Diözesankonservatorium für Kirchenmusik feiert 25-jähriges Bestehen

Landesrat Mag. Karl Wilfing, Diözesanbischof DDr. Klaus Küng und Leiter Prof. Mag. Michael Poglitsch mit den Absolventinnen und absolventen des Konservatoriums für Kirchenmusik der Diözese St. Pölten

St. Pölten, 04.07.2016 (dsp) Das Konservatorium für Kirchenmusik der Diözese St. Pölten feierte sein 25-jähriges Bestehen mit einem musikalisch grandios gestalteten Dankgottesdienst im Dom und einem Festakt mit Diplomverleihung an die diesjährigen Absolventinnen und Absolventen. Bischof Klaus Küng würdigte den früheren Bischöflichen Kirchenmusikreferenten, Prälat Walter Graf, der vor 25 Jahren die entscheidenden Vorbereitungsarbeiten zur Gründung des Konservatoriums geleistet hatte.

Für die Liturgie, das Gebets- und Glaubensleben in der Diözese komme dem Wirken des Konservatoriums für Kirchenmusik eine „nicht zu überschätzende Bedeutung“ zu, betonte Bischof Küng in seiner Predigt. So sei er „dankbar, dass das Konservatorium in den 25 Jahren so eine Breitenwirkung im ganzen Land entwickelt“, habe. Es sei nicht selbstverständlich, dass es in der Diözese überall gute Organisten, engagierte Chorleiter und talentierte Sänger gebe. Voraussetzung dafür sei nicht nur die solide Ausbildung und gute Förderung durch das Konservatorium, sondern auch der „rechte Geist, dass liturgische Musik zu einem religiösen Erlebnis“ werde. „Sakrale Musik dreht sich um das Mysterium und weckte die Sehnsucht nach Gott bei allen, die auf der Suche sind.“

Am Festgottesdienst im Dom von St. Pölten nahmen neben Prälat Graf auch Generalvikar Eduard Gruber und Landesrat Karl Wilfing in Vertretung von Landeshauptmann Erwin Pröll teil, sowie Hofrat Alois Stricker, der als damaliger Präsident des NÖ Landesschulrats maßgeblich in die Gründung des Konservatoriums eingebunden war. Die „vielfältige Ausbildung“ am Konservatorium spiegelte sich im musikalischen Programm des Gottesdienstes wider, wie Konservatoriumsleiter Michael Poglitsch betonte: ein Querschnitt durch die ganze Musikgeschichte und alle Formen des liturgischen Gesangs.

Es gebe keinen Verein und keine Körperschaft, die „so viele Freiwillige auf die Beine bringt, wie die katholische Kirche“, würdigte Landesrat Wilfing das ehrenamtliche Engagement für die Kirchenmusik bei der Diplomverleihung im Festsaal des Konservatoriums. Die Kirchenchöre, die in jedem Ort vorhanden seien, deckten „eine enorme kulturelle Breite“ ab. Das Kulturland Niederösterreich lebe wesentlich von den Leistungen der Kirchenmusik. So sei das Konservatorium aus der niederösterreichischen Kulturlandschaft „nicht mehr wegzudenken“.

Der Weg vom Cäcilienverein zum diözesanen Konservatorium

Das Konservatorium für Kirchenmusik der Diözese St. Pölten wurde im Jahr 1991 gegründet. Die entscheidenden Vorbereitungsarbeiten für diese für die Diözese enorm bedeutungsvolle Schulgründung leistete der für die diözesane Kirchenmusik verantwortliche Prälat Walter Graf. Er war auch der erste Schulleiter. Zunächst dienten die Wohnräume der ehemaligen Wohnung des Weihbischofs Stöger sowie Räumlichkeiten im Bereich des Kreuzganges als Unterrichtsräume. Seit August 2006 ist das Konservatorium in einem großzügig gestalteten und modern ausgestatteten Neubau in der Klostergasse 10 untergebracht.

Die Anfänge einer diözesanen Ausbildungsstätte gehen zurück in das letzte Viertel des 19. Jahrhunderts, wo der Cäcilienverein erstmals Instruktionskurse für Organisten und Sänger sowie Choralkurse durchgeführt hat. Seit 1924 nahm sich Prälat Pretzenberger der diözesanen Kirchenmusik an. Er gründete am 1. Oktober 1932 eine private Kirchenmusikschule. 1935 wurde die Privatschule in die Musikschule des St. Pöltner Gesangs- und Musikvereines eingegliedert.

Nach dem Anschluss Österreichs an das „Dritte Reich“ wurde es notwendig, dass die Diözese die bis dahin private Kirchenmusikschule nun in ihre Obhut nahm. Die letzten Kriegs- und die folgenden Besatzungsjahre erzwangen eine vierjährige Pause. Mit 1. Jänner 1947 nahm die diözesane Kirchenmusikschule ihren Betrieb wieder auf. In den folgenden Jahren war ein rasanter Aufschwung zu verzeichnen. Unter den beiden hauptamtlichen Lehrern Johann Pretzenberger und Walter Hofmann wurden weitere Übungsorgeln angeschafft, und die Zahl der Kursteilnehmer konnte beträchtlich erhöht werden.

1962 übernahm Prälat Dr. W. Graf die Leitung der Kirchenmusikschule. Er erweiterte die Schule räumlich und schaffte neue Übungsorgeln an. Neben Prälat Graf, Prof. Hofmann und Prälat Pretzenberger unterrichtete auch der spätere Regionalkantor für das Waldviertel Prof. Friedl. Besonderes Augenmerk galt in dieser Phase der Abhaltung von Kursen in der ersten Woche der Sommerferien, Kurse, die sehr stark frequentiert waren. Immer mehr kristallisierte sich die Notwendigkeit heraus, anstelle des Systems mit sechs Wochenkursen schwerpunktmäßige Orgel-, Theorie- und Chorleitungswochen anzubieten. Allen Bemühungen zum Trotz zeigte jedoch die Statistik, dass das hohe Anfangsinteresse in einer geringen Zahl von Abschlussprüfungen keine Entsprechung fand.

So entstand also die Idee zur Gründung einer Schule mit Ganzjahresunterricht. Prälat Dr. Graf verfasste eine Denkschrift an den Bischof „Über die Notwendigkeit eines Diözesankonservatoriums und ein Vorschlag zur Errichtung desselben“. Er legte darin die statutmäßige Organisation, Vorteile und Risiken dar und übernahm die Verhandlungen mit dem Niederösterreichischen Landesschulrat sowie Aufbau und Leitung des Institutes.