300 Millionen Orthodoxe feierten Ostern

Papst Franziskus hat den rund 300 Millionen orthodoxen Christen weltweit ein frohes Osterfest gewünscht. "Ich richte einen herzlichen Gruß an die Gläubigen der Kirchen des Ostens, die nach ihrem Kalender heute Ostern feiern", sagte er am Sonntag auf dem Petersplatz. Allein in Österreich feiern rund 500.000 orthodoxe und altorientalische Gläubige heute Ostern.

Der unterschiedliche Ostertermin geht auf verschiedene Berechnungsarten zurück. So bestimmen die Ostkirchen den Ostertermin nach dem alten Julianischen Kalender und nach einer anderen Methode als die Westkirchen, die die Gregorianische Kalenderreform des 16. Jahrhunderts vollzogen. Die Ostertermine können deshalb bis zu fünf Wochen auseinander fallen. Zu einem gemeinsamen Ostertermin wird es wieder 2017 kommen.

Metropolit Arsenios (Kardamakis), Vorsitzender der Orthodoxen Bischofskonferenz in Österreich, hat in seiner Osterbotschaft u.a. zum Gebet für die in vielen Teilen der Welt verfolgten Christen aufgerufen. Wörtlich schreibt er: "Lasst uns unser Gebet vermehren für die auf der Welt verfolgten Mitmenschen und insbesondere für die Märtyrer des christlichen Glaubens in unserer Zeit, deren Blut den Baum der Kirche bewässert."

Höhepunkt: Liturgie des Heiligen Feuers

Einen Höhepunkt des orthodoxen Osterfestes stellte in der Jerusalemer Grabeskirche das traditionelle Feuerwunder dar, zu dem auch heuer wieder tausende Pilger anreisten. Bei der Liturgie, die aufs 4. Jahrhundert zurückgehen soll und als Symbol für Frieden und Erneuerung steht, wird das Heilige Feuer von Kerze zu Kerze weitergegeben. Einige palästinensische und internationale Pilger hatten seit Freitagnacht vor der Kirche ausgeharrt, um das Feuer als Erste zu empfangen. Der orthodoxe Patriarch Theophilos, Kopf der griechisch-orthodoxen Kirche in Jerusalem, leitete die Feierlichkeit. Von der Grabeskirche wird die Flamme weiter zur Geburtskirche in Bethlehem sowie per Flugzeug nach Griechenland und andere christlich-orthodoxe Länder gebracht.

Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. hat die Gläubigen in seiner heurigen Osterbotschaft zum Einsatz gegen Krieg und Gewalt und zur Achtung der Menschenrechte aufgerufen. Zur Lösung der Konflikte in der Welt sei es grundlegend notwendig, "dass wir der Würde der Person ehren und anerkennen und ihre Rechte respektieren", so Bartholomaios in seinem Schreiben. "Wenn wir die menschliche Person verachten und ihre Rechte mit Füßen treten, insbesondere, wenn es sich um die Schwachen handelt, die die Gewähr haben müssen, sich sicher fühlen zu können", werde das jede Art von Hass und Konflikt mit sich bringen, so der Patriarch.

Wörtlich hält er fest: "Während wir voll Freude die Auferstehung des Herrn als eine Realität des Lebens und der Hoffnung feiern, vernehmen wir aus der uns umgebenden Welt Schreie und Todesdrohungen, die aus allen Himmelsrichtungen diejenigen ausstoßen, die glauben, die Unterschiede zwischen den Menschen durch die Tötung ihrer Gegner beseitigen zu können - ein Verhalten, das Eingeständnis eines völligen Unverständnisses vom Inhalt des göttlichen Auftrags ist." Denn durch Gewalt "wird die Welt nicht besser, noch werden dadurch die Probleme der Menschen gelöst". Das Böse könne nur durch das Gute, nie durch das Böse besiegt werden.

Auch die koptischen Christen feierten an diesem Wochenende das Osterfest. Papst Tawadros II. zelebrierte am späten Samstagabend - geschützt durch Spezialeinheiten der Polizei - in der Kairoer Markus-Kathedrale die Ostermesse. Die Zahl der Kopten in Ägypten und ihr Anteil an der Bevölkerung von rund 87 Millionen ist nicht klar. Die Angaben schwanken zwischen sechs bis 15 Prozent.

Putin würdigt "prägende Rolle" der Kirche

Der russische Präsident Wladimir Putin, der gemeinsam mit Ministerpräsident Dmitri Medwedew in der Moskauer Erlöser-Kathedrale die Ostermesse besuchte, hat die "prägende Rolle" der orthodoxen Kirche in und für die Gesellschaft gewürdigt. Laut Medienberichten vom Sonntag habe Putin in dem an Patriarch Kyrill adressierten Telegramm die russische Orthodoxie gewürdigt, die den Zusammenhalt unter den Menschen stärke und Moral und Werte erhalte. Außerdem schütze sie das "Institut der Familie" und erziehe die Jugend im Geiste des Patriotismus, lobte der Präsident.

Patriarch Kyrill hat in seiner Osterbotschaft indes die rund 100 Millionen russisch-orthodoxen Christen zum "Schutz ihrer Heimat" aufgerufen. Wenn sich "Millionen Herzen" vereinten, um die Heimat und die "hohen Ideale und Werte" zu verteidigen, dann seien Wunder möglich, so Kyrill. "Solch ein Volk besitzt eine große geistige Stärke, die von keinen Katastrophen und Feinden bezwungen werden kann". Als Beispiel der "Stärke" nannte er den Sieg gegen den Nazi-Deutschland vor 70 Jahren.

In der Ukraine nahm laut Medienberichten Staatschef Petro Poroschenko mit seiner Familie an den Ostfeierlichkeiten teil. "Das Wichtigste heute ist unsere Einheit und die gegenseitige Unterstützung", sagte er mit Blick auf die aktuelle Wirtschaftskrise in der Ex-Sowjetrepublik sowie den Krieg gegen die pro-russischen Separatisten im Osten des Landes. "Wir haben heute die echte Hoffnung auf einen Sieg des Lebens über den Tod. Der Krieg wird zwangsläufig enden, weil wir den Frieden wollen", sagte Poroschenko.

(KAP)