Weltmissionssonntag: Bischöfe rufen zum Einsatz für Flüchtlinge auf

Plakat Weltmissionssonntag

Wien - St. Pölten, 14.10.2014 (dsp/KAP) Zur Hilfe und zum Einsatz für Flüchtlinge haben die österreichischen Bischöfe aufgerufen. Dies sei selbstverständliche Pflicht jedes Christen, betonen sie in ihrem Hirtenbrief zum bevorstehenden Weltmissionssonntag (19. Oktober). Über die Medien seien die Österreicher täglich mit Elend, Armut Unterdrückung und Naturkatastrophen konfrontiert. Man sehe, wie Menschen "ausgebeutet und ihrer Würde beraubt werden, wie sie vor Krieg, Gewalt und Terror fliehen, wie sie in Kutter zusammengepfercht den Weg aus der Not suchen, wie sie im Mittelmeer ertrinken", heißt es in dem Dokument.

Wörtlich halten die Bischöfe fest: "Man muss noch nicht einmal Christ sein, man muss sich nur ein menschliches, ein mitfühlendes Herz bewahrt haben, um erschüttert und im Innersten bewegt zu sein von all den Bildern, die uns tagtäglich erreichen. Aber man kann nicht Christ sein und bleiben, wenn man vor der Not des Nachbarn, vor dem Leid des Nächsten die Türen verschließt."

Die Bischöfe verweisen dabei ausdrücklich auf Papst Franziskus. Dieser verlange, "im Migranten und im Flüchtling nicht nur ein Problem zu sehen, das bewältigt werden muss, sondern einen Bruder und eine Schwester, die aufgenommen, geachtet und geliebt werden müssen".

Im Zeitalter der Globalisierung seien die Probleme der ganzen Welt nahe gerückt: medial, geografisch, politisch und wohl auch emotional. Je näher das Elend der anderen rückt, desto mehr wachse aber auch die Angst um den eigenen Besitzstand, warnen die Bischöfe.

Tragödien nahe der Urlaubsparadiese

Etwa 23.000 Menschen seien seit dem Jahr 2000 beim Versuch, nach Europa zu gelangen, im Mittelmeer ertrunken. Täglich würden sich unweit der Urlaubsparadiese menschliche Tragödien abspielen. "Männer, Frauen und Kinder ertrinken vor der Haustüre Europas, weil sie das ersehnen, was wir genießen: ein Leben in Freiheit und Sicherheit." Das Mittelmeer drohe zu einem riesigen Friedhof zu werden.

Die "Globalisierung der Gleichgültigkeit", die Papst Franziskus bei seinem Besuch in Lampedusa angeprangert hatte, sei "beschämend für uns, ein Zeichen unserer Selbstsucht", so die Bischöfe. "Viele Flüchtlinge scheitern an den Mauern Europas, manche auch an den Mauern unserer Herzen." Und Wörtlich heißt es in dem Hirtenwort weiter: "Wenn wir wirklich Christen sein wollen, dürfen wir die eigene Sicherheit und den eigenen Wohlstand nicht eifersüchtig verteidigen gegen die grundlegendsten Bedürfnisse, die elementarsten Rechte und die natürlichsten Hoffnungen der anderen." Das Drama der Flüchtlingsströme zeige: "Das Elend jedes Einzelnen ist die Sorge aller."

Es gelte aber, nicht erst zu helfen, "wenn Flüchtlinge vor unseren Türen stehen". Flüchtlingsströme entstünden nicht aus dem Nichts. Krieg und Terror, als Folgen ungerechter Systeme und maßloser Gier nach Bodenschätzen, seien in vielen Ländern des Südens die Wurzel für Not und Flucht, so die Bischöfe und weiter: "Der 'Globalisierung der Gleichgültigkeit' können wir heute, am Weltmissions-Sonntag die 'Globalisierung der Solidarität' entgegen setzten, die schon an den Wurzeln versucht, durch Gebet, Bildung und Entwicklung den Frieden zu sichern und Flüchtlingsströme erst gar nicht entstehen zu lassen." Dieselbe "globale Solidarität" benötigten aber auch Millionen von Flüchtlingen, die in ärmlich ausgestatteten Auffang- und Flüchtlingslagern oft jahrelang ohne Arbeit und Hoffnung vegetieren, so die Bischöfe.

Größte Solidaritätsaktion der Welt

Der Weltmissions-Sonntag ist die größte Solidaritätsaktion der Welt. An diesem Tag wird weltweit in allen katholischen Pfarrkirchen für Bedürftige in Entwicklungsländern gebetet und gesammelt. Thematischer Schwerpunkt des heurigen Weltmissions-Sonntag ist das Schicksal der Flüchtlinge in aller Welt.

Die "Missio-Sammlung" am Weltmissions-Sonntag sichert die materielle Grundversorgung und die Existenz der 1.100 ärmsten Diözesen. Sie stellt der Kirche vor Ort die nötigsten Mittel für ihre pastoralen und sozialen Aufgaben zur Verfügung. In den Ländern des Südens sei oft die Kirche die erste Anlaufstelle für die Ärmsten der Armen, auch für die Menschen auf der Flucht, halten die Päpstlichen Missionswerke in einer Aussendung fest. Die Kirche sei ihnen an vielen Orten dieser Welt die oft einzige lebensrettende Zuflucht. Priester, Ordensschwestern und engagierte Laien seien in der Mission dort tätig, wo Kriege, Naturkatastrophen und Armut unzählige Menschen vertreiben.

Im Vorfeld des Weltmissions-Sonntag machen die Päpstlichen Missionswerke seit Wochen in Schulen und Pfarren in ganz Österreich auf die dramatische Notlage von Menschen auf der Flucht aufmerksam. Zwei Missio-Gäste berichten über die Lage von Menschen auf der Flucht: Der in einem Flüchtlingslager tätige Priester Abbé Alexis Ndindabahizi aus Ruanda sowie Christopher Rosario aus Tailand, der sich in der Diözese Nakon Sawan um Flüchtlinge aus Myanmar (Burma) annimmt.

Was jungen Menschen auf ihrer Flucht widerfährt können Schüler darüber hinaus im "Missio-Truck" zum Thema Flucht hautnah miterleben. Die multimediale und interaktive Ausstellung in einem LKW macht in verschiedenen Bundesländern Halt.

(KAP)

(Infos: www.missio.at)