Taizé feiert 2015 ein Fest- und Gedenkjahr

Die ökumenische Gemeinschaft von Taizé feiert 2015 ein Fest- und Gedenkjahr. Begangen werden der 100. Geburtstag des Gründers Frère Roger Schutz, zudem dessen zehnter Todestag sowie der 75. Jahrestag der Gründung der Communauté, wie der derzeitige Prior der Gemeinschaft, der Deutsche Frère Alois Löser, mitteilte. Als Thema des Festjahres habe man "Solidarität" gewählt.

Die Festwoche wird vom 9. bis 16. August begangen. Der 16. August ist der Todestag von Frère Roger; er wurde 2005 von einer geistig verwirrten Frau während des Abendgebetes erstochen. Erwartet werden nach den Worten von Frère Alois Vertreter verschiedener Kirchen.

"Wir wollen mit den Jugendlichen Wege suchen, um noch stärker aus dem Glauben heraus in Solidarität mit anderen zu leben" so der Prior. Man wolle deutlich machen, "dass wir Christen in der globalisierten Welt neu herausgefordert sind". Bereits in den vergangenen Jahren habe die Gemeinschaft zur Vorbereitung in diesem Sinne Jugendtreffen auf anderen Kontinenten veranstaltet, zuletzt in Mexiko-Stadt und 2012 in Ruanda.

Taizé ist ein Symbol der ökumenischen Bewegung. Der Ort im ostfranzösischen Departement Saone-et-Loire (Burgund) ist Sitz einer ökumenischen Ordensgemeinschaft, die zum Treffpunkt für Jugendliche aus aller Welt wurde. Ihr gehören rund 100 Männer aus mehr als 25 Ländern an, die aus der evangelischen und katholischen Kirche stammen.

Ihr Gründer Roger Schutz entwickelte zu Beginn der 1940er-Jahre ein neues Modell des Zusammenlebens von Menschen unterschiedlicher Konfession. 1915 in der Schweiz geboren, ließ sich Schutz nach vierjährigem Theologiestudium in Lausanne und Straßburg im Jahr 1940 in Taizé in Burgund nieder. 1949 legten die ersten sieben Brüder ihre Gelübde in der ökumenischen Gemeinschaft ab.

Seit im August 1974 erstmals Zehntausende zu einem "Konzil der Jugend" zusammenkamen, veranstalten die Taizé-Brüder regelmäßig Jugendtreffen in allen Teilen der Welt. Jährlich findet zudem über Silvester in einer europäischen Großstadt ein Taizé-Treffen statt: zuletzt in Straßburg, zum Jahreswechsel 2014/2015 in Prag.

Der jetzige Taizé-Prior Frère Alois Löser hatte am 11. Juni seinen 60. Geburtstag gefeiert. Nach der Ermordung des Taizé-Gründers Roger Schutz am 16. August 2005 folgte Frère Alois dem Gründer als Prior nach. Gemäß der Ordensregel von Taizé ernennt der Prior selbst seinen Nachfolger; Frère Roger tat dies bereits acht Jahre vor seinem Tod.

Alois Löser wurde am 11. Juni in Nördlingen (Bayern) geboren und wuchs in Stuttgart auf. Seine Eltern kamen als Heimatvertriebene aus dem Egerland. Seit seinem 17. Lebensjahr besuchte Alois Taizé. Damals, in den frühen 1970er-Jahren, fanden dort die ersten großen europäischen Jugendtreffen statt. 1974 trat er der Communauté von Taizé bei. Sein endgültiges Versprechen zur Bindung an die Communauté legte Frère Alois am 6. August 1978 ab.

Bereits damals fragte Frère Roger Alois Löser nach eigenem Bekunden erstmals, ob er sich vorstellen könnte, beizeiten seine Nachfolge als Prior anzutreten. 1998 teilte Frère Roger seine Entscheidung dem Bruderrat mit.

Frère Alois studierte in Lyon Theologie, ist aber kein Priester. Viele Jahre war er Koordinator und Quartiermeister für die europäischen Taizé-Treffen. Ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit waren nach der politischen Wende von 1989 zahlreiche Reisen nach Mittel- und Osteuropa, wo die Gemeinschaft in den 1990er Jahren mehrere Anlaufstationen für Menschen in Not einrichtete. Frère Alois komponierte auch einige der geistlichen Gesänge.

(KAP)