Ermordeter Erzbischof Romero in San Salvador seliggesprochen

Der 1980 ermordete Erzbischof Oscar Romero ist am Samstag bei einer riesigen Freiluftmesse in seiner Bischofsstadt San Salvador seliggesprochen worden. An der Seligsprechungsfeier nahmen laut Schätzungen bis zu 300.000 Menschen teil.

Geleitet wurde die Feier am Platz "El Salvador del Mundo" vom Präfekten der vatikanischen Heiligsprechungskongregation, Kardinal Angelo Amato, sowie von Kurienerzbischof Vincenzo Paglia, dem Anwalt Romeros im Seligsprechungsverfahren.

Nach der offiziellen Verlesung des Seligsprechungsdekrets wurde ein überlebensgroßes Porträt Romeros enthüllt. Acht Geistliche trugen in einem Glasschrein das blutverschmierte Hemd Romeros über den Platz, das viele Menschen mit der Hand zu berühren versuchten. Der Erzbischof war vor 35 Jahren während eines Gottesdienstes erschossenen worden.

Die Erinnerung an Romero sei lebendig und gebe Armen und Ausgegrenzten Trost, sagte Kardinal Amato in seiner Predigt. Der Selige sei ein guter Priester und weiser Bischof gewesen, vor allem aber ein tugendhafter Mann, der Jesus geliebt habe. Seine Option für die Armen beruhte auf dem Evangelium, nicht auf Ideologie, so Amato. Romero, den der Kardinal als "Propheten der Nächstenliebe und der Liebe Gottes" bezeichnete, sei daher kein Symbol der Spaltung, sondern des Friedens und der Brüderlichkeit.

Papst Franziskus würdigte Romero in einer Grußbotschaft als einen der "besten Söhne der Kirche". Der Erzbischof habe als Märtyrer den Glauben und die christliche Barmherzigkeit mit seinem Leben bis zum Extrem bezeugt. "In schwierigen Zeiten des Zusammenlebens hat es Monsignore Romero vermocht, seine Herde zu führen, zu verteidigen und zu schützen, treu im Glauben und in Gemeinschaft mit der Kirche", so der Papst.

Bereits am Freitagabend hatten zum Auftakt der Seligsprechungsfeiern trotz heftiger Regenfälle tausende Menschen an einer Lichterprozession in San Salvador teilgenommen. Bei einem anschließenden abendlichen Gottesdienst rief der honduranische Kardinal Oscar Rodriguez alle Priester auf, dem Beispiel Romeros in ihrer täglichen Arbeit zu folgen. Das Blut des Märtyrers sei nicht vergebens vergossen worden, betonte Rodriguez nach lokalen Medienberichten. Viele Gläubige übernachteten danach auf dem Platz der Seligsprechung und nahmen an einer bis in die Morgenstunden dauernden Gebetswache teil.

1980 während Gottesdienstes ermordet

Erzbischof Romero, der "Bischof der Armen", war am 24. März 1980 während eines Gottesdienstes von Unbekannten erschossen worden. Durch seinen Einsatz für die Rechte der Armen hatte der Erzbischof den Hass reaktionärer Kreise auf sich gezogen. Als Auftraggeber des Mordes stehen Militärs im Verdacht; die Hintergründe wurden nie ganz aufgeklärt. Im anschließenden Bürgerkrieg zwischen Sicherheitskräften, rechten Todesschwadronen und linksgerichteten Guerillagruppen kamen bis 1992 rund 75.000 Menschen ums Leben.

Anfang Februar hatte Papst Franziskus Romero als Märtyrer anerkannt und damit den Weg für eine Seligsprechung freigemacht. Das Verfahren war 1990 in San Salvador eröffnet und später im Vatikan fortgesetzt worden. Es wurde mehrfach blockiert, weil Romero Beteiligten des Verfahrens als Repräsentant der Befreiungstheologie verdächtig erschien. Zudem war theologisch zu klären, ob Romero aufgrund seiner Glaubensüberzeugungen oder wegen seiner politischen Parteinahme gegen die damalige Regierung getötet wurde. Beobachter verweisen zudem auf die in Bezug auf Romero gespaltene Kirche in El Salvador.

Papst Benedikt XVI. (2005-2013) gab den Prozess im Dezember 2012 wieder frei. Durch Papst Franziskus erhielt er kurz nach dessen Wahl im März 2013 einen neuen Anschub. Der Postulator des Seligsprechungsprozesses, Erzbischof Paglia, betonte zuletzt in einem Interview für die Päpstlichen Missionswerke "Missio Austria", dass entgegen anders lautender Einschätzungen auch Benedikt XVI. und Papst Johannes Paul II. viel an der Seligsprechung Romeros gelegen sei. Johannes Paul II. sei erschüttert gewesen, als er von der Ermordung Romeros erfuhr, schilderte Paglia. Zwei Jahre nach dem Tod Romeros, habe der Papst zu ihm während eines gemeinsamen Frühstücks gesagt: "Romero gehört uns, er gehört zur Kirche." Das Problem habe darin bestanden, "dass Romero in El Salvador nicht nur Freunde, sondern auch viele Feinde hatte", sagte Paglia zum langwierigen Seligsprechungsprozess. "Er wurde verleumdet, und diese Informationen gelangten auch in den Vatikan."

(KAP)