Istanbul: 140 Bischöfe beten für Bewahrung der Schöpfung

Eine große ökumenische Geste für die Schöpfung: Zum ersten Mal wurde am Dienstag, 1. September, sowohl von katholischen als auch von orthodoxen Gläubigen in aller Welt der Weltgebetstag zur Bewahrung der Schöpfung begangen. Papst Franziskus und der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. leiteten am Dienstag zur gleichen Zeit - um 17 Uhr - entsprechende Feiern.

Franziskus stand im Petersdom einem Wortgottesdienst vor, während Bartholomaios in der Georgskathedrale in Konstantinopel mit jenen 140 Bischöfen seines Patriarchats betete, die er zur "Synaxis" (Zusammenkunft) in Vorbereitung auf das für 2016 geplante Panorthodoxe Konzil eingeladen hatte - unter ihnen auch der orthodoxe Metropolit von Austria, Arsenios (Kardamakis).

Bereits am Sonntag hatte der Patriarch zum Weltgebetstag eine Botschaft veröffentlicht, in der er sich den Betrachtungen des Papstes zu Fragen der Umwelt und Humanökologie weitgehend anschließt. Teils direkt aus der Enzyklika "Laudato si" zitierend, schreibt Bartholomaios I., der Mensch sei heute der "Zerstörer der Schöpfung". Gier, Konsumverhalten, die Kultur des Wegwerfens und die wahllose Ausbeutung der natürlichen Ressourcen hätten die Erde "in eine riesige Mülldeponie verwandelt", heißt es in wörtlicher Übernahme von Papst Franziskus. Im Kern handle es sich aber nicht bloß um materiellen, sondern besonders um "spirituellen Müll", diagnostiziert der Patriarch in Übereinstimmung mit dem Papst. Im Umgang mit der ökologischen Krise habe der Mensch als "Mit-Schöpfer und mit einem freien Willen begabtes Wesen" daher große Verantwortung.

Die orthodoxen Christen hätten von den Kirchenvätern gelernt, die Bedürfnisse so weit wie möglich zu reduzieren, erinnerte der Ökumenische Patriarch. Die Antwort auf die Ideologie des Konsumismus sei die "Aszese". Das bedeute nicht Verelendung, sondern rationalen und zurückhaltenden Verbrauch ebenso wie die moralische Verurteilung der übermäßigen Produktion von Abfall. Er lade alle ein zur "Nüchternheit des Lebens, zur Reinigung der Leidenschaften und selbstsüchtigen Motivationen", damit die Menschen "in Harmonie mit ihren Nachbarn und Gottes Schöpfung" leben können, betonte Bartholomaios I.

Auf vatikanischer Seite veröffentlichte der Päpstliche Rat für Gerechtigkeit und Frieden ("Iustitia et Pax") am Montag zur Vorbereitung auf den Weltgebetstag Meditationstexte auf Englisch. Mit der Entscheidung, der katholischen Kirche einen Gebetstag für die Schöpfung zu verordnen, hatte sich Papst Franziskus einer Praxis des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel angeschlossen. Dieses kennt den jeweils am 1. September begangenen "Tag der Schöpfung" bereits seit 1989; der 1. September ist der Beginn des orthodoxen Kirchenjahres. Papst Franziskus hatte zwei Monate nach der Veröffentlichung seiner Enzyklika "Laudato si´" den 1. September als "Tag der Schöpfung" eingeführt. Die Anregung dazu formulierte der Alt-Metropolit von Pergamon, Ioannis (Zizioulas), bei der Vorstellung der Enzyklika im Vatikanischen Pressesaal.

Auch der Weltkirchenrat macht mit

Die Initiative von Papst Franziskus betone die zunehmende Bedeutung des Gebets für die "Bewahrung der Schöpfung" in allen Kirchen, sagte der Generalsekretär des Weltkirchenrats (ÖRK), Pfarrer Olaf Fykse Tveit, am Vorabend des 1. September. "Wir begrüßen die Gelegenheit, dass wir uns gemeinsam mit dem Ökumenischen Patriarchen und jetzt auch der katholischen Kirche für dieses Ziel einsetzen können und dass wir durch das Gebet unser Bewusstsein und unser Engagement für Gottes Schöpfung - 'unser 'gemeinsames Haus', wie Papst Franziskus sie genannt hat - schärfen und intensivieren können", fügte Tveit hinzu.

Themenschwerpunkt des Weltkirchenrats ist die "Pilgerreise für Klimagerechtigkeit". Gebete und musikalische Ressourcen, die für einen Tag des Gebets für die Schöpfung Gottes geeignet sind, stehen online zur Verfügung. Dieses Material ist für christliche Gemeinden im Vorfeld der anstehenden UN-Klimakonferenz (COP 21) in Paris im Dezember bestimmt. Der Weltkirchenrat hat seit 1989 eine "Zeit der Schöpfung" als Schwerpunkt des Kirchenjahres festgelegt, die von Beginn des liturgischen Jahres der östlich-orthodoxen Kirche am 1. September bis zu dem von der katholischen Kirche gefeierten Gedenktag des Heiligen Franz von Assisi (4. Oktober) reicht. Diese Initiative war eine direkte Folge der Enzyklika des Ökumenischen Patriarchen von 1989.

(02.09.2015, KAP)