Karmasin: "Die Ehe soll Heterosexuellen vorbehalten sein"

Familienministerin Sophie Karmasin hat sich gegen die "Homo-Ehe" ausgesprochen. In einem Doppelinterview mit dem "Youtube"-Blogger Michael Buchinger in der Tageszeitung "Der Standard" (Freitag-Ausgabe) meinte Karmasin zugleich, ihr sei "wichtig, dass es keine offensichtliche Diskriminierung der Verpartnerung im Vergleich zur Ehe gibt".

Deshalb habe sie sich auch für die Öffnung der Standesämter für bindungswillige Schwule und Lesben ausgesprochen, und dass "Verpartnerte nicht den Familiennamen tragen dürfen, ist mir ein Dorn im Auge". In Bezug auf die Ehe "muss man einfach auf die österreichische Kultur Rücksicht nehmen. Ich denke schon, dass die Ehe für heterosexuelle Paare vorbehalten sein soll."

Es sei zu "berücksichtigen, dass die Ehe, auch im katholischen Sinne, für eine große und relevante Gruppe einen wichtigen Stellenwert hat". Das ist zu respektieren, so das Mitglied im ÖVP-Regierungsteam. "Trotzdem darf man homosexuelle Paare nicht diskriminieren." Österreich ist nach der Einschätzung Karmasins "auch historisch bedingt sehr obrigkeitshörig, starr im Veränderungswillen". Sie sieht es nach dem Vorbild des "wesentlich egalitäreren" Skandinaviens als Zielsetzung, dass Männer und Frauen Zugang zu allen Lebensbereichen haben sollen. "Das gilt auch für Homosexuelle."

Skepsis äußerte die seit Dezember 2013 amtierende parteilose Familien- und Jugendministerin in Bezug auf Adoptionen durch homosexuelle Paare. Sie sei hier "nicht grundsätzlich dagegen, aber im Sinne der Realität habe ich gesagt: Es gibt acht Mal mehr Eltern, die Kinder adoptieren wollen, als Kinder, die zur Adoption freigegeben werden. Es ist tragisch, wenn Paare Kinder wollen, aber keine bekommen können". Die Aufhebung des Adoptionsverbotes vor zwei Jahren durch den Verfassungsgerichtshof wird laut Karmasin "in der Realität nicht allzu viel verändern", weil es so viele auch heterosexuelle Bewerber gebe.

Diese Woche hatte sich kirchlicherseits bereits Helmut Kukacka, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände (AKV), zum Thema "Homo-Ehe" geäußert. Für ihn gibt es "keinen sachlichen Grund, die Verbindung von homosexuellen Paaren gleichzustellen mit einer Verbindung von Mann und Frau". Es sei auch keine Diskriminierung, dass der Staat die Ehe als "wichtige Grundlage für die dauernde Existenz unserer Gesellschaft" rechtlich absichere und fördere.

(09.09.2016, KAP)