Papst-Generalaudienz: Eltern allein zu lassen kann Todsünde sein

Seine alten Eltern acht Monate lang nicht zu besuchen, ist nach den Worten von Papst Franziskus eine "Todsünde". In Buenos Aires habe er die Bewohner von Altenheimen oft gefragt, ob sie Kinder hätten, und wann diese das letzte Mal zu Besuch gewesen seien, berichtete Franziskus am Mittwoch bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz.

Regelmäßig seien die Antworten gewesen "Viele" und "Ja, immer". Als er jedoch bei einer alten Frau einmal nachgehakt habe, wann denn die Kinder zum letzten Mal gekommen seien, habe sie erwidert "zu Weihnachten", obwohl es bereits August gewesen sei. Franziskus wörtlich: "Acht Monate allein gelassen: Das nennt man Todsünde".

Generell prangerte Franziskus eine Ausgrenzung alter Menschen an. In "unserer Leistungsgesellschaft scheint kein Platz für die Alten zu sein", sagte er auf dem Petersplatz und forderte einen verstärkten Einsatz für diese Generation.

Besonders die Kranken und Einsamen unter ihnen dürften nicht ihrem Schicksal überlassen und wie Fremde behandelt werden. Sie seien die "Weisheitsreserve der Gesellschaft". Außerdem gelte es zu bedenken, dass jeder früher oder später selbst zu den Alten zähle, so Franziskus.

Vielfach würden alte Menschen heute als "Ballast angesehen und ausgesondert", weil sie nichts produzierten, sagte der Papst weiter. Dies führe dazu, dass sich die Betroffenen oft selbst als Last empfänden und mit ihren Schwierigkeiten auf sich allein gestellt blieben. Eine Gesellschaft, in der es Nähe und unentgeltliche Zuneigung nicht mehr ohne Gegenleistung gebe, sei "pervertiert".

Zugleich rief der Papst zum Dialog zwischen den Generationen auf. "Wo den Alten keine Achtung entgegengebracht wird, gibt es keine Zukunft für die Jungen", so Franziskus.

Nachdem Franziskus in seiner Ansprachenreihe über die Familie, zunächst über Mütter, Väter und Kinder gesprochen hatte, widmete er sich am Mittwoch erstmals den Großeltern.