Vor 70 Jahren wurde der St. Pöltner Priester Paulus Wörndl von den Nazis hingerichtet

Vor 70 Jahren wurde der St. Pöltner Priester Paulus Wörndl von den Nazis hingerichtet

St. Pölten, 14.06.2014 (dsp) Die St. Pöltner Pfarre St. Josef gedenkt am Sonntag, 22. Juni, um 10 Uhr bei einem Festgottesdienst ihres ersten Pfarrers, Pater Paulus Wörndl OCD. Der Karmeliter wurde vor 70 Jahren von den Nationalsozialisten in Brandenburg hingerichtet. Ihm wurde „Wehrkraftzersetzung“ vorgeworfen, mutig trat er für den christlichen Glauben ein.

Wörndl trat 1913 in Graz in den Karmelitenorden ein und legte 1914 sein Gelübde ab. Nach einem Theologie- und Philosophiestudium an der Universität Wien empfing er 1919 im Stephansdom die Priesterweihe. 1925 wurde er Vikar und 1930 Pfarrverweser in der neuen Niederlassung der Karmeliter St. Josef in St. Pölten. Laut den Berichten war er bei den Menschen sehr beliebt, die vielen Jugendgruppen florierten. Sie überdauerten nach dem „Anschluss“ 1938 sogar die sogenannte „Gleichschaltung“ der Nazis, die neben der Hitlerjugend eigentlich keine anderen Organisationen duldeten.

1938 musste er St. Pölten verlassen und bekam „Gauverbot“, weil er der Gestapo negativ auffiel. Aus einem tiefen katholischen Glauben heraus, konnte er dem auch einen Sinn abgewinnen: „Wie auch Jesus am Kreuz für die Menschen gestorben ist, hofft er, diese ungerechte Maßnahme als Opfer für die Menschen der Pfarre und als Sühne für seine eigenen Fehler einzusetzen“, so die Pastoralassistentin von St. Josef, Petra Ritter-Müller, die sich mit dem Leben des Priesters beschäftigte.

In Linz wurde er zum Vorsteher des Karmeliterkonvents berufen und wurde Pfarrer der Linzer Karmeliterkirche. Am 6. Juli 1943 verhaftete die Gestapo Wörndl auf Grund eines Briefwechsels mit einem Angehörigen einer österreichisch-norwegischen Widerstandsorganisation, man kannte sich aus der Zeit in St. Pölten. Er hatte regen Briefkontakt mit vielen Pfarrangehörigen und sah dies als Teil seiner pastoralen Tätigkeit. Dies zeigt seine Sorge und seine Anteilnahme an den ihm anvertrauten Menschen.

Nun beginnt für den Geistlichen ein ganzes Jahr Martyrium mit Folterungen, Essensentzug und Verhören – zunächst in Linz, dann in Berlin. „Wegen seiner unerschrockenen und eindrucksvollen Predigten und seiner intensiven Jugendarbeit wurde ihm Wehrkraftzersetzung vorgeworfen“, so Ritter-Müller. Im April 1944 wurde der Priester wegen Hochverrats und Wehrkraftzersetzung zum Tod verurteilt, dabei wurden viele fadenscheinige Anschuldigungen erhoben. Er habe gehofft, dass sein Tod in den Augen der Nazis zwar ehrlos sei, aber vor Gott doch nicht sinnlos sei. Der Karmeliter sagte: „Ich habe mein Leben vollständig dem Heilande zur Verfügung gestellt, zur Sühne für meine Sünden, für meine Heimat und zur Vereinigung der Kirchen.“ Am 26. Juni 1944 starb Wörndl im Zuchthaus Brandenburg durch das Fallbeil.

Zum Tode verurteilt und hingerichtet wurden laut Kirchenhistoriker Maximilian Liebmann während der NS-Zeit 15 österreichische Priester, umgekommen in Konzentrationslager bzw. ermordet wurden wesentlich mehr. Da  lassen  sich noch nicht präzise Zahlen nennen.

Foto: Der Pfarrer von St. Pölten-St. Josef, Andrzej Prochnak, und Pastoralassistentin Petra Ritter-Müller erinnern an das Martyrium von Pater Paulus Wörndl und laden zur Gedenkfeier am 22. Juni.