"Schöpfungszeit" ab 1. September

Die Vorbereitungen auf die von den Kirchen alljährlich begangene "Schöpfungszeit" ab 1. September laufen auf Hochtouren. Zwischen dem "Tag der Schöpfung" und dem Festtag des "Öko-Heiligen" Franz von Assisi am 4. Oktober rufen die Kirchen zu einem nachhaltigen Lebensstil auf. Österreichweit werden in dieser Zeit Veranstaltungen in Pfarren und von kirchlichen Einrichtungen zum Thema Umwelt- und Klimaschutz angeboten.

Mit Spannung wird auch auf das Erscheinen der von Papst Franziskus angekündigten Öko-Enzyklika gewartet, die sich laut Vatikan-Sprecher Federico Lombardi in der Phase der Endredaktion befindet und möglicherweise rund um den "Namenstag" des Papstes erscheint. Einer der Mitarbeiter ist der austrobrasilianische Bischof Erwin Kräutler, demzufolge die Ausrichtung des Textes über Umweltschutz im engeren Sinn weit hinausgeht und auch die Frage der gerechten Verteilung der Güter der Erde behandelt wird.

Der 1. September wird seit 25 Jahren als "Tag der Schöpfung" gefeiert. Er dient zugleich der Erinnerung daran, dass "mit der Schöpfung in Gottes Namen alles begann: die Heilsgeschichte Gottes mit uns und unsere teilweise wenig überzeugende Geschichte mit Gottes Schöpfung", heißt es von Seiten der Umweltbeauftragten der katholischen und evangelischen Kirche in Österreich.

Die "Arbeitsgemeinschaft Schöpfungsverantwortung" kündigte für 1. September eine Straßenaktion zum Thema "Unsere Zukunft" von 11 bis 13 Uhr in der Wiener Innenstadt an und für 5. September einen Fachtag im Wiener Kardinal-König-Haus, der die Antworten der Kirchen auf die ökologische Krise in den Blick nimmt. Internationale Fachleute wie die Schweizer Theologen Kurt Zaugg-Ott und Karin Bredull, Volodymyr Scheremeta von der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche und der Grazer Sozialethiker Kurt Remele nehmen teil.

Symposion mit Kardinal Schönborn

Ein Höhepunkt der Schöpfungszeit in Österreich wird eine Veranstaltung der kirchlichen Umweltbeauftragten am 13. September sein: Beim Symposion "Schöpfung - Zufall -Evolution" im Bildungshaus Schloss Großrußbach (Niederösterreich) ist Kardinal Christoph Schönborn als Eröffnungsreferent angekündigt, eingeladen sind auch der Wiener Paläontologe Univ. Prof. Fritz Steininger, die Zoologin Barbara Gereben-Krenn von der Uni Wien und der ORF-Journalist Hubert Arnim Ellissen. Das Symposion findet im Gedenken an den vor 100 Jahren geborenen Priester und Hobby-Paläontologen Josef Toriser statt.

Dass "Schöpfungszeit bewegt", soll am Europäischen Autofreien Tag am 22. September zum Ausdruck kommen, an dem kirchliche Gruppierungen zu "sanfter Mobilität" aufrufen. Bereits am Sonntag davor, dem 21. September, sollen sich die Gläubigen an einem autofreien Kirchgang beteiligen; das Motto dabei: "Wir radeln/gehen zur Kirche".

Umweltbewegte Kirchenvertreter wollen die Schöpfungszeit auch als Anstoß verstanden wissen, den eigenen Lebensstil auf Nachhaltigkeit zu überprüfen. Es solle eine Periode des Innehaltens und der Selbstanfrage sein, was an "Lebensfreundlichem" zu tun und an Umweltzerstörendem zu unterlassen sei, wie es auf der Website der Umweltbeauftragten www.schoepfung.at heißt. Auch Behelfe mit Handlungsanregungen und liturgischen Impulsen werden dort und auf www.argeschoepfung.at geboten.

Dass der Umweltgedanke bereits an der pfarrlichen Basis angekommen ist, zeigen u.a. die steigenden Zahlen der EMAS-Zertifizierungen (Eco-Management and Audit Scheme). Ziel des Umweltmanagementsystems EMAS ist es, durch strukturierte Analyse und Zieldefinitionen Betriebe und Einrichtungen zu einem ressourcenschonenden Energiehaushalt zu bewegen. Kirchlicherseits haben sich bereits 27 Einrichtungen - darunter Pfarren, Bildungshäuser und Schulen - zertifizieren lassen.

Orthodoxe Initiative

Die Idee einer Schöpfungszeit geht ursprünglich auf eine orthodoxe Initiative zurück: 1989 sprach Patriarch Dimitrios I. von Konstantinopel eine Einladung an die gesamte Christenheit aus, den 1. September als "Tag der Schöpfung" zu feiern. 1997 verabschiedete die Zweite Europäische Ökumenische Versammlung in Graz eine Resolution, in der sie den Kirchen empfahl, "die Bewahrung der Schöpfung als Bestandteil des kirchlichen Lebens auf allen seinen Stufen zu betrachten und zu fördern".

2007 schließlich bei der Dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung in Sibiu wurde die Schöpfungszeit als Empfehlung in das offizielle Abschlussdokument hineingenommen: "Wir empfehlen, dass der Zeitraum zwischen 1. September und 4. Oktober dem Gebet für den Schutz der Schöpfung und der Förderung eines nachhaltigen Lebensstils gewidmet wird, um den Klimawandel aufzuhalten."

(KAP)