Caritas-Appell: "Das Sterben im Mittelmeer muss ein Ende haben!"

"Das Sterben im Mittelmeer muss ein Ende haben!": Mit diesem Appell hat sich Caritas-Präsident Michael Landau an die Bundesregierung gewandt. Angesichts von Meldungen, wonach in der vergangenen Woche 880 Flüchtlinge bei Schiffsunglücken im Mittelmeer ertranken, sei es an der Zeit, endlich gemeinsame europäische Lösungen zu entwickeln.

"Ich bitte vor allem den Bundeskanzler, den Vizekanzler und den Außenminister, sich auf europäischer Ebene für ein gemeinsames Vorgehen stark zu machen", so Landau in seiner Aussendung. Einzelstaatliche Maßnahmen könnten "gemeinschaftliche und menschliche Lösungen nicht ersetzen".

Das vielfache Sterben mache "zutiefst betroffen". Landau: "Wir dürfen nicht abstumpfen angesichts der Toten. Und wir brauchen endlich ein System, das Menschenleben rettet und nicht eines, das dabei zusieht, wie Menschen sterben." Als kurzfristige Notmaßnahme forderte die Caritas eine koordinierte Seerettung. "Hier gilt es Mittel freizumachen und vorrangig Menschen zu schützen, nicht Grenzen. Die Grenzen Europas dürfen nicht zu Grenzen des Todes werden", appellierte der Caritas-Präsident.

Solange Menschen auf der Flucht keine legalen Möglichkeiten geboten bekämen, auf sicherem Weg nach Europa zu gelangen, "werden sie sich weiterhin in die Hände von Schleppern begeben und ihr Leben riskieren", gab Landau zu bedenken. Die "aktuelle Abschottungspolitik" werde die betroffenen Menschen nicht schützen. Es gelte die Solidaritätskrise zwischen den EU-Mitgliedsstaaten zu überwinden und gemeinsam die Versorgung von schutzsuchenden Menschen zu gewährleisten. Österreich, Deutschland und Schweden, die "im Vorjahr Beachtliches geleistet" hätten, könnten nicht auf Dauer die Aufgabe für alle anderen Länder übernehmen, erklärte der Caritas-Chef. Die EU-Mitgliedstaaten müssten endlich insgesamt mehr Verantwortung übernehmen und auch gemeinsame Verfahrens- und Versorgungsstandards sicherstellen.

Um das Sterben im Mittelmeer zu beenden, müssen sich laut Landau Flüchtlinge sicher und legal außer Gefahr bringen können. "Dies kann etwa durch mehr Resettlement-Plätze, humanitäre Visa und Aufnahmeprogramme gelingen."

Papst Franziskus habe immer wieder gesagt, dass das Mittelmeer kein großer Friedhof werden darf - "in der Zwischenzeit ist es längst zum Massengrab geworden", wies Landau hin. Seit Jahresbeginn sind laut UNHCR rund 2.510 Menschen im Mittelmeer ertrunken, im Vergleichszeitraum 2015 waren es 1.855.