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Bischof Küng beim Pastoralrat: Orden sind ein Wesensbestandteil der Diözese

St. Pölten, 19.03.2015 (dsp) Beim Pastoralrat, dem wichtigsten Beratungsgremium der Diözese St. Pölten, stand das „Jahr der Orden“ im Mittelpunkt. Diözesanbischof Klaus Küng betonte, die Ordensgemeinschaften seien ein „Wesensbestandteil in der Diözese St. Pölten“. Die Geschichte des Landes sei eng verbunden mit den Klöstern und Stiften. Rund ein Drittel der Pfarren würden von Ordensleuten betreut und sie seien Ausgangspunkt – wie früher – für die Evangelisierung. Gleichzeitig befänden sich auch diese Gemeinschaften wie die gesamte Kirche im Umbruch.

Ordensfrauen und –männer seien wichtige Gesprächspartner, „verbringen Tage des spirituellen Auftankens“ bei ihnen. Diese Oasen des Glaubens würden Suchende anziehen. Freilich gebe es auch dort weniger Eintritte und es sei die Frage, wie der Boden für die Berufungen aufbereitet werden könne und wie sich Orden und Diözese dabei unterstützen können, so Bischof Küng. Die Kirche werde immer wieder erneuert durch Menschen, die „Ja“ sagen zu ihrer Berufung. Jede und jeder sei aufgrund Taufe und Firmung beauftragt, über den Glauben mit anderen zu sprechen. Dabei sei zu überlegen, auch auf die Straße zu gehen.

Eine konkrete Idee dazu hat Schwester Michaela Gehart: „Wir Christen dürfen nicht nur darauf warten, dass uns wer anspricht und dass uns wer braucht.“ Sie war selber jahrelang Missionarin ua. in Mauretanien, wo die Muslime den Gott der Christen kennenlernen wollten. Bei uns in Westeuropa gebe es dagegen viel Gleichgültigkeit gegenüber Gott. Darum wollten einige ihrer Mitschwestern gar nicht mehr zurück aus der Mission, so die Franziskanerin. Zuerst müsse man selber wissen, wie die eigene Beziehung zu Gott aussehe, dann könne man es auch selber vermitteln. Sr. Michaela rief dazu auf, mit jungen Menschen über den Glauben zu reden. Ihre Bitte: sich nicht abzukapseln in eigener katholischer Welt, sondern hinauszugehen, wie es Jesus Christus wollte. Es gebe außerdem Orte, wo über Berufung gesprochen werden kann: etwa das Haus Gennesaret in Seitenstetten: „Bitte macht die Menschen darauf aufmerksam, dass sie jederzeit zu uns kommen können und über ihre Berufung mit uns sprechen können.“

Missio-Diözesandirektor P. Benno Maier verweist auf das kostbare Gut der Beziehung zu Gott. Es gebe den Auftrag, dass jede und jeder Zeugnis geben solle für den Auferstandenen. Derzeit befänden sich noch 13 Geistliche aus Österreich in der Mission in Afrika, Lateinamerika und Asien. Viele Pfarren würden diese unterstützen und so auch engen Kontakt zu diesen Ländern halten. Umgekehrt seien diese Missionare dankbar für die Hilfe aus der Heimat. Mission heiße, sich auf den Weg zu machen – manchmal eben auch bis zum „Ende der Welt“. Das könne Licht, Freude und Hoffnung bringen. Heute sei weiters Dialog und Respekt wichtig gegenüber Andersdenkenden.

Der Melker Benediktiner P. Lukas Roitner betonte die Bedeutung der kirchlichen Schulen: Sie seien eine Chance, mit Jugendlichen in Kontakt zu kommen. Diese gingen über das Nützlichkeitsdenken hinaus, gerade weil es vielfach nur mehr auf Messbarkeit und Nützlichkeit ankomme. Dort würden wichtige Werte vermittelt, aber auch musikalische Bildung. Pater Lukas bemerke, dass viele Schüler in den Stiftsschulen keine religiöse Sozialisation mehr hätten. Weil der Großteil der Kinder und Jugendliche nicht mehr aus religiös geprägten Familien käme, sei der Religionsunterricht umso wichtiger, um auf Glaube und Religion zu sensibilisieren. 

Für den Seitenstettner Prior P. Laurentius Resch sei die Öffnung der Klöster für Menschen wichtig. Themen wie geistliche Begleitung und Berufung seien wichtig in solchen Zentren. Zeit und Aufmerksamkeit seien das Kostbarste, das die Orden vermitteln könnten. Aber auch die Kontemplation wolle man vermitteln: nicht Leistungsdenken beim Gebet, sondern ein Versenken in Gott. Kontemplation bedeute, ganz in der Gegenwart Gottes zu leben.

Der Altenburger Abt P. Thomas Renner bemerkte, dass die Pfarrseelsorge des Stifts historisch gewachsen sei. Es gebe einerseits eine Beziehung zu diesen sechs Pfarren, andererseits werde es schwieriger, diese zu betreuen. Die Anzahl der Mitbrüder würde sinken, die Aufgaben aber mehr werden. Die Spannung sei, dass das klösterliche Leben darunter nicht leidet, gleichzeitig wollte seine Gemeinschaft auch die Diözese unterstützen, im Herbst habe Altenburg weitere zwei „Diözesanpfarren“ übernommen. Ein Vorteil sei, dass alle Stiftspfarren im Umkreis von zwölf Kilometer liegen und diese halten engen Kontakt zum Stift. Das spüre Abt Thomas mit Aussagen wie „Wir sind eine Stiftspfarre, unser Abt usw.“ oder aufgrund gemeinsamer Wallfahrten aller sechs Pfarren.

Eindrucksvoll belegten die Vorsitzende der Frauenorden der Diözese St. Pölten, Generaloberin Sr. Franziska Bruckner, und der Eggenburger Redemptorist P. Hans Hütter die vielfachen Aufgaben der Ordensleute hierzulande. Sie sind aktiv in der Pfarrseelsorge, in der Bildung, im Jugendbereich, auf dem kontemplativen Gebiet und immer da für persönliche Aussprachen und Hilfeleistungen.

Sepp Winklmayr, Direktor der Pastoralen Dienste der Diözese St. Pölten, verwies auf weitere wichtige Punkte: Das Durchschnittsalter der Priester in den Orden sei 55 Jahre, bei Diözesanpriestern 65. Es gebe eine Sehnsucht nach Werten, aber auch nach Traditionen und die Stifte und Klöster seien Orte der Stabilität. Sie würden viele religiöse Akzente setzen, etwa durch Gottesdienste und anspruchsvolle Musik.

Weiters betonte man beim Pastoralrat: Orden repräsentieren die Buntheit und Originalität der Kirche. Vielfach würden sie als „Spezialisten des Glaubens“ wahrgenommen. Orden sollten helfen, dass auch Laien über Glaubensthemen sprechen können.