Wilhelm Krautwaschl: Seelsorge, Bildung, Berufung

www.katholische-kirche-steiermark.at

Graz, 14.04.2015 (KAP) Seelsorge, Bildung, Berufung - diese drei Begriffe stehen stellvertretend für Tätigkeitsfelder, die Wilhelm Krautwaschl, der künftig an der Spitze der Diözese Graz-Seckau stehen wird, in seinem bisherigen priesterlichen Leben ausfüllten.

Der bestens in seiner Diözese verankerte 52-jährige mutmaßliche Nachfolger von Egon Kapellari wirkte als Kaplan und Pfarrer in der Ost- und Obersteiermark, kehrte als Verantwortlicher des "kleinen Seminars" und späterer Bildungszentrumsleiter 2006 nach Graz zurück und war als Diözesandirektor des Canisiuswerkes seit Jahren wichtige Ansprechperson für jene, die ein geistliches Amt ins Auge fassten oder bereits auf dem Weg dahin sind.

Die Bundesregierung gab am Dienstag bekannt, dass es gegen die geplante Bischofsernennung in der Steiermark keine Einwände gibt. Die offizielle Ernennung durch den Vatikan wird in den nächsten Tagen erwartet. Der von 2001 bis 2015 amtierende Diözesanbischof Egon Kapellari hatte im Jänner seinen altersbedingten Rückzug bekannt gegeben und damit eine Phase der Sedisvakanz eingeleitet.

"Meine erste Aufgabe ist es als Priester, mit Menschen unterwegs zu sein": Das ist der erste, programmatische Satz, den der für social media offene Wilhelm Krautwaschl, der auf auf Facebook und Twitter präsent ist, auf seiner seit längerem bestehenden Website http://krautwaschl.info über sich selbst schreibt. Unterwegs zu sein mit anderen sei eine "sehr spannende Angelegenheit, erst recht wenn es sich - wie in meinem Fall - um zumeist Jugendliche und junge Erwachsene handelt". Im Grazer Bischöflichen Seminar und im Bildungszentrum Augustinum begegneten ihm Fragen an das Leben und dessen Sinn, an das Woher und Wohin usw. in vielen Schattierungen. "All diesen heißt es sich zu stellen", betont der Priester.

Unter jenen Aussprüchen und Sätzen anderer, "die mich berührt haben und daher mir wegweisend geworden sind", nennt Krautwaschl Gedanken des 1994 verstorbenen früheren Bischofs von Aachen, Klaus Hemmerle, die den überlieferten Glauben mit unmittelbaren Begegnungen verknüpfen: "Lass mich dich lernen, dein Denken und Sprechen, dein Fragen und Dasein, damit ich daran die Botschaft neu lernen kann, die ich dir zu überliefern habe." Und in einem Vorwort, das Hemmerle, für ein Buch der Gründerin der ökumenischen Fokolar-Bewegung, Chiara Lubich, schrieb, erkennt Krautwaschl den unzerstörbaren Wesenskern christlicher Gemeinschaft: "Umbrüche in der Gesellschaft können die Wirkmöglichkeit der Kirche aufs äußerste gefährden und verkürzen", heißt es dort. "Gemeinschaft aber der zwei oder drei mit dem Herrn in ihrer Mitte bleibt die unzerstörbare, lebendige Zelle von Kirche."

Wilhelm Krautwaschl wurde am 5. März 1963 in Gleisdorf/Steiermark geboren. Dort absolvierte er seine gesamte Schullaufbahn und arbeitete als Ministrant, Ministrantengruppenleiter, im Jugendchor usw. bereits früh in der dortigen Pfarre mit. Nach der Matura studierte er ab 1981 Theologie an der Universität Graz. Zeitgleich trat er in das Grazer Priesterseminar ein.

1986 wurde Krautwaschl mit einer Diplomarbeit im Fachbereich Altes Testament über das Buch Josua Mag.theol., 1990 folgte das Doktorat nach einer moraltheologischen Dissertation über Asketik in der Zeit der Aufklärung. Während des Studiums engagierte sich Krautwaschl mehrere Jahre hindurch in der steirischen Katholischen Jungschar und war vier Jahre lang Jahre Domzeremoniar. Auch sein Pastoralpraktikum 1989/90 absolvierte er in der Grazer Dompfarre.

Der Weihe zum Diakon am 17. Dezember 1989 folgte ein halbes Jahr später, am 1. Juli 1990 Priesterweihe durch den damaligen Diözesanbischof Johann Weber. Es folgten 16 Jahre Seelsorgearbeit in verschiedenen Regionen der Steiermark: Seine Kaplanszeit verbrachte Krautwaschl in Hartberg, ab 1993 war er im Pfarrverband Knittelfeld tätig, ab 1998 in Bruck/Mur, wo er acht Jahre als Pfarrer wirkte.

Danach ging es zurück nach Graz und zu Arbeitsbereichen mit immer größeren Verantwortungsbereichen. Seit September 2006 leitete Krautwaschl als Regens das Bischöfliche Seminar in Graz und das "Augustinum", das 2009 von Bischof Egon Kapellari als diözesanes Zentrum für Bildung und Berufung eingerichtet wurde. Krautwaschl fungierte als Richter am Grazer Diözesangericht sowie als Diözesandirektor des Canisiuswerkes, wo er für Berufungspastoral zuständig ist. Weiters war Krautwaschl zuletzt Mitglied der Liturgiekommission und leitete die Sektion Liturgiepastoral. Durch diese Tätigkeiten kennt er den steirischen Klerus bestens, er ist seit Jahren Ansprechpartner für junge Priester und Mitarbeiter in der Berufsbegleitung in den ersten fünf Dienstjahren. Auch für für Priester aus anderen Diözesen fungiert Krautwaschl als Ansprechpartner. In den vergangenen Jahren wurde er im Auftrag des Bischofs als Firmspender eingesetzt. Geistlich beheimatet ist Krautwaschl in der von Chiara Lubich gegründeten weltweiten Fokolare-Bewegung.

Große Zustimmung zu Wilhelm Krautwaschl in der Steiermark

Auf große Zustimmung ist in der Steiermark die bevorstehende Ernennung von Wilhem Krautwaschl zum neuen Bischof der Diözese Graz-Seckau gestoßen, die vom Vatikan in den nächsten Tagen bekannt gegeben wird. Der steirische Caritasdirektor Franz Küberl würdigte Krautwaschl in einer ersten Stellungnahme als "fromm und lebenstüchtig". Er kenne ihn bereits seit 27 Jahren, so Küberl am Dienstag gegenüber dem ORF-Steiermark. Krautwaschl sei ein frommer und lebenstüchtiger Mann, "der die Diözese und die verschiedenen seelsorglichen Herausforderungen in unserem Land sehr gut kennt". Er sei überzeugt, so Küberl, dass der künftige Bischof "genug Kraft und Energie hat", die Herausforderungen "in evangeliarer Weise anzugehen".

Altbischof Johann Weber äußerte sich ebenfalls sehr positiv zu Wilhelm Krautwaschl. Bischof zu sein sei ein ständiger Lernprozess, so Weber: "Mit dem Lernen von den Menschen wächst man immer tiefer ins Evangelium hinein, und ich glaube, da bringt der neu ernannte Bischof wirklich den allerbesten Willen dazu mit". Für Weber ist es zudem ein großer Vorteil, dass ein verhältnismäßig junger Bischof ernannt wird - Krautwaschl ist 52 Jahre alt -, denn dieses Amt bringe auch körperlich große Anstrengungen mit sich, so Weber.

Der steirische Landeshauptmann Franz Voves äußerte sich gegenüber der "Kleinen Zeitung" zum künftigen Bischof: "Besonders erfreulich finde ich als Steirer, dass die Wahl des Papstes auf einen Landsmann gefallen ist, der die Verhältnisse des Landes und seiner ihm anvertrauten Gläubigen genau kennt."

Landeshauptmann-Stellvertreter Hermann Schützenhöfer zeigte sich überzeugt, dass Krautwaschl ein "Bischof der Mitte und des Dialogs" sein werde. Er kenne Wilhelm Krautwaschl gut und schätze ihn sehr, so Schützenhöfer: "Ich freue mich auf eine gute Zusammenarbeit mit ihm und wünsche ihm Gottes Segen."

Katholisch Aktion "hoch erfreut"

"Hoch erfreut, dass Wilhelm Krautwaschl und Werner Freistetter zu neuen Bischöfen ernannt werden sollen", hat sich am Dienstag auch die Präsidentin der Katholischen Aktion Österreich (KAÖ), Gerda Schaffelhofer, gezeigt. "Die Bestellung der beiden Priesterpersönlichkeiten ins Bischofsamt ist ein klares Signal für eine dialogfähige und weltoffene Kirche, die gleichzeitig ihre feste Verwurzelung im Evangelium nicht vergisst. Ich bin überzeugt, sie stehen für den Weg der Kirche, den Papst Franziskus eingeschlagen hat", so Schaffelhofer in einer Aussendung.

"Die Diözese Graz hat sehr lange auf die Entscheidung aus Rom gewartet. Dass nun der bisherige Leiter des Bischöflichen Seminars und des Bildungszentrums Augustinum in Graz, Wilhelm Krautwaschl, neuer Diözesanbischof werden soll, entschädigt für das lange Zuwarten", so Schaffelhofer. Sie habe Krautwaschl als einen Priester kennengelernt, "der offen auf seine Mitmenschen zugeht, um die Bedeutung von Gemeinschaft weiß und diese in seinem Priesterdasein auch lebt". In diesem Sinne verstehe er Kirche auch "als Miteinander von Priestern und Laien, Männern und Frauen, Alt und Jung". Als Präsidentin der Katholischen Aktion Österreich sehe sie der Zusammenarbeit mit Wilhelm Krautwaschl mit großer Freude und Hoffnung entgegen, so Schaffelhofer. Ein Dankeschön gebühre zugleich auch Diözesanadministrator Heinrich Schnuderl, "der in der Zeit des Sedisvakanz die Diözese umsichtig und engagiert geleitet, den Übergang positiv gestaltet und die Diözese auch auf Österreichebene entsprechend vertreten hat".

Lobende Worte fand Schaffelhofer auch zum künftigen Militärbischof: "Mit Werner Freistetter erhält die Militärdiözese nicht nur einen erfahrenen und menschennahen Seelsorger als Bischof, der das Bundesheer bestens kennt. Freistetter ist auch ein anerkannter Theologe und Ethiker, der sich entschieden für ein friedliches Zusammenleben von Nationen, Völkern und Religionen einsetzt." In der aktuellen Situation, in der auch in Europa der Friede wieder zunehmend mit Fragezeichen versehen ist, sei die Ernennung einer Persönlichkeit, die über viele internationale Erfahrungen und Beziehungen verfügt, für mich auch ein klares Signal", so die KAÖ-Präsidentin.

Zulehner: Krautwaschl im Sinne von Papst Franziskus

"Der neue Grazer Bischof kommt aus der Seelsorge, riecht also nach der Herde": Insofern entspricht Wilhelm Krautwaschl dem Anforderungsprofil von Papst Franziskus, wie der Wiener Pastoraltheologe Paul Zulehner am Dienstag feststellte. In seinem Blog unter dem Titel "Glückwunsch, Herr Bischof Krautwaschl!!" gibt Zulehner seinen Eindruck wieder, dass der Papst bei Bischofsernennungen immer mehr "die Zügel in die Hand" nehme. Das wäre auch für die Reformvorhaben von Franziskus wünschenswert. "Nur wenn er sich auf immer mehr Ortsbischöfe verlassen kann, kommt er mit seiner epochalen pastoralen Neuausrichtung auch in den Ortskirchen voran", so Zulehner.

Die Ernennung eines Mannes aus der eigenen Diözese habe Vorteile. Graz habe nach langem Warten endlich einen neuen Bischof. Der lange Weg dorthin sei auch dem Umstand geschuldet, "dass die Suche nach Kandidaten für das bischöfliche Amt immer noch intransparent und der katholischen Kirche in unserer Zeit unwürdig ist", befand Zulehner. "So wenig Beteiligung ist ein Schwächezeichen der Kirche."

Foto: www.katholische-kirche-steiermark.at