PGR-Kongress: Was sich hinter einem "Date mit Jesus" verbirgt

PGR-Kongress Mariazell

Mariazell, 02.06.2014 (KAP/dsp)  In rund 60 Workshops, davon 5 aus der Diözese St. Pölten, wurden beim Pfarrgemeinderatskongress in Mariazell neue pastorale Projekte vorgestellt, in denen Laien in der Kirche die Initiative und Verantwortung übernehmen.

Zu einem "Date mit Jesus" lädt seit einiger Zeit die Pfarre Rohrbach in Oberösterreich Jugendliche ein. Hinter dem "Date" verbirgt sich einmal im Monat eine speziell für Jugendliche gestaltete Anbetungsstunde in der Pfarrkirche, "mit viel Musik, aktiven Elementen, Bibellesungen, Gebet und Stille", wie Stefanie Poxrucker von der Katholischen Jugend erläutert. Die Initiative dazu sei von einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin der Pfarre ausgegangen, der es ein Anliegen gewesen sei, die Frömmigkeitsform der Anbetung auch für Jugendliche attraktiv zu machen.

"Die Initiative bringt Frucht und wir wollen nicht nur Pfarrjugendliche sondern auch andere Zielgruppen ansprechen", so Poxrucker. Vor allem sollen die "Dates" auch über die Pfarrgrenze hinweg Jugendliche anziehen. Poxrucker: "Nicht jede Pfarre kann alles machen, gerade auch was attraktive Angebote für Jugendliche betrifft. Die Zusammenarbeit über Pfarrgrenzen hinweg wird immer wichtiger."

"Mit Christus unterwegs"

Die beiden Lehrer Angela und Manfred Weissensteiner pilgern seit 28 Jahren mit ihren Schülern nach Mariazell. Die zweitägige Fußwallfahrt von Ratten nach Mariazell ist für die jeweiligen Schüler der vierten Klasse Haupt- bzw. Mittelschule bereits zu einem Pflichttermin geworden. "Es tut einfach gut, mit Christus unterwegs zu sein. Das wollen wir vermitteln", sagt Angela Weissensteiner. Auch Unsportliche schaffen die Wegstrecke, die immer wieder von kurzen spirituellen Impulsen unterbrochen wird. Übernachtet wird auf einer steirischen Berghütte.

Mittlerweile pilgern auch die Abschlussklassen aller anderen Haupt- und Mittelschulen im Dekanat nach Mariazell. Und auch ehemalige Schüler, die nun schon Eltern sind, wollen die Wallfahrt nicht mehr missen. "Also gehen wir seit einigen Jahren auch mit den Eltern diese Wallfahrt", schmunzelt Manfred Weissensteiner.

"Ein Besuch, der von Herzen kommt"

"Ein Besuch, der von Herzen kommt, kommt nirgends verkehrt an." - Das sagt Leopold Schützeneder von der Katholischen Männerbewegung (KMB). Gemeinsam mit seinen Kollegen von der KMB im kleinen oberösterreichischen Ort Münzbach besucht er in der Weihnachtszeit Familien, die im vergangenen Jahr einen schweren Schicksalsschlag zu verkraften hatten; wenn etwa ein Familienmitglied an einer Krankheit verstorben ist, einen Unfall hatte oder Selbstmord beging.

"Zuhören ist wichtig. Oft werden es dann lange Gespräche bis Mitternacht", erzählt Schützeneder. Auch wenn der Anfang oft ein wenig zäh sei. Die KMB-Männer melden ihre Besuche nicht an. Zurückgewiesen wurden sie bisher trotzdem noch kein einziges Mal. "Die Leute spüren, dass wir ihnen eine kleine Freude machen wollen." Es sei mehr als nur ein Besuch, "wir können auch ein wenig "in der Seele und im Herzen weiterhelfen", sagt Schützeneder. Und er ist überzeugt, dass diese Familienbesuche auch in anderen Gemeinden auf viel Gegenliebe stoßen würden.

Wortgottesfeiern in Tirol

In der Diözese Innsbruck gibt es viele kleine Pfarren, die inzwischen zu Seelsorgeräumen zusammengefasst sind. Inzwischen ist es nun nicht mehr möglich, dass in allen Pfarren jeden Sonntag Eucharistie gefeiert wird. Deshalb seien in den vergangenen fünf bis sieben Jahren verstärkt Wortgottesdienstleiter ausgebildet und beauftragt worden, berichtet Michael Strebitzer von der Diözese Innsbruck.

Teams würden die Wortgottesfeiern mit Kommunionspendung vorbereiten. Von der Bevölkerung werde diese Form des Gottesdienstes gut angenommen. Nicht nur an gewöhnlichen Sonntagen, sondern auch zu den Feiertagen, wie Weihnachten oder Ostern.

Nachhaltige Schritte einer Landpfarre

Es ist möglich mit vielen kleinen öko-sozialen Schritten das Leben nachhaltig zu verbessern. Davon zeigt sich Maria Knöbl aus der Pfarre Dechantskirchen überzeugt, denn: "Wir leben auf Kosten der kommenden Generation." Die steirische Pfarre kann bereits auf etliche Projekte wie den Bau von Photovoltaikanlagen, den autofreien Sonntag oder ein Brunnenprojekt in Afrika zurückblicken.

Man könne damit viele Menschen erreichen und die Pfarre habe "Feuer gefangen", weil jeder erfolgreiche Projektabschluss auch mit einem Fest gefeiert werde. Beim Pfarrgemeinderätekongress wolle sie mit dem Workshop über "gelebte Nachhaltigkeit in einer Landpfarre" andere Pfarren ermutigen, ebenfalls Arbeitskreise für Schöpfungsverantwortung zu gründen.

Tauschkreisidee fördern

Die Tauschkreisidee ist nicht nur in Österreich sondern weltweit im Vormarsch und kann auch für die Kirche neben dem "Gotteslohn" und der Entlohnung eine Alternative zur Honorierung von Leistungen sein. Für diese Idee wirbt der Kärntner Alois Tuscher bei den Pfarrgemeinderäten im Rahmen eines Workshops über "Talente-Tauschkreise". Diese "Währung der Lebensstunde" habe sich bereits in anderen Ländern bewährt und komme eigentlich aus dem außerkirchlichen Bereich. In der Diözese Gurk sei es aber anders gelaufen, denn dort wurde 1997 aus einer pfarrlichen Initiative heraus der "Talentetauschkreis Kärnten" gegründet - freilich nicht als dezitiert katholische Initiative, so Tuscher.

Wie sehr die Idee bereit innerhalb der christlichen Kirchen verankert sei, zeige das vor 10 Jahren veröffentlichte "Ökumenische Sozialwort", in dem eine Unterstützung der Tauschkreisidee den Kirchen empfohlen werde. Von daher sollten die Pfarren und die Kirche insgesamt diese Idee als "Währung innerhalb der Kirche" stärker aufgreifen.

Ehrenamtliche Pfarrleitung

In der Diözese Linz gibt es seit 2003 das Modell der ehrenamtlichen Pfarrleitung: Viele Pfarrer haben zwei oder noch mehr Gemeinden und können nicht mehr im nötigen Ausmaß in jeder Gemeinde vor Ort sein. Um eine Seelsorge gewährleisten zu können, die nahe bei den Menschen ist, würden ehrenamtliche Mitarbeiter mit gewissen Leitungsaufgaben betraut, erläutert Monika Heilmann vom Pastoralamt der Diözese Linz. So gebe es beispielsweise für die Liturgie verantwortliche Mitarbeiter. Diese sorgen u.a. für den Gottesdienstplan und sind für die Einteilung von Lektoren oder Kommunionhelfer verantwortlich.

In 50 Pfarren in der Diözese werde bereits das Modell der ehrenamtlichen Pfarrleitung eingesetzt, so Heilmann. Viele Ehrenamtliche würden aus ihren Berufen bereits wichtige Qualifikationen und Leitungskompetenzen mitbringen. Dazu bekämen sie freilich auch eine fundierte Ausbildung in theologischen Fragen und Sozialkompetenzen. Die Pfarrleiter würden auch durchgehend von Priestern bzw. Theologen begleitet. Von der Pfarrbevölkerung würden die ehrenamtlichen Leiter gut akzeptiert, so Heilmann. An die Grenzen stoße das Modell allerdings dort, wo Pfarrer nicht teamfähig sind.