Canisiuswerk: Verkauf von Standort Horn rückt näher

Canisiusheim Horn

Horn, 12.02.2015 (dsp) Das Canisiuswerk wird sich heuer vom Canisiusheim Centrum Horn (Niederösterreich) trennen. „Derzeit laufen Verhandlungen mit einem Wohnbauträger über den Verkauf, die schon recht weit fortgeschritten sind“, so der Generalsekretär des Canisiuswerkes, Kurt Schmidl. Der definitive Entschluss zum Verkauf des Hauses, das über Jahrzehnte einen Ankerpunkt der Tätigkeit des Canisiuswerkes darstellte, war Anfang Dezember 2014 gefasst worden.

Generalsekretär Schmidl: „Der Verkauf dieses großen Hauses ist notwendig geworden, weil das Haus die baulichen Anforderungen nicht mehr ganz erfüllen kann. Das gilt vor allem in Richtung Brandschutz. Hier sind in den letzten Jahren ja wesentlich strengere Auflagen gekommen. Dies hätte uns zu massiven Investitionen veranlasst, die wir aus Spendengeldern so nicht mehr finanzieren wollten und konnten. Das Canisiuswerk will die ihm aus Spenden zufließenden Mittel nicht in bauliche Maßnahmen aufgrund behördlicher Auflagen investieren, sondern das Spendengeld unmittelbar für die Berufungspastoral und die Priesterausbildung einsetzen.“

Verändert haben sich aber auch die Kernarbeitsbereiche des Canisiuswerkes, so der St. Pöltner Bischofsvikar und langjährige Rektor des Propädeutikums im Canisiusheim, Prälat Franz Schrittwieser: „Die Berufungspastoral und die Priesterausbildung haben sich in den vergangenen Jahren massiv verändert: Das Canisiusheim war durch das Aufbaugymnasium in Horn als Ausbildungsstätte für Spätberufene gedacht, dann kam die Möglichkeit zur Studienberechtigungsprüfung hinzu. Diese Bildungsangebote sind in dieser Form nicht mehr aktuell.“

Das Canisiusheim – ursprünglich als Studentenheim für 150 Bewohner konzipiert – verfügt über eine Nutzfläche von über 3.000 qm auf einem rund 14.000 qm großen Areal. Die beiden derzeitigen Rektoren des Propädeutikums, Erwin Neumayer und Michael Münzner, werden dieses auch an seinem neuen Standort Linz betreuen.

Liturgischer Schlusspunkt

Einen inoffiziellen Schlusspunkt zur bis ins Jahr 1953 zurückreichenden Tradition des Canisiusheims in Horn stellte die Immaculata-Feier am 8. Dezember mit dem St. Pöltner Weihbischof Anton Leichtfried dar. Weihbischof Leichtfried, der für Priesterseminare zuständige Referatsbischof in der Österreichischen Bischofskonferenz, dankte den zahlreichen Mitarbeitern, Absolventen sowie den Salesianern Don Boscos, die das Canisiusheim zwischen 1969 und 2008 als interdiözesanes Seminar für Spätberufene geleitet haben. Zugleich sprach er auch den zahlreichen Spendern, die mit ihrer finanziellen Hilfe die Priesterausbildung in Österreich unterstützt haben und auch weiterhin unterstützen, seinen Dank aus.

Prälat Franz Schrittwieser würdigte das Canisiusheim als „Österreichhaus der Priesterausbildung“. Rund 850 Studenten hätten dort im Laufe der Jahre die Matura oder die Studienberechtigungsprüfung abgelegt und ihr Propädeutikum absolviert. Etwa 300 in Horn ausgebildete Studenten arbeiten derzeit als Priester in allen österreichischen Diözesen, zahlreiche weitere Absolventen seien zu Verantwortungsträgern in Kirche und Gesellschaft geworden, so Schrittwieser.

Wie der Regens des Wiener Priesterseminars, Richard Tatzreiter, in einem Gespräch mit der Zeitschrift „miteinander“ des Canisiuswerkes betonte, spüre man derzeit eine Trendwende bei den Neuanmeldungen: Nachdem jahrelang die sogenannten „Spätberufenen“ überwogen, „beobachten wir derzeit, dass wieder mehr junge Interessenten vorstellig werden“. Im Priesterseminar der Erzdiözese Wien zählt man heuer neun Neuzugänge. Ob es sich dabei jedoch tatsächlich um den „Anfang eines neuen Trends“ handle, könne man erst nach zwei bis drei Jahren sagen, so Regens Tatzreiter.