Papst überreichte 46 Erzbischöfen das Pallium

Erzbischöfe sollen nach Worten des Papstes "Meister des Gebets" sein. Sie müssten ihre Gläubigen lehren, "dass die Befreiung aus allen Gefangenschaften allein ein Werk Gottes und eine Frucht des Gebetes", erklärte Franziskus am Montag im Petersdom vor 46 neuen Erzbischöfen, denen er bei einem Gottesdienst das Pallium verlieh.

Das Ehrenzeichen ihrer Amtswürde erhielten dabei u.a. der Jesuit Alojzij Cvikl aus der slowenischen Erzdiözese Maribor, weiters der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki, der Hamburger Erzbischof Stefan Heße und der künftige Berliner Erzbischof Heiner Koch.

Die Erzbischöfe sollten selbst "Engel und Boten der Liebe" für die Notleidenden sein und den Menschen verkünden, dass "Gott im richtigen Moment seinen Engel sendet, um uns von den vielen Knechtschaften und den unzähligen weltlichen Ketten zu erlösen", forderte der Papst bei der Predigt, in dem er die Gedanken zu den Engeln noch vertiefte: Gott sende Engel um "uns zu liebkosen, um unser gebrochenes Herz zu trösten; um uns aus dem Schlummer unseres Daseins aufzuwecken", so Franziskus. Manchmal schicke er sie aber auch einfach um zu sagen 'Du bist nicht allein'".

Gottes Engel kämen häufig unerwartet auf die Menschen zu, um sie aus schwierigen Situationen zu retten und sie "der Hand des Todes und des Bösen zu entreißen". Viele Menschen würden ihren Schutzengel jedoch einfach "vor der Türe stehen" lassen - aus Angst, Unglauben oder Euphorie, erklärte der Papst mit einem Verweis auf die Geschichte des Apostel Petrus: Als er an das Tor eines Hauses klopfte, in dem sich Christen versammelten hatten, habe eine Magd namens Rhode seine Stimme zwar erkannt, doch vor Freude die Tür nicht geöffnet. "Denken wir daran, wie oft der Herr unser Gebet erhört und uns einen Engel gesandt hat?", hinterfragte Franziskus.

Lebensführung stärkstes Zeugnis

Die Erzbischöfe hielt Franziskus in seiner Predigt weiter dazu an, eine Kluft zwischen ihrem Lebenswandel und der christlichen Botschaft zu vermeiden. Es gebe "kein Zeugnis ohne ein kohärentes Leben", so der Papst. Das wirksamste und echteste Zeugnis bestehe darin, "mit dem Verhalten und dem Leben nicht dem zu widersprechen, was man mit dem Wort verkündet und was man die anderen lehrt". Der Papst erinnerte dazu an einen Ausspruch des heiligen Franz von Assisi (1181-1226): "Verkündigt immer das Evangelium, wenn nötig, auch mit Worten."

Ebenso wie "Meister" seien heute "mutige, überzeugte und überzeugende Zeugen" nötig, "die sich des Namens Christi und seines Kreuzes nicht schämen", die "weder vor den brüllenden Löwen noch vor den Mächten dieser Welt" Angst hätten, so der Papst. Dies verdeutliche auch das Pallium, ein Symbol für die seelsorgerische Aufgabe, das für das Schaf stehe, das der Hirte - wie Christus, der "Gute Hirte" - auf seinen Schultern trage. Zugleich sei es liturgisches Zeichen der Gemeinschaft zwischen dem Stuhl des heiligen Petrus und seiner Nachfolger und den Trägern des Palliums, den Leitern einer Kirchenprovinz, sowie allen Bischöfen.

Übergabe erstmals im neuen Ritus

Das Pallium ist eine weiße Wollstola mit aufgestickten schwarzen Kreuzen, die beim Gottesdienst über dem Messgewand getragen wird. Einst bezeichnete es ein mantelähnliches Obergewand der Römer, das seit dem sechsten Jahrhundert zur Kleiderordnung der Päpste gehörte und dann auch bestimmten Bischöfen als Auszeichnung verliehen wurde. Ab der Mitte des neunten Jahrhunderts waren die Erzbischöfe verpflichtet, sich das Pallium vom Papst zu erbitten, mit dem sie erst ihr Hirtenamt als Metropolitanbischöfe ausüben durften.

Heute ist das Pallium ein Amtsabzeichen aus einem vier bis sechs Zentimeter breiten Streifen aus der Wolle zweier weißer Lämmer mit sechs schwarzen Seidenkreuzen, das der Papst und die Metropoliten, die er damit auszeichnet, bei bestimmten liturgischen Gelegenheiten tragen. Es unterstreicht die besondere Verbindung mit dem Papst in Rom und wird jedes Jahr am 29. Juni, dem römischen Patronatsfest Peter und Paul, verliehen. Aus Österreich hatte zuletzt Salzburgs Erzbischof Franz Lackner vor einem Jahr das Pallium überreicht bekommen.

Heuer geschah die Übergabe erstmals nach einem neuen Ritus: Der Papst legte den Erzbischöfen die Wollstola nicht mehr persönlich über die Schultern, sondern händigte sie ihnen bloß aus. Die Zeremonie der Auflegung soll später in der Kathedrale des jeweiligen Erzbischofs durch den päpstlichen Botschafter erfolgen.

(KAP)