Untergrundbischof von Shanghai mit 97 Jahren gestorben

In Shanghai ist der katholische Untergrundbischof Joseph Fan Zhongliang im Alter von 97 Jahren gestorben. Wie die Kardinal-Kung-Stiftung in Stamford/Connecticut (USA) am Sonntag mitteilte, starb Fan Zhongliang vor wenigen Tagen an hohem Fieber. Zur Beisetzung werden rund 2.000 Teilnehmer erwartet.

Den Angaben zufolge lehnten die Behörden eine Trauerfeier in der Kathedrale von Shanghai ab. Im Vorjahr war dort die Totenmesse für den Bischof der offiziellen "Patriotischen Vereinigung", Aloysius Jin (1916-2013), gefeiert worden.

Rund 13 Millionen der gut 1,3 Milliarden Einwohner der Volksrepublik China sind Katholiken; die Behörden verzeichnen jedoch lediglich 6 Millionen. Eine Besonderheit des chinesischen Katholizismus ist die Teilung in zwei Gruppierungen: Neben einer regimenahen und staatlich zugelassenen "Patriotischen Vereinigung der Katholiken Chinas" gibt es die sogenannte Untergrundkirche in Gemeinschaft mit dem Papst.

Die "patriotischen Christen" können seit 1957 beziehungsweise wieder seit Ende der chinesischen Kulturrevolution (1966-1976) mit staatlicher Erlaubnis aktiv sein. Gegen die Mitglieder der Untergrundkirche kommt es dagegen regelmäßig zu staatlichen Sanktionen. Immer wieder werden Priester und Bischöfe verhaftet oder verhört. Die Untergrund-Katholiken erhalten keine Erlaubnis zum Bau von Kirchen. In den vergangenen Jahren wurden auf Druck der staatlichen Führung wiederholt Bischöfe ohne päpstliche Zustimmung geweiht.

Bischof Fan gehörte dem Jesuitenorden an. Seit 1955 verbrachte er mehr als 30 Jahre in Gefängnis und Lagerhaft. 1985 wurde er geheim zum Bischof geweiht und von Johannes Paul II. zum Koadjutor des inhaftierten Bischofs von Shanghai, Kardinal Ignatius Kung, ernannt. Auch nach dessen Tod im Jahr 2000 blieb Fan die Ausübung seines Bischofsamtes untersagt. Parallel zu ihm benannte die chinesische Regierung 1985 den "patriotischen" Jin zum Bischof Shanghais. Fan stand bis zu seinem Tod unter Hausarrest.

Derzeit hat Shanghai einen Weihbischof, Thaddeus Ma Daqin (45). Er wurde im Juli 2012 mit Zustimmung von Papst Benedikt XVI. und Pekings geweiht. Während der Weihe erklärte Ma, er werde künftig keine Position mehr innerhalb der "patriotischen Vereinigung" bekleiden und sich der Seelsorge widmen. Seitdem steht er unter Hausarrest; die chinesische Regierung widerrief im Dezember 2012 die Weihe.

Die Kardinal-Kung-Stiftung appellierte angesichts des Todes beider ehemaligen Amtsträger an die Behörden, nunmehr Ma sein Bischofsamt ausüben zu lassen.