Nach Jahren erfolgreicher Vermittlungstätigkeit drehte AMS „Netzwerk der Solidarität“ Geldhahn zu

Foto: Stefan Heller (Netzwerk der Solidarität), Erwin Burghofer (Katholische Arbeiterbewegung), Carina Hammerl (Katholische Jugend), Rudolf Dörr-Kaltenberger (Caritas)

St. Pölten, 30.04.2015 (dsp) Bei einem Pressegespräch mehrerer kirchlicher Organisation anlässlich des „Tages der Arbeitslosen“ informierte Stefan Heller vom diözesanen „Netzwerk der Solidarität“ über das mögliche Ende dieser Einrichtung. Das „Netzwerk“ vermittelte in 15 Jahren über 1000 Menschen wieder an Betriebe. Zumeist seien es laut Geschäftsführer Heller ältere Menschen gewesen, aber auch viele Jugendliche bekamen über seine Einrichtung eine Arbeit. Dabei griff die diözesane Initiative auf das dichte Netzwerk der Pfarren in Niederösterreich zurück und erhielt Unterstützung von vielen Ehrenamtlichen. Das habe das „Netzwerk der Solidarität“ einzigartig gemacht.

„Wir haben die Logik der Kürzungen einfach nicht verstanden“, so Heller, der im November einen Brief des Arbeitsmarktservices erhielt, in dem von der Einstellung der Förderungen die Rede war. Das AMS habe dem Netzwerk eine gute Erfolgsquote bescheinigt, im Jahr 2013 – also in wirtschaftlich schwierigen Zeiten – seien es 45 Prozent gewesen, in den Jahren davor war die Quote noch höher. Das AMS setze zwar die Priorität auf ältere Arbeitslose, unverständlich sei dann noch vielmehr, dass gerade diese „Netzwerk“-Zielgruppe getroffen werde.

Jetzt erarbeitet das „Netzwerk“ ein neues Konzept, innerkirchlich gebe es mit den Pastoralen Diensten und der Katholischen Aktion der Diözese St. Pölten Gespräche. Stefan Heller kämpft darum, es weiterzuführen.

Beim Pressegespräch betonte Erwin Burghofer von der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB), dass Christen Arbeitslosigkeit nicht egal sein könne. Für die Diözese St. Pölten sei das Thema jedenfalls wichtig. Burghofer forderte daher eine Arbeitszeitverkürzung bzw. eine gerechtere Verteilung der Arbeit. Er verwies exemplarisch auf seinen kleinen Heimatort Aschbach im Bezirk Amstetten, dort seien 127 Menschen ohne Job. Doch das wisse man von den meisten Betroffenen einfach nicht, weil das Thema verschwiegen werde.

Carina Hammerl von der Katholischen Jugend der Diözese St. Pölten sagte, Jugendliche würden sich Wertschätzung am Arbeitsplatz, faire Bezahlung, eine gute Ausbildung und einen gesicherten Job wünschen. Derzeit gebe es 55.000 Jugendliche unter 25 Jahren, die keinen Job hätten. Laut ihrer Aussage sei die Tendenz steigend. Auf sie müsste die Politik besonderes Augenmerk legen. So gebe es Diskriminierung von Migranten und zu wenige Lehrplätze.

„Fast jeder kennt Menschen, die ohne Arbeit sind oder war selbst von Arbeitslosigkeit betroffen", betont Rudolf Dörr-Kaltenberger, Leiter der Beruflichen Integration der Caritas St. Pölten. "Der hohe Stellenwert der Arbeit in unserer Gesellschaft hat für Menschen, die arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht sind, enorme Auswirkungen. Es bedeutet neben einem reduzierten Einkommen einen geringeren Selbstwert und die Folgen können Depressionen, soziale Ausgrenzung und Überschuldung sein. Das Risiko, von Arbeitslosigkeit betroffen zu sein, ist für Menschen mit Behinderungen ungleich höher. Einsparungen in der aktiven Arbeitsmarktpolitik verschärfen diese prekäre Situation zusätzlich“. Von der St. Pöltner Caritas seien 2014 rund 1700 Personen mit Behinderung in den Arbeitsmarkt begleitet worden, diese seien seit 20 Jahren Schwerpunkt der Caritas-Arbeit in der Diözese. Menschen mit Behinderung würde Arbeitslosigkeit hart treffen: Sie hätten ein niedrigeres Einkommen, seien meist länger ohne Job und besonders armutsgefährdet.

Foto: Stefan Heller (Netzwerk der Solidarität), Erwin Burghofer (Katholische Arbeiterbewegung), Carina Hammerl (Katholische Jugend), Rudolf Dörr-Kaltenberger (Caritas)