Musikfestival Musica Sacra mit Friedensbotschaft

Domkapellmeister Otto Kargl

St. Pölten, 20.08.2016 (dsp) Das Festival Musica Sacra ist längst ein Geheimtipp für Freunde alter, neuer und außergewöhnlicher Musik geworden. Der Programmschwerpunkt heuer: Friede. Ein Interview mit Domkapellmeister Otto Kargl, dem künstlerischen Leiter des Festivals.
Festival Musica Sacra

Was erwartet die Gäste heuer bei Musica Sacra?
Otto Kargl: Wenn man die Programmatik herausstreicht, dann haben wir heuer einige Konzerte mit dem Hauptthema Frieden. Das erste Konzert, die h-Moll Messe von Johann Sebastian Bach, beginnt mit den Worten „dona nobis pacem“ (Herr, gib uns deinen Frieden) und das letzte Konzert, „Chiches­ter Psalms“ von Leonard Bernstein, endet mit den Worten „Siehe wie gut und angenehm es ist, wenn Brüder leben zusammen in Eintracht“. Dieser inhaltliche Bogen wird auch von anderen Konzerten immer wieder aufgegriffen, z. B. beim zweiten Konzert des zeitgenössischen Komponisten Renald Deppe, der sich zwei Sätzen aus dem Buch Levitikus aus dem Alten Testament widmet. Da geht es ganz aktuell um die Frage, wie man zu Fremden steht. Und darin steht u. a.: „Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten und du sollst ihn lieben wie dich selbst.“

Musik als Friedensvermittler – ist das möglich?
Otto Kargl: Angesichts der großen gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen hat unser Schwerpunkt ein besonderes Gewicht. Ich beobachte das Geschehen und versuche, die Musik dementsprechend zu deuten, wie z. B. die mediale Wahrnehmung zwischen einem Terroranschlag in Frankreich und der Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer ist. Im ersten Fall kann sich Europa scheinbar aus der Verantwortung ziehen und eine Tat nicht verhindern – im zweiten Fall wäre bei entsprechenden Maßnahmen eine Verhinderung möglich. Für mich wäre es daher zu wenig, dem Zuhörer nur einen Wohlklang und ein Wohlgefühl zu vermitteln. Es geht mir darum, den Menschen zu verändern. Ich bin überzeugt, dass Musik den Menschen menschlicher machen kann und dass Musik ein Weg sein kann, den Menschen zu sich selber zu bringen, ihn sensibler und achtsamer zu machen und aufnahmebereiter für Neues.

Apropos Neues. Musica Sacra ist auch bekannt für neue, außergewöhnliche Musik. Was bringt es dem Besucher sich dem auszusetzen?
Otto Kargl: Einerseits geht es mir darum, dass die Kirchenmusikszene nicht in einem Museum verhaftet bleibt, sondern dass man sich auch dem Neuen öffnet – auch wenn es manchmal verstörend sein mag. Wenn sich jemand auf etwas einlässt, wovon er von vornherein weiß, dass das schwierig wird, dann ist das ja schon ein Zeichen von Toleranz, Offenheit und Neugier. Und zweitens geht es auch um die Frage: Was erwarte ich mir von Musik? Ich bin überzeugt, dass Musik mehr vermag, als nur einen zweistündigen musikalischen Wellnessurlaub zu bieten. Musik beinhaltet für mich eine politische, geistige, emotionale Botschaft – es werden unglaublich viele Ebenen angesprochen. Ebenen, die letztlich den Menschen ausmachen.

Was erwartet die Besucher sonst noch Besonderes?
Otto Kargl: Das Konzert „Sein Fried ist mit euch“ ist dem großen und auch populären Repertoire gewidmet, da stehen u. a. Kantaten von Telemann oder Bach auf dem Programm. Im vierten Konzert musiziert die „Capella Imperialis“ aus Wien. Das ist ein Konzert, wo der Schwerpunkt auf der österreichischen Barockmusik liegt. Wir bringen u. a. Werke eines niederösterreichischen Barockkomponisten, der bei uns kaum bekannt ist, der aber zu den ganz großen österreichischen Barockkomponisten zählt, nämlich Johann Heinrich Schmelzer. Der stammte aus Scheibbs und war der erste österreichische Wiener Hofkapellmeister.

(Sonja Planitzer, "Kirche bunt")

Festival Mucica Sacra