Bischöfe fordern mehr Hilfe für verfolgte Christen

Österreichische Bischofskonferenz (Foto: Wuthe)

Linz, 12.3.2016 (dsp/KAP) Mehr internationale Solidarität mit den verfolgten Christen weltweit fordern die österreichischen Bischöfe. Sie schlagen in einer Erklärung zum Abschluss der Frühjahrsvollversammlung der Bischofskonferenz einmal mehr Alarm angesichts der größten Christenverfolgung in der Geschichte der Menschheit, für die sie maßgeblich den zunehmenden Fundamentalismus in der islamischen Welt verantwortlich machen.
Wortlaut der Erklärungen

<--break->Weltweit würden rund 100 Millionen Christen verfolgt, und alle fünf Minuten werde ein Christ wegen seines Glaubens getötet. Vor den Augen der Weltöffentlichkeit ereigne sich die zahlen- wie flächenmäßig umfangreichste Christenverfolgung der Geschichte. Umso unverständlicher sei das weit verbreitete Schweigen dazu in Österreich und in den meisten westlichen Ländern, kritisieren die Bischöfe.

Die massiven Menschenrechtsverletzungen gegen Christen dürfen nicht stillschweigend hingenommen werden, fordern die Bischöfe. Es sei daher begrüßenswert und wichtig, dass das Europäische Parlament vor wenigen Wochen am 4. Februar eine Resolution beschlossen hat, in der die Verfolgung von Christen durch den IS im Nahen Osten ausdrücklich als Genozid qualifiziert wird. Diese Beurteilung sei von Bedeutung, weil dadurch ein internationales Vorgehen zum Schutz von Christen im Nahen Osten rechtlich möglich ist.

Bei nüchterner Betrachtung der Fakten werde deutlich, dass fundamentalistische Strömungen in der islamischen Welt massiv zur gegenwärtigen Christenverfolgung beigetragen hat. In nahezu allen islamischen Ländern im Nahen Osten, in Asien und Afrika würden Christen wie "Bürger zweiter Klasse" behandelt und sie seien oft schutzlos den Behörden oder der Mehrheitsbevölkerung ausgeliefert. Es gebe aber auch andere Beispiele, wo Christen in islamisch geprägten Staaten wie Tunesien, Marokko, Jordanien, Oman und den Vereinigten Arabischen Emiraten bessere Lebensverhältnisse haben, halten die Bischöfe in ihrer Erklärung fest. 

Integration soll Flüchtlinge "fördern und fordern"

Mit dieser Formulierung haben die österreichischen Bischöfe am Freitag die Dringlichkeit einer "ernsthaften und in die Tiefe wirkenden" Eingliederung der Asylberechtigten in die Gesellschaft unterstrichen. Flüchtlingen und Migranten gebühre eine "menschliche Aufnahme", zugleich müssten sie ihrerseits bereit sein, "die positiven Werte der Gesellschaft, die sie aufnimmt, zu bejahen, ihre Gesetze zu befolgen und am Gemeinwohl mitzuwirken".

Integration gelinge dort am besten, "wo Menschen einander vertrauen und füreinander Verantwortung übernehmen", betonen die Bischöfe. Es sei Aufgabe des Staates und der gesellschaftlichen Institutionen, die Voraussetzungen dafür zu schaffen.

Hinsichtlich der Aufnahme von Flüchtlingen mahnen die Bischöfe erneut Solidarität auf europäischer Ebene ein. "Spät, aber doch" hätten die EU und ihre Mitgliedstaaten erkannt, dass von einer gemeinsamen und menschlichen Antwort auf Flucht und Migration die Zukunft des europäischen Friedensprojekts abhängt. Die Bischöfe fordern eine gerechte Aufteilung jener Verantwortung, "die bislang nur von einigen wenigen Ländern des Kontinents getragen wird". Oberste Priorität komme dabei dem Menschenrecht auf Asyl zu. "Dieses heilige Recht muss überall in der EU durch faire, qualitätsvolle und rasche Verfahren sowie bestmögliche Betreuung der Schutzsuchenden garantiert sein", heißt es wörtlich in der Erklärung. Als wichtig erachten sie Bischöfe, Möglichkeiten für einen sicheren und legalen Zugang zum Schutz in Europa einzurichten, beispielsweise durch Resettlement und humanitäre Aufnahmeprogramme.

Die katholische Kirche leiste dabei einen wesentlichen Beitrag. In Österreich würden derzeit insgesamt knapp 41.000 Menschen - somit fast jeder zweite der knapp 90.000 Asylwerber des Jahres 2015 - von der kirchlichen Caritas betreut; 32.000 Personen davon mobil, 9.000 in oftmals kirchlicherseits bereitgestellten Caritas-Quartieren im Rahmen der Grundversorgung. "Christliche Nächstenliebe bleibt der Anspruch und das Maß im Umgang mit Menschen in Not, und dazu zählen besonders Verfolgte, Schutzlose und Flüchtlinge", versichern die Bischöfe.

Bischöfe für breite gesellschaftliche Allianz gegen Missbrauch

Die österreichischen Bischöfe sprechen sich für eine breite gesellschaftliche Allianz gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch aus. In einer Erklärung zum Abschluss der Frühjahrsvollversammlung in Linz weisen die Bischöfe auf die kirchlichen Bemühungen zur Aufarbeitung vergangener Fälle und die in Angriff genommenen Präventionsmaßnahmen hin. Zugleich seien Gewalt und sexueller Missbrauch aber nach wie vor eine leidvolle Realität in der ganzen Gesellschaft sind. "Daher muss sich eine breite gesellschaftliche Allianz bilden, um das nach wie vor verbreitete Tabu darüber aufzubrechen und Kinder noch besser zu schützen", fordern die Bischöfe wörtlich.

Wie die Bischöfe weiter betonen, sei die Arbeit der kirchlich initiierten Unabhängigen Opferschutzkommission inzwischen zum Vorbild für ähnliche Kommissionen des Bundes und der Bundesländer geworden. Dabei werde deutlich, "wie groß das Problem von sexuellem Missbrauch und Gewalt insgesamt ist". So sei kürzlich bekannt geworden, dass allein in den Einrichtungen der Wiener Jugendwohlfahrt bis jetzt 2.705 Fälle bearbeitet wurden. Das mache deutlich, "wie sehr Gewalt und sexueller Missbrauch eine leidvolle Realität im privaten Umfeld und in der ganzen Gesellschaft sind". Daher müsse sich "eine breite gesellschaftliche Allianz bilden, um das nach wie vor verbreitete Tabu darüber aufzubrechen und Kinder noch besser zu schützen", heißt es wörtlich in der Erklärung.

Bürgerinitiative "Fakten helfen!" berücksichtigen

Die österreichischen Bischöfe fordern politische Konsequenzen aus der Bürgerinitiative "Fakten helfen!" der "Aktion Leben". Sie sei mit rund 53.500 Unterschriften die erfolgreichste Bürgerinitiative der letzten Jahre und zeige, dass die Forderung nach einer anonymen Statistik und Motiverforschung über Schwangerschaftsabbrüche "vielen Menschen ein wichtiges Anliegen" sei.

"Verantwortungsvolle Politik braucht verlässliche Fakten als Grundlage für sinnvolle Maßnahmen", betonen die Bischöfe. Sie äußern Unverständnis darüber, dass Österreich neben Luxemburg das einzige Land in Europa ist, in dem es keine verlässlichen Erhebungen zur Zahl der Schwangerschaftsabbrüche und deren Ursachen gibt. Den verantwortlichen Politikerinnen und Politikern schreiben die Bischöfe das Ziel ins Stammbuch, das Leben mit Kindern zu fördern und Schwangerschaftsabbrüchen bestmöglich vorzubeugen. Fakten seien die "Grundlage einer transparenten Gesundheitspolitik" und einer sachgerechten Hilfe für schwangere Frauen sowie deren Familien.

Erklärungen im Wortlaut 

Bild: Österreichische Bischofskonferenz (Foto: Wuthe)