass Gesundheits- und Sozialleistungen gekürzt werden und wir zu viele Aufgaben aus vermeintlichem Geldmangel an die Ehrenamtlichen delegieren.“

Flüchtlinge: Hilfe in Herkunftsländern wichtig

Zur momentanen Flüchtlingssituation erinnerte der neue Caritasdirektor daran, dass „hinter jedem Flüchtling ein Mensch steht, der seine Heimat verlassen hat. Das wünsche ich niemandem.“ Hilfe vor Ort sei der Caritas wichtig, weshalb es zahlreiche Entwicklungsprojekte in den Herkunftsländern gebe. Heuer sei die größte Herausforderung in der Flüchtlingsarbeit die Frage der Arbeitsmöglichkeiten. Hier sei jedoch nicht nur die Caritas, sondern die Politik gefordert. Man könne es auch als „großes Lob“ sehen, wenn viele Menschen aufgrund des Wohlstandes und der Sicherheit des Landes nach Österreich kommen wollen.

Die Caritas sei ein wichtiger Teil der katholischen Kirche, wie Ziselsberger betonte: „Kirche ohne Caritas ist undenkbar, genauso wie umgekehrt.“ Caritas bedeutet für ihn Einsatz für arme, kranke, ausgegrenzte und benachteiligte Menschen in unserer Gesellschaft, im Inland und im Ausland. Er nehme die Caritas als Organisation wahr, die in der Bevölkerung gut verankert sei, auch wenn sie manchmal anecke oder gehässige Falschmeldungen zu hören bekomme: „Die Caritas verschenkt z.B. keine Handys und zahlt auch keine Handyrechnungen.“

Ziselsberger würdigte in dem Interview auch seinen Vorgänger Friedrich Schuhböck: „Er hat sehr viel für notleidende, arme und kranke Menschen getan.“ 2180 hauptberufliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind derzeit bei der Caritas beschäftigt – als Schuhböck Caritasdirektor wurde, waren es nur 560. Davon sind die meisten in den Bereiche Pflege, Familie, PsychoSoziale Einrichtungen, Caritas für Menschen mit Behinderungen sowie in den Sozialberatungsstellen und in der Not- und Katastrophenhilfe im In- und Ausland eingesetzt. Des weiteren engagieren sich viele Ehrenamtliche, etwa im mobilen Hospizdienst oder auch in der Flüchtlingshilfe.