Müller: Papst äußert sich in Enzyklika auch über Ehe

Der Papst wird in seiner für den 18. Juni geplanten Öko-Enzyklika "Laudato sii" nicht nur Umweltfragen, sondern das Schöpfungsthema im weiten Sinn aufgreifen, hat der Präfekt der Römischen Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, am Freitag betont.

Müller äußerte sich im Interview mit der Würzburger "Tagespost". So gehe es auch um die Gefahr, aus dem Wort Ehe "nur noch eine Hülse" zu machen, die man "mit beliebigen Inhalten" füllen kann. Die Ehe sei vielmehr als Bund von Mann und Frau schon in der Schöpfung selbst grundgelegt, argumentierte Müller. Deshalb werde der Papst dies in seiner kommenden Enzyklika klar ansprechen.

Das Ja der Iren zur gleichgeschlechtlichen Ehe bedeute eine "Diskriminierung des Ehebundes von Mann und Frau und somit eben auch der Familie", sagte Müller. Er beglückwünsche all jene, "die ihre Knie nicht gebeugt haben vor den Götzen der Selbsterschaffung und Selbsterlösung, die uns zielsicher in die Selbstzerstörung führen werden - wie andere politischen Ideologien auch". Die Mehrheit sage zudem nichts über die Wahrheit aus. "Die Wahrheit wird sich durchsetzen, wenn auch unter großen Opfern", zeigte sich der Kurienkardinal überzeugt.

Es gehe bei der Homo-Ehe nicht um Nichtdiskriminierung. Dies glaubten Naive, und sie hätten sich "in den Schlaf des Gewissens wiegen" lassen. Um was es gehe, sei die Familie. Diese sei eine Lebensgemeinschaft von Vater und Mutter mit ihren Kindern, die Gott ihnen geschenkt und anvertraut habe. "Kinder sind nicht Eigentum der Gesellschaft und des Staates, der diese bei Leuten, die sich einen Wunsch erfüllen wollen, zur Pflege gibt, sondern sie sind Eigentum Gottes, der die Menschen nach seinem Bild und Gleichnis geschaffen hat."

Ausdrücklich stellte sich Müller hinter Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, der das irische Referendum als eine "Niederlage für die Menschheit" gewertet hatte. Damit habe Parolin den richtigen Ausdruck gefunden, betonte Müller.

Die Ehe könne nur aus dem Ja-Wort zwischen Mann und Frau entstehen und müsse offen für Kinder sein, betonte der Präfekt. Ehebruch sei eine schwere Sünde, die vom Gottesreich ausschließe, solange der Sünder nicht durch Reue, Bekenntnis, Wiedergutmachung und die Absolution die Wiederversöhnung mit Gott und der Kirche erlangt habe. Dies seien die wesentlichen Grundlagen.

ZdK hat keine Kompetenz in Lehrfragen

Kritik übte der Glaubenspräfekt am Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). "Man hat dort keine Kompetenz anstelle des Lehramts wesentliche Inhalte der Offenbarung zu interpretieren oder ihres Inhalts zu entleeren", sagte er. Schon gar nicht könne das Gremium im Namen eines säkularisierten Denkens "Forderungen" an das Lehramt des Papstes und der Bischöfe stellen.

Das ZdK hatte bei seiner Frühjahrsversammlung in Würzburg ohne Gegenstimme ein Papier zur Bischofssynode im Herbst verabschiedet. Darin sprach sich die Vollversammlung für Formen der Segnung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften sowie von Partnerschaften Geschiedener aus. Entsprechende liturgische Formen müssten weiterentwickelt werden.

Müller verwies darauf, das ZdK könne sich nicht auf demokratische Legitimation berufen, wenn es darum gehe, die Vollmacht und die Mission der ganzen Kirche, die Offenbarung in Jesus Christus zu bewahren und zu vergegenwärtigen. Sie sei von Gott gegeben und nicht ausgedacht wie ein Parteiprogramm von einer Gruppe, die sich organisiere. Diese wolle damit die Offenbarung in die eigene Regie nehmen und "Gott am Ende belehren", was er eigentlich gemeint haben sollte, als vor 2.000 Jahren in Jesus Christus die geschichtliche Offenbarung abgeschlossen worden sei und von nun an im Heiligen Geist der Glaubensgemeinschaft für immer aufgeschlossen bleibe.

Die Forderung, etwas zu segnen, was Gott selbst nicht gut nenne, und was einen Verstoß gegen das sechste Gebot darstelle, sei ein "schreiender Widerspruch zum Wort Gottes", so der Präfekt. Auch mit Berufung auf die Psychologie und Soziologie sei hier keine Verringerung des Abstands zwischen Kirche und "entchristlicht-neuheidnischer Gesellschaft" zu erreichen. Die Folge wäre nicht mehr gesellschaftliche Relevanz, sondern mehr Irrelevanz in allen existenziellen Fragen.

(KAP)