Erdbeben: Bischof berichtet von Bild des Grauens, Papst betet

Nach dem schweren Erdbeben in Italien mit mindestens 21 Toten hat Papst Franziskus auf dem Petersplatz zum Gebet für die Opfer aufgerufen. Das Oberhaupt der katholischen Kirche zeigte sich erschüttert von den Berichten und leitete bei seiner Generalaudienz am Mittwoch ein Rosenkranzgebet mit den auf dem Platz anwesenden Pilgern.

Vollkommen zerstört ist u.a. das Dorf Pescara del Tronto in der Provinz und gleichnamigen Diözese Ascoli-Piceno. Der Bischof von Ascoli-Piceno, Giovanni D'Ercole, reiste bereits im Morgengrauen in das Dorf und berichtete gegenüber Radio Vatikan und der katholischen Nachrichtenagentur SIR von einem Bild des Grauens, das sich biete. "Ich hörte die Schreie der verschütteten Menschen. Das Gebiet ist völlig zerstört, wie nach einem Bombardement."

In diesem Dorf befänden sich wegen der Ferien sehr viel mehr Menschen als im Winter, weil hier viele Römer einen Zweitwohnsitz hätten, sagte der Bischof. "Und es sind deshalb auch viele junge Leute hier, auch die Erdbebenopfer sind zumeist jung", so D'Ercole. Es sei schwierig, "die Toten und Verletzten zu zählen". Er fahre jetzt nach Ascoli zurück, um die Aufbahrung der Toten zu organisieren. "Das wird auf jeden Fall eine traurige Zeit", sagte der Bischof. Die Diözese habe dem Krankenhaus eine große Kapelle zur Aufbahrung zur Verfügung gestellt. 

Das Erdbeben von einer Stärke von mehr als sechs und mehrere Nachbeben hatten in der Nacht die gesamte Region zwischen Umbrien, Latium und den Marken erschüttert. Das Beben war auch in Rom und an der Adria-Küste zu spüren. Das Zentrum des Bebens lag laut Erdbebendiensten in der Provinz Rieti rund 150 Kilometer nordöstlich von Rom in einer relativ geringen Tiefe von zehn Kilometern. Der Erdstoß ereignete sich um 03.36 Uhr.

Die Zahl der Toten dürfte noch steigen, da mehrere Menschen noch vermisst werden. Wegen der großen Zahl von Verletzten haben die Behörden die Bevölkerung zum Blutspenden aufgerufen. Die Bewohner der Gemeinden um das Epizentrum wurden gebeten, dazu in Spitäler zu gehen. Laut Zivilschutz seien mindestens zehn Tote in Pescara del Tronto geborgen worden; auch im Ferienort Amatrice, in Accumoli und in Arquata gab es mehrere Todesopfer. Die Zahlen variieren je nach Quelle.

Der Zivilschutz ist im Dauereinsatz, um den betroffenen Gemeinden Hilfe zu leisten. Die Lage ist aber unübersichtlich. Die Rettungsdienste konnten einige Orte in der bergigen Gegend nur schwer erreichen. Das italienische Institut für Geophysik und Vulkanologie warnte vor der Gefahr weiterer Erdbeben. Nachbeben könnten sich noch Tage oder sogar noch Wochen nach dem Hauptbeben ereignen.

Die Kirchen des umbrischen Wallfahrtsortes Assisi haben wegen des Erdbebens in der Region nach bisherigen Erkenntnissen offenbar keinen Schaden genommen. Der Chefrestaurator der Basilika San Francesco, Sergio Fusetti, begutachtete nach Angaben des in Assisi ansässigen Franziskanerordens am Mittwochmorgen die Ober- und Unterkirche der Basilika "San Francesco". Er nannte die Wirkung der Erdbebensicherungstechnik zufriedenstellend. Sie war nach dem Beben von 1997 installiert worden. Damals war die Oberkirche stark zerstört worden, und es hatte auch Tote in Assisi gegeben.

(24.8.2016, KAP)