Von der Bibel zur Predigt

Univ.Prof. Dr. Johann Pock

St. Pölten, 25.02.2015 (dsp) Die Bemühungen von Papst Franziskus um gute Predigten in dessen Enzyklika „Evangelii gaudium“ unterstützte Johann Pock, Professor für Pastoraltheologie an der Universität Wien, in seinem Vortrag „Von der Bibel zur Predigt“ bei der Priesterstudientagung in St. Pölten. Eine Predigt solle „Herz, Verstand und Willen“ der Menschen ansprechen und so „Bibel und Leben miteinander verbinden“.

Der Anspruch der Heiligen Schrift an die Predigt sei, dass „Gott selbst zu seinem Volk spricht“, betonte Pock. Wer die Schrift auslege, stehe dabei in seinem Dienst. Deswegen dürfe der Prediger „dem Wort Gottes nicht im Weg stehen“, sondern solle „es aufleuchten lassen“. Die biblischen Texte seien so auszulegen, dass die Menschen „zur Gottesbegegnung ermutigt und hingeführt werden“.
Deswegen dürften in einer Predigt nicht nur exegetische Erkenntnisse weitergegeben werden, so Pock, sondern es gelte, „die Menschen zu begeistern, sich auf Gott einzulassen“. Die biblischen Texte sollten „selbst zu Wort kommen“, und nicht nur als „Aufhänger“ dafür dienen, was der Prediger ohnehin von sich aus sagen wolle. „Ich soll den Text anders sagen, ohne dass etwas anderes gesagt wird.“

Altes und Neues Testament als Einheit

Die Notwendigkeit die ganze Bibel, das Neue und das Alte Testament, ohne Abstriche als Heilige Schrift anzunehmen betonte Oliver Achilles, Referent für Neues Testament bei den Theologischen Kursen, in seinem Referat über die „Grundbotschaft der Bibel“. „Das Gewebe der Schrift ist kunstvoll gesponnen“, deswegen sei das Neue Testament ohne das Alte, die Bibel der Juden, nicht verständlich. Es gelte, die „Einheit der Schrift anzunehmen und neu zu entdecken“. Auch in allen Evangelien werde die Einheit der Schrift vorausgesetzt

So sei etwa bereits der Anfang des Matthäus-Evangeliums „eine Link-Sammlung mit Verknüpfungen zu allen wichtigen Ereignissen des Alten Testaments, eine Reise durch die ganze Heilsgeschichte und zurück“, wie Achilles erklärte. Ebenso gehe der Evangelist Markus davon aus, dass der Leser das Alte Testament kenne: An allen entscheidenden Stellen komme der Prophet Elia vor, sei es bei der Verklärung oder auch bei der Kreuzigung. Ebenso sei das Johannes-Evangelium „durchtränkt von Zitaten aus dem Alten Testament“. Schon der Prolog sei eine Parallele auf den Beginn des Buches Genesis und eine „kunstvolle Reflexion von Jesus Sirach 24 und Sprichwörter 8“.

Der wichtigste rote Faden in der Bibel sei „der erbarmende, barmherzige und gnädige Gott“, so Achilles. Warum spreche die Bibel dann so viel über Gewalt, werde oft gefragt. Achilles: „Weil Gewalt ein zentrales Thema und Problem der Menschen ist. Die Schrift entzieht sich diesem schmerzhaften Thema nicht, sondern stellt sich ihm in beeindruckender Weise.“ Hinter den Gewalttexten stehe „eine massive Gewalterfahrung Israels“ – nicht als Täter, sondern als Opfer. So dienten diese Texte auch der Aufarbeitung traumatisierender Erlebnisse und dem Versuch, diese auch heilsgeschichtlich einzuordnen.

Apokalypse als Hoffnung in der Krise

Eine Annäherung an das Buch der Apokalypse (Offenbarung) des Johannes unternahm der Exeget Hans-Georg Gradl, Professor für Neues Testament an der Theologischen Fakultät Trier, in seinem Referat über das „Buch mit sieben Siegeln“. Für das Verständnis des schwierigen Textes sei es wichtig zu wissen, dass „biblische Apokalypsen immer in einer Krisensituation entstanden“ seien. Dabei stehe stets Gott im Mittelpunkt: Wo kein Mensch mehr helfen kann, mitten im Untergang, könne nur noch Gott selbst retten. Mitten in einer „radikalen Krise“ werde „auch die Hoffnung radikalisiert“, so Gradl.

Die Apokalypse ziele auf das Hören ab, sei für das Vorlesen im Gottesdienst geschrieben worden. Deswegen entfalte Johannes die Heilsbotschaft nicht abstrakt und logisch, sondern mithilfe von Bildern, wie Gradl ausführte: „Es ist ein Bilderbuch für die Sinne.“ Das Ansprechen der Sinne sei die Methode des Apokalyptikers, die Erlösungsbotschaft erfahrbar zu machen. Die mächtige Bildsprache der Offenbarung enthülle einen „tiefen religiösen Wissensvorrat“ für die Krise. In den Visionen des Johannes werde „plötzlich die ganze Heilsgeschichte sichtbar in sinnvollen Zusammenhängen“. So werde der Text – auch heute – zur „Nahrung, von der die Christen in der Krise zehren können“.