Hochkarätige Familienverbands-Jahreshauptversammlung zur Flüchtlingsthematik

Familienverbands-Vorsitzender Josef Grubner, der neue Caritas-Direktor Hannes Ziselsberger, Alfred Trendl, Präsident des Katholischen Familienverbandes Österreichs, oder Landtagsabgeordnete und Hilfswerk-Vorsitzende Michaela Hinterholzer. Weiters: Schulleiterin Maria Hosa von der Privaten Mittelschule Amstetten TFA samt Kinderorchester

Amstetten, 23.10.2016 (dsp) Der Katholische Familienverband der Diözese St. Pölten lud unter dem Titel „Schaffen wir das?“ zur hochkarätig besetzten 63. Jahreshauptversammlung in die Pfarre Amstetten Herz Jesu. Mit seinem Referat wollte der bekannte Wiener Pastoraltheologe Prof. Paul Zulehner „Mut machen“ angesichts der aktuellen Herausforderungen. Weiters begrüßte Familienverbands-Vorsitzender Josef Grubner Diözesanbischof Klaus Küng, den neuen Caritas-Direktor Hannes Ziselsberger, Alfred Trendl, Präsident des Katholischen Familienverbandes Österreichs, oder Landtagsabgeordnete und Hilfswerk-Vorsitzende Michaela Hinterholzer.

Verbands-Vorsitzender Grubner verwies auf den Einsatz des Verbandes für Familien: Man setze sich ua. für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein oder für ein familiengerechtes Steuer- und Pensionssystem. Der Katholische Familienverband vertritt alleine in Niederösterreich Tausende Mitgliederfamilien, zur Hauptversammlung kamen auch viele Junge und informierten sich über die Serviceleistungen: vom Oma-/Opadienst über die Aktion Tagesmütter bis hin zu nachhaltigen Projekten wie „Gutes Leben“.

Bischof Klaus Küng dankte beim Festgottesdienst dem Katholischen Familienverband für dessen Einsatz für Familien und für Lobbying-Arbeit. Angesicht der bedenklichen Konsummentalität oder der vielen Flüchtlinge stünde Europa vor großen Herausforderungen. Christus könne hier Kraft geben, damit wir den in Not geratenen Menschen helfen können.

Flüchtlinge auch ökonomische Chance

Prof. Zulehner versuchte vor den zahlreichen Teilnehmer/innen Ängste bezüglich der Flüchtlingsthematik zu nehmen. Er erinnerte an Ursachen der Fluchtbewegungen und an die vielen ums Leben gekommenen Menschen, die die Flucht über das Meer wagten. Die Flüchtlinge der letzten Zeit seien nicht aufgrund des Rufs der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel gekommen, sondern weil sie Krieg und Bombenhagel in ihren Herkunftsländern nicht mehr ausgehalten hätten und zutiefst traumatisiert seien. Er kritisierte auch den Terminus „Wirtschaftsflüchtlinge“, das seien eher prominente Europäer, die in Steueroasen flüchten und keine Steuern zahlen. Zulehner sieht bei Flüchtlingen vielmehr das Motiv von Hoffnungslosigkeit und fehlenden Perspektiven in ihren armen Heimatländern. Stichwort Deutschland: Der Pastoraltheologe würdigte deren Politik. Die deutsche Politik habe schon vor den großen Flüchtlingsströmen im Vorjahr die Bedeutung der Integration gesehen: etwa in den Bereichen Arbeitsmarkt, Bildung und Deutschkurse. Flüchtende seien auch eine große ökonomische Chance, so Zulehner. Wer jetzt in die Flüchtlinge investiere, ziehe in den nächsten Jahren wirtschaftliche Vorteile. Schon von daher verstehe er es nicht, wenn gut integrierte Kinder, die jahrelang hier eine Bildung bekommen, etwa nach Kroatien abgeschoben werden. Menschlich sei es ohnehin „ein Wahnsinn“. Er kritisiert, dass Diskussionen um das Burka-Verbot in Gang gesetzt würden, um auf die wahren Probleme wie Arbeitsmarkt und Wohnbereich abzulenken.

Christen müssten sich nicht vor einer Islamisierung fürchten, so der Pastoraltheologe. Es gebe in Österreich ohnehin nur fünf Prozent Muslime, von denen wiederum nur ein Drittel religiös sei. Die zweite Generation der Muslime habe überdies keine höhere Geburtenrate als die anderen Österreicher.

Kirche der Gesellschaft bei Flüchtlingsengagement voraus

Aus Sicht Zulehners sei der Befund der Bibel klar, Flüchtlinge aufzunehmen und zu integrieren. Das sei auch immer gute Tradition Österreichs gewesen, erinnerte Zulehner. Er betonte weiters, dass das Asylrecht keine Gefälligkeit unsererseits, sondern ein Menschenrecht sei, das es einzuhalten gelte. Darum sprach er sich auch gegen Obergrenzen aus. Der Theologe lobt hierbei die Kirche: hier sei sie in ihrem Engagement der Gesellschaft weit voraus. Das Netzwerk der Kirche würdigen auch die Caritas-Vertreter bei der Familienverbands-Jahreshauptversammlung, in der Flüchtlingshilfe sei in den letzten Monaten durch viele Christen viel Positives passiert.

Zulehner empfahl mehrere Wege, um aus der Angst herauskommen: eine Politik des Vertrauens, der Bildung und vor allem der Begegnungen – etwa bei Festen. Er brachte Beispiele wie durch gemeinsames Essen Furcht abgebaut werden konnte. Die Angst vor Flüchtlingen sei dort am größten, wo es gar keine gebe, weil man sie nicht kenne. Umgekehrt könnten auch wir von den Zuwanderern lernen: etwa deren Werte Gastfreundschaft oder die Bedeutung der Familie. Auch Kinder seien eine große Chance: Sie könnten den „Panzer der Angst überwinden und zum goldenen Herz vorstoßen“.

Foto: Familienverbands-Vorsitzender Josef Grubner, der neue Caritas-Direktor Hannes Ziselsberger, Alfred Trendl, Präsident des Katholischen Familienverbandes Österreichs, oder Landtagsabgeordnete und Hilfswerk-Vorsitzende Michaela Hinterholzer. Weiters: Schulleiterin Maria Hosa von der Privaten Mittelschule Amstetten TFA samt Kinderorchester