Theologe: Neueste Enzyklika betrifft den Kern des Glaubens

Die jüngste Enzyklika von Papst Franziskus, "Laudato si" betrifft nach Ansicht des Aachener Theologen Ulrich Lüke den Kern des christlichen Glaubens. Lüke wandte sich am Mittwoch in Berlin gegen eine Verkürzung von "Laudato si" auf eine reine Ökologie- oder Sozialenzyklika. Die Aussagen des Kirchenoberhaupts seien schöpfungs- und trinitätstheologisch grundlegend.

"Es ist Theologie im harten Kern", so Lüke. Er äußerte sich auf einer Fachtagung des kirchlichen Hilfswerks Misereor zum päpstlichen Rundschreiben.

Der Generalsekretär der Brasilianischen Bischofskonferenz, Weihbischof Leonardo Ulrich Steiner, hob das ganzheitliche Verständnis des Menschen und der Schöpfung in der Enzyklika hervor. Der Mensch werde in seinem "Mitsein" verstanden, und nicht nur als Herrscher oder Konsument. Schon der Untertitel "Über die Sorge für das gemeinsame Haus" mache diesen Zusammenhang deutlich. Der einzelne Mensch stehe jederzeit mit allem in Beziehung. Die sei für ihn auch der rote Faden in dem Schreiben. Nur ein tieferes Verständnis dieses Beziehungsgeschehens ermögliche ein neues Verhältnis zur Schöpfung. Ansonsten werde man weiterhin nur über Zahlen oder Biodiversität sprechen.

Der Hauptgeschäftsführer von Misereor, Pirmin Spiegel, sprach von einer integrierten Ökologie, die einen Zusammenhang zwischen dem menschlichen Miteinander und der Schöpfung herstelle. So sehe der Papst eine Verbindung zwischen der Zerstörung der Umwelt und der Erosion des Zusammenlebens. Er betonte, dass der Papst die Enzyklika aus der Perspektive der Armen geschrieben habe.

Die Geschäftsführerin der "klima-allianz Deutschland", Christiane Averbeck, sah in der Enzyklika ein Ermutigung vor allem mit Blick auf den Umweltgipfel in Paris - bei der sich die Weltgemeinschaft auf neue Klimaschutzziele einigen will. Sie hob zugleich den Dank des Papstes für die Umweltschützer hervor. Der Papst "hat uns Exzentriker in die Mitte der Gesellschaft geholt", so Averbeck.

(KAP)