Österreichische Diakonentagung: Begegnung und Standortsuche

Mehr als 80 Diakone mit ihren Ehefrauen aus ganz Österreich trafen einander von 9. bis 11. Oktober in Illmitz auf Einladung der burgenländischen Diakone mit ihrem Sprecher Richard Müllner zum Gedankenaustausch. Motto des Treffens: "Die Wertschätzung des Diakonats".

Mit dabei waren u. a. Weihbischof Anton Leichtfried, der innerhalb der Bischofskonferenz für die Diakone zuständig ist, der gesamtösterreichische Sprecher der Diakone, Franz Ferstl, Hubert Wieder, Regens des burgenländischen Priesterseminars und geistlicher Leiter der burgenländischen Diakone.

Den festlichen Abschluss fand das Treffen am Sonntag mit dem Erntedank-Gottesdienst in der Pfarrkirche Illmitz, geleitet von Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics und Weihbischof Anton Leichtfried. Im Rahmen des Gottesdienstes wurde Richard Müllner für sein 35-jähriges Wirken als Diakon und für seine Tätigkeit als Sprecher der burgenländischen Diakone von Zsifkovics mit dem Martinusorden in Silber ausgezeichnet.

Im Mittelpunkt des dreitägigen Treffens standen laut Richard Müllner "die Begegnung auf Augenhöhe und das geschwisterliche Gespräch miteinander".

Mit Matthias Beck und Richard Geier gaben zwei hochkarätige Referenten den Diakonen und ihren Ehefrauen Gedanken mit auf den Weg. Das gesamtösterreichische Treffen der Diakone und ihrer Ehefrauen findet alle zwei Jahre in einer anderen Diözese statt. Gastgeber 2013 war Salzburg, 2017 findet das Treffen in Kärnten statt.

Matthias Beck: Auskunft geben über Christentum

Der Wiener Theologe, Mediziner und Bioethiker Prof. Matthias Beck eröffnete sein Referat mit einer Ermutigung der Diakone: "Ihr braucht keine zusätzliche Wertschätzung. Wir brauchen Menschen wie euch, die mit beiden Beinen in der Welt und mit beiden Beinen in der Kirche stehen." Und in Richtung Ehefrauen meinte Beck: "Ihr Diakone habt immer ein Korrektiv zuhause, das die Priester nicht haben."

Beck sprach sich angesichts leerer werdender Kirchen für einen Neubeginn aus. Man müsse folgende Fragen stellen: "Was ist Christentum? Wer sind wir?" Jesus, so Beck, sei mit zwei Gruppen von Menschen hart ins Gericht gegangen: Mit jenen, die ihre Talente verstecken - denn sein Talent zu verstecken, sei eine schwere Sünde -, und mit jenen, die keine Antwort, keine Auskunft geben können: "Gott wird uns dereinst fragen, ob wir Auskunft gegeben haben über unser Christentum." Das Christentum, so Beck, sei keine Gesetzesreligion, sondern eine Beziehungsreligion: "Kirche soll den Menschen helfen, ihre Gottesbeziehung zu vertiefen. Kirche soll helfen, dass das Leben der Menschen besser gelingt."

Als Naturwissenschaftler und Theologe betonte Becke, dass das Christentum eine Vernunftreligion ist und dass es keinen Dissens zwischen Theologie und Wissenschaft gibt. Daraus leitet Beck auch ab, dass das Christentum dazu dient, den richtigen Weg im Leben zu finden. "Das Christentum ist notwendig, damit Menschen vernünftig heranreifen."

Abschließend appellierte Matthias Beck an die Diakone und deren Ehefrauen, Rechenschaft darüber zu geben, was Christentum ist, mit dem Leben Zeugnis zu geben, auf die Menschen zu schauen und einen Dienst für die Welt zu leisten.

Diakone als Repräsentanten der Armen

Richard Geier, Liturgiereferent der Diözese Eisenstadt und Seelsorger im Haus St. Martin in Eisenstadt, unterstrich die Rolle des Diakons als Repräsentant der Armen: "Als Stellvertreter der Armen leben die Diakone die konkrete Solidarität mit den Leidenden dieser Welt." Dies könnten die Diakone nur dann authentisch tun und sein, wenn sie "die Armen in ihren Gemeinden kennen und ihnen beistehen". Der Dienst des Diakons in der Eucharistie bestehe deshalb darin, "die Armen der Gemeinde und der Welt im Gottesdienst zu repräsentieren". In der Realität, so Geier, werde jedoch der Diakon allzu oft nur als Helfer des Priesters gesehen. Der Dienst des Diakons in der Eucharistie leite sich jedoch von der Sakramentalität der Armen her.

(11.10.2015, KAP)