Fischer: Respektvoller Umgang mit Religionen wichtiges Anliegen

Der respektvolle Umgang mit den Religionsgemeinschaften war dem scheidenden Bundespräsidenten Heinz Fischer in der gesamten zwölfjährigen Amtszeit ein großes Anliegen. Das sagte das Staatsoberhaupt bei seiner Rede zur festlichen Verabschiedung aus dem Amt des Bundespräsidenten am Freitag im Parlament.

Ausdruck dieses Respekts und der persönlichen Verbundenheit speziell mit Kardinal Christoph Schönborn waren Fischers Begrüßungsworte am Anfang seiner letzten Ansprache als höchster Amtsträger der Republik: Mit "hochwürdigster Herr Kardinal" begrüßte der Bundespräsident den Wiener Erzbischof nach den Mitgliedern des Hohen Hauses und noch vor der Bundesregierung.

Schon vor einem Monat im Rahmen der Vollversammlung der Bischofskonferenz war der Bundespräsident nach Mariazell gekommen, um sich vom Episkopat zu verabschieden. Dem folgte schließlich noch ein persönlicher Besuch Fischers bei Kardinal Schönborn im Erzbischöflichen Palais in der vergangenen Woche.

Eindringlich rief Fischer in seiner letzten Ansprache im Reichsratssaal zu einer "breiten Koalition gegen Hass und Gewalt" auf. Er warnte vor der "zerstörerischen Kraft des Hasses", die sich zuerst in Worten und dann in Taten zeige. Im Blick auf die erneut durchzuführende Stichwahl für das Präsidentenamt bekräftigte Fischer die Endscheidung der Höchstrichter vor einer Woche und plädierte für Fairness bei der neuerlichen Wahlauseinandersetzung.

Deutliche Worte fand Fischer auch für die Flüchtlingspolitik, die von "Rationalität und Humanität" geprägt sein müsse. Gleichzeitig mahnte er an, dass im politischen Diskurs die Bereitschaft stärker betont werden müsse, "im Rahmen der Möglichkeiten nach besten Kräften zu helfen" sowie im Blick auf Flüchtlinge "die Menschenwürde hochzuhalten und ihnen ohne Vorurteile zu begegnen".

Für Verankerung Österreichs in EU

Die "Brexit"-Entscheidung Großbritannien bezeichnete der Bundespräsident als "bedauerlich und nicht durchdacht". Dies zeige sich auch im Handeln seiner maßgeblichen Betreiber, in dem jetzt "wenig Verantwortungsbewusstsein und Strategie erkennbar" sei. Vor diesem Hintergrund bleibe die Verankerung Österreichs in der Europäischen Union zentral, so Fischer.

Die letzte Rede des Bundespräsidenten wurde drei Mal vom Applaus der im Hohen Haus versammelten Spitzen des Staates und des öffentlichen Lebens unterbrochen - bei Fischers Ausführungen über eine Koalition gegen Hass, eine humane Flüchtlingspolitik und über die EU. Fischer endete mit dem Wunsch: "Es lebe unser schönes Land, die Republik Österreich, sowie ein friedliches und demokratisches Europa!"

Heinz Fischer (77) amtierte vom 8. Juli 2004 bis zum 8. Juli 2016 und ist der 8. Bundespräsident der Zweiten Republik. Die Stichwahl zum höchsten Amt in Österreich findet am 2. Oktober statt. Bis zur Angelobung des neuen Bundespräsidenten steht die Erste Nationalratspräsidentin, Doris Bures (SPÖ), an der Spitze des Staates. Sie wird vertreten durch Karlheinz Kopf (ÖVP) sowie Norbert Hofer (FPÖ), der neben Alexander Van der Bellen für das Amt des Bundespräsidenten kandidiert.

(08.07.2016, KAP)