Neuer altkatholischer Bischof für Österreich geweiht

Heinz Lederleitner ist am Samstagnachmittag in Wien zum 7. Bischof der Altkatholischen Kirche geweiht worden. Die Weihe wurde durch Handauflegung und Gebet vollzogen. Geleitet wurde die Feier in der Evangelischen Stadtkirche A.B. im ersten Wiener Gemeindebezirk vom Erzbischof von Utrecht, Joris Vercammen, dem Vorsitzenden der Internationalen Bischofskonferenz altkatholischer Kirchen.

"Sei Licht für die Menschen" betonte Lederleitners Vorgänger im Bischofsamt John Okoro: "Nur so können wir gemeinsam die Krisen der Welt überwinden". Am Ende der Feier nahm Erzbischof Vercammen den neu geweihten Bischof Lederleitner in die Gemeinschaft der Internationalen Altkatholischen Bischofskonferenz auf.

Zahlreiche Vertreter der anderen christlichen Kirchen in Österreich nahmen an der Feir teil; u.a. der Generalsekretär der römisch-katholischen Bischofskonferenz Peter Schipka, der lutherische Bischof Michael Bünker und Erzpriester Ioannis Nikolitsis von der griechisch-orthodoxen Kirche.

Der gebürtige Wiener und langjährige Pfarrer Heinz Lederleitner ist verheiratet und lebt mit seiner Frau in der Steiermark. Im Fokus steht für Lederleitner die seelsorgliche und spirituelle Begleitung von Menschen, die in- und außerhalb der etablierten Religionsgemeinschaften Orientierung suchen, wie es in einer Aussendung der Altkatholischen Kirche hieß.

Lederleitner ist Konvertit: Vor Jahren von Kardinal Joseph Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI., zum Priester geweiht, entschloss er sich 2003, der altkatholischen Kirche beizutreten. Seine Entscheidung begründete er mit schon seit längerem bestehen der Sympathie für die Altkatholiken und für ihn unbefriedigenden Bischofsernennungen in der römisch-katholischen Kirche. "Da habe ich mir gedacht, ich würde eigentlich zu den Altkatholiken besser passen", begründet Lederleitner gegenüber dem ORF-Radio.

Die Altkatholische Kirche konstituierte sich 1870 nach dem Ersten Vatikanischen Konzil, gegen dessen Beschlüsse wie die Unfehlbarkeit des Papstes bei Ex-cathedra-Entscheidungen auch Bischöfe und Priester vor allem aus Österreich und Deutschland protestierten. In der Folge entstand rund um den Kirchenhistoriker Ignaz von Döllinger die Altkatholische Kirche.

Markante Unterschiede zur römisch-katholischen Kirche sind neben dem abweichenden Papstverständnis die Abschaffung des Pflichtzölibats, die Weihe von Frauen, die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare und unter bestimmten Voraussetzungen eine zweite kirchliche Trauung Geschiedener. In Österreich gibt es derzeit elf altkatholische Kirchengemeinden mit zwölf Gottesdienststätten.

(13.02.2016, KAP)