Christenverfolgung: Zsifkovics kritisiert "moralische Blindheit"

Eine "seltsame moralische Blindheit" gegenüber der weltweiten Verfolgung von Christen hat der Eisenstädter Bischof Ägidius Zsifkovics kritisiert. <--break->

Angesichts massiver Menschenrechtsverletzungen gegen Christen in aller Welt, die laut jüngsten Berichten neuerdings auch in heimischen Asylzentren stattfinden, sei das Schweigen in den meisten westlichen Ländern dazu "völlig unverständlich", so der Koordinator für Flüchtlingsfragen in der Kommission der EU-Bischofskonferenzen (COMECE) am Donnerstag gegenüber Radio Vatikan.

Laut Angaben von Menschenrechts-NGOs werden Christen in westeuropäischen Flüchtlings-Unterkünften teils aufgrund ihres Glaubens ausgegrenzt und bedrängt. Vielleicht würden sie hier "sogar noch den Peinigern begegnen, vor denen sie eigentlich geflohen sind", verdeutlichte der Bischof, der hier ein "erschreckendes Armutszeugnis" sah - für Europas Behörden und für den "Realitätssinn mancher Politiker, die nichts sehen, hören und sagen wollen". Noch viel größer sei freilich die zivile Ignoranz gegenüber Christenverfolgungen weltweit.

In nahezu allen islamischen Ländern im Nahen Osten, in Asien und Afrika würden Christen "wie Bürger zweiter Klasse" behandelt und seien oft schutzlos den Behörden oder der Mehrheitsbevölkerung ausgeliefert, verwies Zsifkovics auf eine Erklärung der österreichischen Bischöfe bei der jüngsten Frühjahrskonferenz. Rund 100 Millionen Christen würden derzeit aufgrund ihres Glaubens verfolgt, und alle fünf Minuten werde ein Christ wegen seines Glaubens getötet. "Vor den Augen der Weltöffentlichkeit ereignet sich die zahlen- wie flächenmäßig umfangreichste Christenverfolgung der Geschichte", betonte der Bischof.

Trotz der Problemen in heimischen Asylzentren sprach sich Zsifkovics für die gemeinsame Unterbringung von Christen und Muslimen aus. Staat und Behörden müssten bei der Aufnahme allerdings "klare, unmissverständliche Anweisungen" geben, mit "Null-Toleranz" und geschultem, unabhängigem Personal, das neben genauem Monitoring auch "präventiv und reaktiv tätig werden" könne.  Im Notfall müssten Übergriffe Konsequenzen nach sich ziehen können, hätten doch viele der kolportierten Vorfälle strafrechtlichen Charakter, womit ein laufendes Asylverfahren für den Täter ohnehin gar nicht mehr positiv ausgehen könne.

Die Ablehnung der Trennung von Flüchtlingen begründete der Zsifkovics damit, dass nicht "genau die Parallelgesellschaften, die wir nicht wollen", von Anfang an "herangezüchtet" werden dürften. "Es muss auch einem muslimischen Migranten zumutbar sein, sich in einem Rechtsstaat westlicher Prägung auch mit Menschen anderen Glaubens konfrontiert zu sehen und das auch auszuhalten, ohne dabei übergriffig zu werden, andere zu bedrohen oder gar Schlimmeres. Wenn wir bereits hier scheitern, können wir Integration vergessen", so Zsifkovcis.

Der Eisenstädter Bischof warnte zugleich vor einer "Irreleitung" durch die Argumentation, wonach christliche Flüchtlinge grundsätzlich leicht, muslimische hingegen schwer integrierbar seien. "So einfach ist das nun wirklich nicht". Auch die Bischöfe aus Syrien und Irak hätten im Februar bei einer internationalen Flüchtlingskonferenz im Stift Heiligenkreuz darauf hingewiesen, "dass auch die Integration christlicher Flüchtlinge in Europa nicht einfach werden wird". Auch hier bestünden viele Unterschiede, wie etwa in Kultur und Alltagskultur, im Mann-Frau-Verhältnis und im religiösen Ritus.

Offensichtlich scheue sich die Gesellschaft, Probleme mit Einwanderern beim Namen zu nennen, so Zsifkovics. Dies habe mit der "vorbelasteten europäischen Geschichte" zu tun, bestehe doch in manchen Ländern "so etwas wie ein panikartiger Reflex vor dem Faschismusverdacht, in den niemand in Europa geraten will". Berechtigt sei diese Reaktion, wenn sie an das in Europa mögliche Gräuel erinnere, doch dürfe sie die Politik nicht "vom Gebot der Stunde und vom Hausverstand abspalten", sei dann doch erst recht die Wiederholung der Vergangenheit möglich.

(13.05.2016, KAP)