Äthiopien: Caritas warnt vor schlimmer Hungerkatastrophe

Äthiopien steht vor einer der schlimmsten Dürre- und Hungerkatastrophen seit 30 Jahren. "Die Menschen stehen hier buchstäblich vor dem Nichts. Ohne Hilfe werden sie es nicht überleben", warnte Caritaspräsident Michael Landau, der vergangene Woche das ostafrikanische Land besuchte und sich einen Überblick über die dramatische Situation verschaffte.

Landau plädiert neben Soforthilfe auch für längerfristige Maßnahmen, "die es den Menschen möglich machen, mit der Situation der Dürre besser fertig zu werden". Äthiopien ist ein Schwerpunktland der heurigen Caritas-Hungerkampagne, die den ganzen Sommer über läuft.

1,4 Milliarden US-Dollar braucht es laut der internationalen humanitären Gemeinschaft und der äthiopischen Regierung für die Unterstützung der Menschen in Äthiopien - "bisher sind davon weniger als 50 Prozent eingetroffen", so Landau. Viele Menschen stünden vor dem Nichts, hätten ihre Vorräte aufgegessen und die Tiere verkauft, "wenn wir jetzt die Hände in den Schoß legen, droht hier eine humanitäre Katastrophe". 

Es gebe in Äthiopien durchaus positive Entwicklungen, so Landau, "aber nach wie vor auch sehr schwierige und zum Teil dramatische Situationen". In Teilen des Landes habe die Dürre nach wie vor ein enormes Ausmaß. Ziel sei deshalb nicht nur eine Soforthilfe sondern auch Hilfe mit "Langfristperspektive", wie etwa den Aufbau von landwirtschaftlichen Genossenschaften. 

18 Millionen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen

Durch die vom Klimaphänomen El Niño verursachten Regenausfälle sind allein in Äthiopien rund 18 Millionen Menschen auf Nahrungsmittelhilfen angewiesen. Die Ernte ist im Land um 50 bis 90 Prozent gesunken und in manchen Regionen völlig ausgefallen. Die Dürre hat zudem auch den Viehbestand stark dezimiert. Besonders betroffen sind Teile von Zentraläthiopien aber auch Regionen im Osten und Süden des Landes. 

Ungefähr 5,8 Millionen Menschen brauchen laut Caritas zudem dringend Wasserversorgung. In anderen Regionen wiederum hat der kürzlich eingesetzte Regen die Gefahr von Überflutungen und damit einhergehender akuter Wasserverschmutzung vergrößert. Akute Durchfallerkrankungen verbreiten sich rasch vor allem in den Regionen Oromia und Somali und haben bereits Menschenleben gekostet.

Als Folge der Dürre steigt außerdem die Schulausfallquote: Schüler fehlen bis zu drei Tage die Woche um die Familie zu unterstützen, etwa beim zunehmend schwieriger werdenden Wasserholen. Bereits über 200 Schulen mussten schließen, da Familien mit ihren Viehherden weiterzogen.

Neben all diesen Herausforderungen steht Äthiopien zudem vor einem Flüchtlingsproblem: Mit mehr als 730.000 Menschen - überwiegend aus den Nachbarländern Südsudan, Eritrea und Somalia - hat das Land die größte Flüchtlingspopulation in der Region. Vor allem der Konflikt im Südsudan ließ die Zahlen zuletzt in die Höhe schnellen.

Caritas-Hilfe vor Ort

Äthiopien ist ein Schwerpunktland der heurigen Caritas-Hungerkampagne. Die Caritas hat bereits zahlreiche Nothilfeprogramme laufen. In Dugda, Zeway und Adamitulu werden beispielsweise fast 45.000 Menschen mit Nahrungsmitteln, Saatgut und Kleinvieh unterstützt. Für tausende unterernährte Kinder gibt es spezielle Nahrungsmittelhilfe mit besonders proteinhaltiger Kost.

In der Region Harrar erreicht die Hilfe der katholischen Kirche, mit Unterstützung durch die Caritas Österreich, fast 100.000 Menschen. Auch hier braucht es noch für mindestens sechs Monate eine Versorgung mit Nahrungsmitteln, Wasser und Saatgut. Spezielle Hilfsprogramme gibt es für kleine unterernährte Kinder, Schwangere und stillende Mütter.

In Dhadim u. Dokole in der Borana Zone finanziert die Caritas ein Ausspeisungsprogramm an katholischen Schulen. Davon profitieren vor allem Kinder von Nomaden, die täglich bis zu 30 Kilometer Schulweg zurücklegen müssen und sonst keine ordentliche Mahlzeit bekämen. Die Caritas arbeitet in Äthiopin mit zahlreichen kirchlichen und nichtkirchlichen Stellen und Organisationen zusammen, u.a. auch mit der "Austrian Development Cooperation". (Infos:www.caritas.at/hunger

Caritas-Spendenkonto: IBAN: AT92 6000 0000 0770 0004, Kennwort: Hungerhilfe