Bischof Küng: Enzyklika zeigt menschliche Dimension von Ökologie auf

Umweltreferent Dipl.Geol. Axel Isenbart, Diözesanbischof DDr. Klaus Küng, Moraltheologe Prof. Dr. habil. Josef Spindelböck

St. Pölten, 19.06.2015 (dsp) „Durch die gesamte Enzyklika zieht sich als roter Faden die menschliche Dimension von Ökologie“, betonte Bischof Klaus Küng bei der Präsentation der Enzyklika „Laudato Si'. Über die Sorge für das gemeinsame Haus“ in St. Pölten. Das „gemeinsame Haus“ des Titels umschließe in dieser zweiten Enzyklika von Papst Franziskus die gesamte Schöpfung, so Küng. Wesentlich für den Papst sei ein „antifragmentarischer Blick“ auf die Welt, in der „alles miteinander verbunden ist“. „Wenn man die Enzyklika liest, versteht man, warum Kardinal Bergoglio den Namen Franziskus gewählt hat“, sagte Küng, der der Enzyklika „eine große geschichtliche Bedeutung“ in der Reihe der bisherigen Sozialenzykliken zuschreibt.

Familie und die Dualität von Frau und Mann

Bischof Küng wies darauf hin, dass der Papst als Ursache für die „Wegwerfkultur“ und die Verantwortungslosigkeit „die auf Profit ausgerichtete, individualistische Gesellschaft, die nicht an die nachfolgende Generation denkt“, nenne. Die Fragmentierung von Beziehungen und der „sündhafte Bruch mit der Schöpfung“ und der Schöpfungsordnung seien der Grund für die Verantwortungslosigkeit im Handeln vieler Menschen.
Diese Haltung stehe für Franziskus im großen Widerspruch zu der „Achtung des eigenen Körpers als Gabe Gottes“ und dazu, die „Logik der Schöpfung“ in der „vielschichtigen Bedeutung unserer Körper zu respektieren“. Demnach sei für den Papst die „Wertschätzung des eigenen Körpers in seiner Weiblichkeit und Männlichkeit notwendig, um in der Begegnung mit dem anderen Geschlecht sich selbst zu erkennen“.

„Naturschützer müssen Lebensschützer sein“

Die Enzyklika zeige auf , dass es keine „echte Naturverbundenheit ohne Menschenliebe“ gebe, erklärte Küng. Die „Wegwerfkultur“ sei eine Kultur, die sich „von der Logik der Herrschaft über den Körper in eine subtile Logik der Herrschaft über die Schöpfung, über die Natur verwandelt“. Der Papst prangere in diesem Zusammenhang auch den „praktischen Relativismus“ eines fehlgeleiteten „Anthropozentrismus“ an, der den Willen des Menschen und die unmittelbar eigenen Interessen zum höchsten Gut erklärt.
In diesem Zusammenhang spreche die Enzyklika ganz direkt die Abtreibung als „Widersacher“ eine ganzheitlichen Ökologie an: „Da alles in Beziehung steht, ist die Verteidigung der Natur auch nicht mit der Rechtfertigung der Abtreibung vereinbar“. Küng: „Naturschützer müssen Lebensschützer sein, wenn sie nicht fragmentarisch und isoliert einzelne Probleme ansprechen wollen.“

Moraltheologe: Enzyklika ist „prophetische Schrift“

Die Enzyklika beinhalte nicht in allen Teilen lehramtliche Aussagen, sondern sei viel mehr eine „prophetische Schrift“, betonte Moraltheologe Josef Spindelböck von der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Pölten. Dies sei „wichtig für das Verständnis“ des Rundschreibens. Es gehe Papst Franziskus um ein „Wachrütteln“, so Spindelböck: „Er ruft zur Umkehr auf, die auch jeden persönlich betrifft.“
Dabei sei der Auftrag Gottes im Buch Genesis richtig zu verstehen: Es gehe darum, den „Garten Gottes“, der uns anvertraut sei, „zu behüten und zu bewahren“. An der Wurzel des Übels liege ein „Fehlverständnis der Freiheit als Absolutem ohne Grenze“, so Spindelböck, wobei der Mensch vergesse, dass er Geschöpf sei.
Das Schreiben sei eine Sozialenzyklika, die in einer Reihe mit den Sozialrundschreiben seit „Rerum novarum“ von Papst Leo XIII. stehe. Die zentrale These sei dabei, dass „Ökologie nicht von sozialen Themen getrennt“ werden könne, wie Spindelböck betonte.

„Schöpfungsarbeit“ in der Diözese St. Pölten

Die „Schöpfungsarbeit“ in der Diözese St. Pölten, ökologische Projekte und Initiativen zum Klimaschutz, stellte der diözesane Umweltbeauftragte Axel Isenbart vor. So gibt es seit 2010 die Initiative „schöpfungsfreundliche Pfarrfeste“ – mit aktiver Müllvermeidung, regionalen Lebensmitteln, Fairtrade-Produkten – an der sich jährlich etwa 150 Pfarren beteiligen. Ebenfalls seit 2010 gibt es den Wettbewerb zum diözesanen Umweltpreis, um den sich bisher 80 Pfarren beworben haben und der jährlich von Bischof Klaus Küng verliehen wird.
Seit 2014 läuft das Pilotprojekt „Ökofaire Klostergasse“, bei dem es um eine Umorientierung der Wirtschaftabläufe im Bürogebäude der Pastoralen Dienste und der Katholischen Aktion in Richtung Ökologie, Fairen Handel und Nachhaltigkeit mittels des EU-Umweltmanagementprogramms EMAS geht. Nac heiner Evaluierung der ERfahrungen soll das Projekt ab 2016 auf die Pfarren übetragen werden.
Ab kommendem Herbst gibt es ein Bildungsbrogramm für Umwelt, Nachhaltigkeit und die neue Enzyklika in Kooperation mit dem Katholischen Bildungswerk.