Krankenhausseelsorge-Tagung: Spiritualität als Haltegriff in Krankheit und Leid

Puchberg, 18.03.2015 (dsp) Spiritualität ist ein wichtiger "Haltegriff in Krankheit und Leid". Das wurde in den Vorträgen und Workshops im Rahmen der österreichischen Krankenhausseelsorge-Tagung im Bildungshaus Schloss Puchberg bei Wels deutlich. 220 haupt- und ehrenamtlich tätige Krankenhaus- bzw. Altenheimseelsorger aus dem ganzen Bundesgebiet nahmen an der Tagung teil, darunter 24 aus der Diözese St. Pölten. Das Motto war: "Dein Glaube hat dir geholfen".

Dieses Jesus-Wort aus dem neuen Testament erweise sich gerade für Menschen, die Krankheit und Leid ausgesetzt sind, immer wieder als zutreffend, so der Tenor. "Es waren sehr informative, berührende und herausfordernde Referate, die uns in unserer Seelsorgearbeit unterstützen und manche neue Erkenntnisse gebracht haben", so die Referentin für Krankenhausseelsorge der Diözese St. Pölten, Christine Winklmayr.

Denisa Ilencíkova, Oberärztin an der Landes-Frauen- und -Kinderklinik Linz, unterstrich in ihrem Vortrag, dass psychische Stabilität, gesunder Lebensstil und Selbstbewusstsein Bedrohungen wie schwere Krankheit leichter bewältigen lassen. Zu einer ausgeglichenen Persönlichkeit trage wesentlich auch ein spirituelles und soziales Leben bei, etwa durch Rosenkranzbeten, Singen und Wallfahrten. Wichtig sind nach den Worten der Medizinerin auch die persönliche Gottesbeziehung und die Erfahrung der Stille in der Meditation.

Ilencíkova ist in ein internationales Forschungsprojekt für eine "individualisierte" Krebstherapie eingebunden, das genau diese Thesen bestätigt: In der britischen Pilotstudie nahmen zehn Patientinnen mit Eierstockkrebs während ihrer Chemotherapie mehrere Wochen lang eine Gebetsbegleitung in Anspruch. Bei diesen Frauen habe eine Verbesserung ihres Wohlbefindens wissenschaftlich nachgewiesen werden können, berichtete die Linzer Oberärztin. Ihre Erfahrung: Glaube und das Vertrauen in die Wirkung der Behandlung seien entscheidend für den Heilungsprozess.

Das bestätigte auch der evangelische Theologe Traugott Roser, Ordinarius für Praktische Theologie in Münster und davor Professor für "Spiritual Care" in München. Es sei neurobiologisch nachweisbar, dass Spiritualität und Glaube die eigene Widerstandsfähigkeit und Stressresistenz stärken. Krankenhausseelsorger hätten dabei eine wichtige Rolle, indem sie mit den Patienten "einen Raum für Spirituelles öffnen". Leidende Menschen müssten als Subjekte respektiert werden, wer beruflich mit ihnen zu tun habe, brauche Sensibilität dafür, fremdes Leid wahrzunehmen und zur Sprache zu bringen.

Grenzperspektive einnehmen

Gerold Lehner, Superintendent der Evangelischen Kirche A. B. in Oberösterreich, schilderte sein eigenes Betroffensein von der Diagnose Krebs. Die Erkrankung habe einen Rollenwechsel erfordert: vom Seelsorger, der anderen beisteht, zu einem, der selbst Beistand braucht. Wer ernsthaft krank werde, hat laut Lehner zwei Möglichkeiten, damit umzugehen: alles zu tun, um wieder gesund zu werden, oder "von der Grenze her auf das eigene Leben zu schauen". Ersteres sei zutiefst menschlich, berge aber die Gefahr, sich auf die Krankheit zu fixieren. Der Überlebenswille solle die Fähigkeit nicht beeinträchtigen, aus einem Abstand heraus sein Leben zu betrachten und die Freiheit zur Unterscheidung zu gewinnen, "was wichtig ist und was nicht".

Bei den Workshops der Tagung spannte sich der inhaltliche Bogen von "Spiritualität und Demenz" über "Spiritualität angesichts kranker und sterbender Kinder" bis hin zum "heilsamen Singen im Krankenhaus".