Christentum ist und bleibt größte Religionsgemeinschaft der Welt

Das Christentum ist mit rund 31 Prozent die größte Religionsgemeinschaft der Welt und wird es auch in den kommenden 40 Jahren bleiben. Der Islam holt jedoch rasch auf und wächst weltweit noch schneller als das Christentum.

<--break-> Darauf hat Heinz Hödl, Geschäftsführer der Koordinierungsstelle der Bischofskonferenz (KOO), am Montag in seinen Ausführung bei der Ordenstagung im Wiener Kardinal König Haus hingewiesen.Unter den christlichen Kirchen, die zusammen mit etwa 2,2 Milliarden Mitgliedern rund 33 Prozent der Weltbevölkerung umfassen, sei die katholische Kirche bei weitem die größte. Sie zähle in allen fünf Kontinenten zusammen rund 1,19 Milliarden Mitglieder. Der Anteil der Katholiken an der Weltbevölkerung betrage somit insgesamt etwa 17,5 Prozent. Die Katholiken würden damit nur knapp hinter den Muslimen liegen (etwa 18 Prozent).

Hödl zeigte sich überzeugt, dass in den internationalen Beziehungen, wie in der Entwicklungszusammenarbeit der Religion mehr Beachtung beigemessen werden sollte. Schließlich seien über 80 Prozent der Menschen auf dieser Welt religiös. "Religion hat eine politische Gestaltungskraft und kann sowohl Entwicklungsmotor als auch Entwicklungshemmnis sein", betonte der KOO-Geschäftsführer. Er äußerte sich bei der Jahrestagung des Missionsreferats der Ordensgemeinschaften, die am Montag im Rahmen der Ordenstagung stattfand.

Lange sei der Einfluss von Religion auf die internationale Zusammenarbeit vernachlässigt worden. Eine wertebasierte Entwicklungspolitik nehme aber den Beitrag der Religionen ernst, unterstrich Hödl: "Die Religion prägt die Weltsicht, den Lebensstil und das Engagement der meisten Menschen. Sie ist und bleibt eine starke politische und gesellschaftliche Gestaltungskraft. Es gibt keine kulturlose Religion und auch keine völlig religionsfreie Kultur."

Für die katholische Kirche stellte Hödl eine Verschiebung der Größenverhältnisse von Europa und Nordamerika auf die südlichen Kontinente fest: "Damit entsteht immer mehr eine Kirche der Armen und kulturell Anderen." Die Weltkirche habe demnach große Probleme aufgrund von Armut, AIDS, ethnischen und interreligiösen Konflikten. Dazu kämen angesichts des unerträglichen Ungleichgewichts in der Verteilung der Ressourcen der Erde Probleme der Gerechtigkeit in der Welt. 

Während die Katholiken in ethischen Fragen - vereinfacht ausgedrückt - "rechts" stünden, oder zumindest so wahrgenommen würden, stünden sie in den sozialen Fragen auf der Grundlage der Katholischen Soziallehre eher "links", so Hödl unter Verweis auf ein Zitat von Kardinal Walter Kasper. Freilich könne man auch sagen: Die Katholiken "stehen bei Jesus Christus, dem wir in den Armen begegnen". 

Sowohl die katholische Position in den individualethischen wie in den sozialethischen Fragen würden erhebliches Konfliktpotential mit sich bringen. Hödl: "Mit beiden Positionen gerät die Kirche in Konflikte mit den einflussreichen liberalen Lobbys im Westen und mit den mit ihnen verbündeten mächtigen neokapitalistischen Wirtschaftsinteressen." Die Kirche müsse für eine Globalisierung eintreten, die nicht nur Technik, Wirtschaft und Finanzmärkte betrifft, sondern auch gesamtmenschliche Aspekte beinhaltet und so zu mehr Frieden und Versöhnung beiträgt.

Explosionsartige Verbreitung der Pfingstbewegungen

Der KOO-Geschäftsführer sprach weiters von einer "explosionsartigen" weltweiten Verbreitung der Pfingstbewegungen. Dies würde die "ökumenische Landkarte" grundlegend ändern. Die Pfingstbewegung zähle nach Schätzungen heute etwa 500 Millionen Anhänger. Besonders in Lateinamerika sei die Pfingstbewegung zu einer der großen Herausforderungen für die katholische Kirche geworden. Hödl: "Wir müssen uns fragen: Was wurde und was wird pastoral versäumt?"

Hödl warnte auch vor einer zunehmenden Christenverfolgung. Die Einschränkungen und Verletzungen der Religionsfreiheit würden weltweit zunehmen. Eine besondere Konfliktzone ergebe sich in der Auseinandersetzung um die Religionsfreiheit in mehrheitlich islamischen Ländern, "in denen die Christen teilweise benachteiligt, unterdrückt und verfolgt werden".

Der KOO-Geschäftsführer machte weiters darauf aufmerksam, dass der Priestermangel in der katholischen Kirche ein weltweites Phänomen sei. Auch wenn die Zahl der Priester weltweit gesehen wachse, während die Zahl der Priesterweihen in Europa dramatisch zurückgehe, sei der Priestermangel außerhalb Europas deutlich größer als in Europa. Auf einen Priester kämen außerhalb Europas doppelt so viele Gläubige wie derzeit in Europa, in Afrika und Lateinamerika seien es sogar viermal so viele. Hödl: "So steht Europa noch immer besser da als die übrige Weltkirche, was die Frage aufwirft, ob der Transfer nichteuropäischer Priester nach Europa verantwortbar ist."

(23.11.2016, KAP)