Vor 50 Jahren endete die dritte Sitzungsperiode des Konzils

Vor 50 Jahren endete am 21. November 1964 die dritte Sitzungsperiode des Zweiten Vatikanischen Konzils. Fast einstimmig nahmen die 2.156 Konzilsväter die Kirchenkonstitution "Lumen Gentium" und die Dekrete über den Ökumenismus ("Unitatis Redintegratio") und über die katholischen Ostkirchen ("Orientalium Ecclesiarum") an, die am selben Tag von Papst Paul VI. bestätigt und danach feierlich verkündet wurden.

Sie waren die Frucht von Debatten, Auseinandersetzungen und krisenhaften Situationen, die es weder davor noch danach in dieser Intensität beim Konzil gegeben hat.
Nicht wenige hatten am Beginn der dritten Sitzungsperiode die Hoffnung, dass diesmal recht zügig vieles - vielleicht sogar alles - auf der Konzilsagenda fruchtbar zu Enden gebracht werden könnte. Anlass zu dieser Hoffnung gab auch die feierliche Eröffnung am 14. September im Petersdom: Erstmals feierte Papst Paul VI. gemeinsam mit 24 Konzilsvätern die Messe und setzte damit beim Konzil die zuvor beschlossene Möglichkeit der Konzelbration um. Allgemein wurde dies als ein unübersehbares Zeichen der erneuerten Liturgie und gelebter Kollegialität des Papstes und der Bischöfe gedeutet. Nach dem Gottesdienst bekräftigte Paul VI. in einer programmatischen Ansprache die Kollegialität des Bischofsamtes und die Freiheit des Konzils.

Doch schon bald zeigten sich große inhaltliche Differenzen unter den Konzilsvätern vor allem hinsichtlich des Auftrags und der Rolle der Kirche "in der Welt von heute", beim Thema Religionsfreiheit und bei der Bewertung des Verhältnisses zum Judentum. Sie waren so groß, dass diese Themen und die diesbezüglichen Dokumente erst ein Jahr später ganz am Ende des Konzils beschlossen werden konnten.

Einigkeit fanden die Konzilsteilnehmer schon bei der dritten Sitzungsperiode bei dem nicht minder wichtigen Thema über die Kirche selbst. Das Ergebnis dieser kirchlichen Selbstvergewisserung ist die "dogmatische Konstitution über die Kirche" mit dem Titel "Lumen Gentium". Das Dokument behandelt u.a. die seit dem Ersten Vatikanischen Konzil offene Frage nach dem Verhältnis des Papstes zu den Bischöfen, die Wiedereinführung des Ständigen Diakonats, sowie der Stellung der Laien.

Gegenstand heftiger Diskussionen war das Kapitel über Maria, wo sich gerade der Wiener Erzbischof Kardinal Franz König als ein entscheidender Brückenbauer und Promotor hervortat. Nicht minder umstritten war die Frage nach dem Zueinander des päpstlichen Primats und der kollegialen Verantwortung des Episkopats für die Weltkirche. Auf Weisung des Papstes und um eine Gruppe von Konzilsvätern die Zustimmung zu erleichtern, wurde daher der Kirchenkonstitution ein erklärender Zusatz beigefügt, der den Primat des Papstes unterstreicht.

Die Versuche von Teilen der Konzilsväter und kurialer Kreise, an der Mehrheit vorbei Einfluss zu nehmen, erreichte in der dritten Konzilsperiode einen Höhepunkt. Eine entschlossene Reaktion einiger hochrangiger Konzilsväter mit den Kardinälen Josef Frings (Köln) und Franz König (Wien) an der Spitze entschärfte vor 50 Jahren die bis dahin größte Krise beim Zweiten Vatikanischen Konzil und macht deutlich, wie sehr damals um Positionen gerungen wurde.

(KAP)