Karl Dillinger: Viele Weggefährten nahmen Abschied vom „prägendsten Laien-Katholiken“

St. Pölten-Kleinhain, 01.12.2016 (dsp) Karl „Jonny“ Dillinger (92) war einer der prägendste Laien-Katholiken in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg in der Diözese St. Pölten. Das war Tenor unter seinen vielen Weggefährten bei den Begräbnisfeierlichkeiten für den früheren Präsidenten der Katholischen Aktion der Diözese in Kleinhain, die von Propst Maximilian Fürnsinn geleitet wurden. Der diözesane Gedenkgottesdienst findet am Donnerstag, 15. Dezember um 18 Uhr in der Kapelle des Bildungshauses St. Hippolyt statt. Die Feier, die von Bischof Klaus Küng geleitet wird, ist öffentlich zugänglich, die KA freut sich über viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Der jetzige KA-Präsident Armin Haiderer sagte bei seinen Würdigungsworten, dass „wir ihn am besten ehren und ihn nicht vergessen, indem wir weiterführen, was er und andere einst aufgebaut haben. So wissen wir uns im Einsatz für eine menschenfreundliche und auch laien-orientierte Kirche mit ihm verbunden.“ Haiderer verweist auf eine lange Liste von Funktionen, die Dillinger innerhalb der Diözese hatte. Und Haiderer erwähnte sein mutiges Bekenntnis zum Christentum während des Nationalsozialismus, das auch geprägt war durch den späteren Kardinal Franz König, den Dillinger noch als Kaplan kennenlernte. Er sei tief verwurzelt gewesen im Christentum, habe die Kirche geliebt und sei für seine Überzeugungen geradlinig eingetreten. Haiderer weiter: „Es bleibt der Respekt für sein Lebenswerk, Dankbarkeit für sein Engagement, Demut vor seinem Wirken und Freude über diese Persönlichkeit.“

Inspirierend sei Dillinger nicht zuletzt auch für seine Schülerinnen und Schüler gewesen, denen er die Liebe zu den Geisteswissenschaften eingeimpft habe, allerdings nicht von oben herab, sondern genauso wie er es mit dem Christsein getan habe: auf Augenhöhe und durch ein gelebtes und authentisches Vorbild.

Propst Maximilian Fürnsinn würdigte den Verstorbenen in seiner Predigt „für seinen Mut zum Träumen und seinen Mut zum Handeln“. Er sei ein visionärer und zukunftsweisender Mensch gewesen, der viele begleitet und angezogen habe. Dillinger sei ein „Prototyp eines Christen im Sinne des Zweiten Vatikanischen Konzils gewesen“. Er habe das Apostolat in die Gesellschaft tragen wollen. Zu viele Katholikinnen und Katholiken würden sich wie Konsumenten verhalten, aber nicht in der Kirche mitwirken. So gebe es nicht nur eine Kirchenspaltung in verschiedene Konfessionen, sondern auch in Engagierte und passiv Empfangende. In der Auseinandersetzung um die Richtung habe Dillinger lange durchgehalten. Zu viel Ruhe schade der Kirche, Widerspenstiges und Prophetisches tue ihr durchaus gut.

Ab 1946 war der Verstorbene Mitglied der Katholischen Hochschulgemeinde, von 1948 bis 1954 war er Diözesanführer der Katholischen Jugend, 1954 gründete er das Katholische Bildungswerk der Diözese St. Pölten, dessen Leiter er 19 Jahre war. Von 1987 bis 1992 führte er den Vorsitz der Katholischen Aktion der Diözese St. Pölten. Bis in seine letzten Jahre blieb er dem Katholischen Akademiker/innenverband verbunden. Enttäuscht von der kirchlichen Personalpolitik in den 1980er und 1990er Jahren gründete Dillinger das "Forum XXIII", um "den Geist des Zweiten Vatikanums in der Diözese präsent zu halten"