Taufe: „Berufung zur Heiligkeit“

Diözesanbischof DDr. Klaus Küng

St. Pölten, 23.10.2014 (dsp) Als „ein Eingetaucht-Werden in das Leben und Sterben Christi, um mit ihm aufzuerstehen zu einem neuen Leben bzw. um von seinem Leben bekleidet zu werden“, beschrieb Bischof Klaus Küng das Sakrament der Taufe in einer Katechese in St. Pölten. Der Vortrag war der zweite Teil in der neuen Katechesenreihe „8x Sakramente in der Franziskanerkirche“.

Die Taufe sei „heilsnotwendig“, weil der gefallene Mensch aus eigener Kraft die Sünde nicht wiedergutmachen könne, so Küng. „Wir sind nicht imstande, in der Tiefe zu erfassen, was Sünde ist, weil wir Gott niemals so zu erkennen und zu lieben vermögen, wie er ist und wie es ihm gebührt. Wir können daher die Sünde, die sich ja gegen Gott richtet, auch nicht so bereuen, wie es angebracht wäre. Wir können sie ebenso wenig wirklich wieder gut machen.“ Christus jedoch könne dies, weil er „Licht vom Licht, Gott von Gott“ sei, vollkommenes Abbild des Vaters. „Er kennt Gott ganz und liebt ihn unendlich. Und weil er Mensch geworden ist, konnte er an unsere Stelle treten. Durch Ihn, mit Ihm und in Ihm tut sich für uns ein Weg auf.“

Durch das Eingetaucht-Werden in das Leben und Sterben des Herrn empfange der Mensch die Reinigung von den Sünden: die Vergebung der Erbsünde und der begangenen Sünden (Erwachsener). „Die Sakramente wirken aber nicht automatisch“, erklärte Küng. „Gott hat uns die Freiheit geschenkt und belassen, auch wenn sie manchmal eingeschränkt ist.“ Ein Erwachsener, der getauft wird, aber sein heidnisches Leben nicht ändert, empfange zwar gewisse Wirkungen der Taufe, aber sie sei „nicht wirklich fruchtbar“. Ähnliches gelte für jene, die zwar als Kinder getauft wurden, aber nicht christlich leben. „Sie sind zwar getauft, aber manchmal haben sie nicht einmal das Evangelium empfangen. Sie gleichen einem Leuchter, der nicht brennt oder einem Computer ohne Strom.“

Das 2. Vatikanische Konzil habe in Erinnerung gerufen, dass alle Getauften und Gefirmten zur Heiligkeit berufen seien, so Küng. „Alle Christgläubigen sind also zum Streben nach Heiligkeit und ihrem Stand entsprechender Vollkommenheit eingeladen und verpflichtet“ (LG 42). Bewusst zu machen, dass die Berufung heilig zu werden alle angehe, nicht nur Priester und Ordensleute, sei schon lange vor dem Konzil – „seit dem 2. Oktober 1928“ – das zentrale Anliegen des hl. Josefmaria Escrivá gewesen. „Aber es bleibt weiterhin eine der Aussagen des Konzils, die wir noch immer weitgehend zu erlernen haben.“

Die Betonung der allgemeinen Berufung zur Heiligkeit wäre jedoch missverstanden, würde man aus ihr schließen, dass alle Getauften in der gleichen Weise zur Heiligkeit berufen seien, führte Küng aus. Jeder einzelne Christ sei berufen, seinen ganz persönlichen Weg zur Heiligkeit zu gehen. „Der Weg kann unterschiedliche Merkmale tragen, in unterschiedlichen Umständen verwirklicht werden. Das Eingehen einer Ehe, der Entschluss, Priester zu werden, einem bestimmten Orden oder einer bestimmten Gemeinschaft beizutreten, nach einer bestimmten, von der Kirche gutgeheißenen Regel zu leben, sind Konkretisierungen der in der Taufe grundgelegten Berufung.“

Das Streben nach Heiligkeit bewege sich stets im Spannungsfeld von Ideal und Wirklichkeit. Es betreffe das ganzes Leben, insbesondere den Alltag, die Beziehung zu Gott, zu den anderen und uns selbst. Küng: „Solange wir unterwegs sind, wird diese Spannung immer bestehen bleiben. Immer bedarf es eines Prozesses der Reifung und Vertiefung, der ein Leben lang andauert und bei dem der Heilige Geist führend und tragend ist durch Gottes Wort und Gottes Eingebung, aber auch durch das in der Kirche vergegenwärtigte Werk der Erlösung.“

Die ganze Katechese zum Nachhören